Seltene Erden – ein Geologie-Exkurs
Miriam Kraus in Nebenwerte Daily zum Thema Seltene Erden
vom 25. Januar 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
Nachdem wir uns bereits am vergangenen Freitag einen historischen Überblick über die Produktion von Seltenen Erden gegönnt haben und uns überdies damit beschäftigt haben, warum derzeit die Seltenen Erden in aller Munde sind, möchte ich heute an dieser Stelle weiter machen und über die möglichen weltweit vorhandenen Lagerstätten sprechen.
Nur kurz, als Zusammenfassung: wir wissen, dass China zwar hohe Reserven an Metallen der Seltenen Erden hält, doch der eigentliche Grund für Chinas enorm hohen Marktanteil an der weltweiten Produktion im historischen Kontext zu suchen ist. Wir wissen auch, dass und warum China seine Exportquoten für Metalle der Seltenen Erden verschärft und dass die Produktionskosten auch in China steigen werden. Dementsprechend wachsen außerhalb Chinas die Sorgen nicht nur in Bezug auf zu erwartende Preissteigerungen, sondern auch bezüglich einer kommenden Verknappung, bis hin zu einem möglichen Angebotsdefizit in einigen Jahren.
Doch, zu einem Defizit müsste es eigentlich gar nicht kommen, denn, wie wir wissen, sind die Metalle der Seltenen Erden, weltweit alles andere als wirklich selten. Voraussetzung dafür, dass es nicht zu einer extremen weltweiten Verknappung kommt, ist allerdings, dass die übrigen Lagerstätten außerhalb Chinas, ich sage einmal lapidar, auf Vordermann gebracht werden. Dies erfordert natürlich ebenfalls ein entsprechendes Preisniveau, zu welchem sich die Entwicklung neuer (oder Re-Entwicklung alter) Minen lohnt. Ein weiterer Faktor, der vorerst also für weiter steigende Preise spricht. (...aber keinesfalls eine Garantie dafür, dass sich ein hohes Preisniveau ewig halten wird...ganz besonders dann nicht, wenn tatsächlich der Reihe nach eine Menge Minen weltweit in Förderung gehen und das Angebot ausgeweitet wird...doch das dürfte natürlich noch eine Weile dauern, denn der Aufbau von Minen erfordert Zeit...).
Nun, das wichtigste ist also, dass entsprechend profitable Lagerstätten außerhalb Chinas evaluiert werden. Um aber zu verstehen wo und warum gerade dort, eventuell abbauwürdige Lagerstätten vorhanden sind, müssen wir uns zunächst ein wenig mit der Geologie auseinander setzen. Deshalb möchte ich Sie heute zunächst auf einen kleinen Exkurs mitnehmen.
Am Anfang steht das Gestein
Jetzt mal ein bisschen Erdgeschichte: Sie müssen sich vorstellen, wie im Laufe der Zeit Magma immer weiter an die Erdoberfläche gedrängt wird. Je weiter das Magma nach oben dringt, desto mehr kühlt es ab und desto mehr Mineralien kristallisieren durch die Abkühlung aus, weil ihr Schmelzpunkt unterschritten wird. Bei den Metallen der Seltenen Erden ist das nicht so einfach. "Auf dem Weg nach oben kristallisieren sie nicht so schnell mit den Mineralien aus." Stattdessen reichern sie sich in der restlichen Schmelze immer stärker an. Deshalb findet man sie oft in magmatischem Gestein, also in Gestein, das mit erdgeschichtlichen vulkanischen Aktivitäten in Verbindung steht. Wie zum Beispiel in Karbonatit.
Karbonatit
Karbonatit ist ein magmatisches Gestein und die meisten der förderbaren Vorkommen an Metallen der Seltenen Erden kommen in Karbonatit-Komplexen (und Alkaligesteinen, mit denen Karbonatit oft vergesellschaftet ist) vor.
Das wichtigste Mineralerz zu Gewinnung von Seltenerd-Metallen aus der Gruppe der Carbonate ist das Bastnäsit.
Im 2.Teil geht's weiter, dann sehen wir uns an, wo überall auf der Welt möglicherweise bedeutsame Karbonatit-Komplexe vorhanden sind...
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