Selektive Wahrnehmung
Daniel Wilhelmi in Profit Radar
vom 15. August 2006 19:00 Uhr
ENL5454
Weiterhin schlägt das Thema Afrika bei Ihnen hohe Wellen. Ich habe viele Leserbriefe zu diesem Thema erhalten. Einige davon werde ich in den nächsten Ausgaben zitieren, bevor ich dann noch mal wie angekündigt auf die N11-Staaten eingehe. Auffallend ist bei den Mails, dass das Thema Afrika sehr emotional diskutiert wird. Das mag in Anbetracht des Elends durchaus menschlich sein, hat aber in einem Börsenkontext keinen Platz. Das muss ich ganz klar so hart sagen.
Emotionen sind immer Gift für Ihre Anlagen, denn sie führen dazu, dass Sie Investmententscheidungen mit ihrem Herzen oder Bauchgefühl und nicht mit Ihrem Verstand fällen. Sei es, dass Sie dadurch zu lange an einer Aktie festhalten oder Nachrichten über einen Wert nur selektiv wahrnehmen. Wenn Sie an der Börse erfolgreich sein wollen, dann müssen Sie Ihre Emotionen kontrollieren. Dafür liebe ich zum Beispiel den Sport. Als Sportfan, sei es Fußball oder American Football, kann ich mich emotional völlig ausleben –und glauben Sie mir, bei den Leiden mit dem 1.FC Köln kann man sich emotional völlig verausgaben. Dafür habe ich dann aber den Kopf frei, um rational und trocken an die Börsen heranzugehen.
Besonders verbreitet ist der Fehler der selektiven Nachrichtenwahrnehmung. Unsere Emotionen spielt Anlegern hier einen Streich, der sie sehr häufig teuer zu stehen kommt: Wenn man in einer Aktie oder einem Derivat eine Position eingegangen ist (long oder short), dann nehmen viele Anleger, die zu dem Unternehmen eingehenden Nachrichten nicht objektiv auf, sondern wählen sich selektiv nur die Nachrichten heraus, welche die eingegangene Position unterstützen und damit die Richtigkeit der eigenen Entscheidung bestätigen.