Selbst Frisöre und Taxifahrer wissen…
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Ich habe letztens über verschiedene Schulen von Wirtschaftswissenschaftlern geschrieben. Es gibt noch eine weitere. Und zwar die, welche ich vertrete. Diese erkannt an, dass niemand alles weiß, aber das einen nicht daran hindert, seine Meinung zu sagen. Und ich persönlich beginne mit einer Kritik meiner Gegner. Fairer Leser, seien Sie der Richter.
Die Meinung des Mainstreams" wird durch die Fakten widerlegt. In den USA haben heute weniger Leute einen Job als vor dem Beginn der großen Konjunktur-Stimulierungs-Programme. Die Umsätze sind gefallen. Wachstum fällt. Selbst Frisöre und Taxifahrer wissen, dass etwas falsch läuft.
Aus Sicht der "Inflationisten" macht das Sinn. Die Fed hat die Geldmenge erweitert. Die Preise sollten steigen. Aber in Europa und den USA gibt es fast keine Konsumentenpreis-Inflation mehr. Das ist es auch, was uns die Renditen der Staatsanleihen signalisieren; die signalisieren Deflation, nicht Inflation. Vielleicht werden die Inflationisten am Ende doch Recht bekommen. Aber derzeit fallen die Preise in der entwickelten Welt eher; sie sollten dies, bis die Phase der Schuldenreduktion" größtenteils abgeschlossen ist.
Auch die hardcore Deflationisten" könnten Recht bekommen. Denn auf eine große Kredit-Expansion folgt typischerweise eine große Kredit-Kontraktion. Die Vergangenheit ist kein Vorspiel, sondern ein Soll. Jetzt ist es fällig. Aber es gibt Platz für Verhandlungen. Wenn die hardcore Deflationisten" Recht haben, dann werden die Schulden wieder auf das Niveau der 1970er schrumpfen und die Preise der Vermögensgegenstände werden auch so weit korrigieren. Aber seit der Carter-Ära ist viel passiert.
Es gibt z.B. viel mehr Nachfrage, von überall auf der Welt. China ist jetzt ein größerer Energie-Verbraucher als die USA, und ein größerer Auto-Käufer. Die Nachfrage nach fast allem steigt. Diese neue Nachfrage sollte die Preise steigen lassen.
Auch die Angebotsseite spricht nicht gerade für eine Deflation. Das billig zu fördernde Öl ist bereits gefördert. Und andere Ressourcen - inklusive Nahrungsmittel und Wasser - benötigen große Kapital-Investitionen, bevor sich das Angebot erhöht. In China und Indien steigen die Inflationsraten bereits. Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor die Exporteure die Inflation in einen Container verfrachten und ihn in den Westen schicken.
Aber ich muss mich nicht nur von meinen Einschätzungen abhängig machen. Ich habe ein Beispiel direkt vor meiner Nase - Japan. Auf dieser Insel baut der private Sektor seit 1990 Schulden ab - und die Renditen der Staatsanleihen sind ultra-niedrig. Die Konsumentenpreise sind gefallen. Immobilien- und Aktienmarkt haben einen Betrag verloren, der dem Äquivalent von drei Jahren japanischem BIP entspricht.
Die Wirtschaftswissenschaftler haben das komplett missverstanden und gaben konsistent falschen Rat. Und die Autoritäten nahmen den Rat an und verschleuderten die Ersparnisse einer ganzen Generation. Aber die Welt hörte nicht auf, zu bestehen. In Japan wurden Schulden abgebaut (private), während der Rest der Welt in Kauflaune kam.
Jetzt ist die gesamte entwickelte Welt dabei, im privaten Sektor Schulden abzubauen, während die Emerging Markets verstärkt shoppen gehen.
Niemand weiß alles. Aber die Leser sollten eine lange Korrektur erwarten.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hedda Phonphai (11.08. 2010 09:32 Uhr):
Lieber Herr Bronner. Die Schuldenproblematik ist doch nicht neu. Schon in 1986 wurde von den Banken "alles" gratis angeboten, damit die Konsumenten unnuetzes Zeug kaufen, Wiederum 2000. Mobiltelefone zu nulltarif etc. Jetzt die Immobilien, in der ganze westliche Welt wurde einem ein Darlehen aufgedraengt, schmackhaft gemacht etc. Besonders in UK waren die morgagues Anbieter sehr agressiv. Hier in Spanien wurde 15 Jahre Haueser konstruiert, von immer mehr Leute die schnell Geld verdienen wollten. Viel zu viele, wer haette das alles kaufe sollen. Man braucht doch nur schauen was der Durchschnittperson verdient, dann kann man auf einem Hand ausrechnen, dass alle diese grausige Konstrutionen sich niemals rentieren werden. Mir tun die Banken ueberhaupt nicht leid. Aber die machen fuer alle die Leute alles kaputt, die ein moderate Lebenseinstellung haben, und sich ueberlegen ob man sich wirklich in absehbare Zeit das finansieren kann was man sich vorgenommen hat. Ein konsumfreudiger Mensch ist es nicht schwer zu ueberreden ueber seine Verhaeltnisse zu leben. Wenn der Bank dann trotzdem ein Darlehen gibt auf Teufel komm raus, haben sie kein Recht nachher die oeffentlichkeit vorzuweinen wie schlecht es ihnen geht. Aber sie reissen in ihre Gier alles mit sich, und darueber bin ich wuetend. Mit den besten Gruessen Hedda Phonphai
Antworten - Kommentar von Heinz Hammer (11.08. 2010 23:07 Uhr):
Lieber Herr Bonner, erst einmal vielen Dank für das Bestehen ihres Newsletters,der mir nun seit über einem Jahr regelmäßig den Tag versüßt. Ihre Art den täglichen Wahnsinn in der Welt der "Wirtschaft" zu kommentieren spricht mir aus der Seele,sehr schön sarkastisch und von Herzen,wunderbar,einfach herrlich. Ja,da gebe ich Ihnen Recht,es ist tatsächlich unglaublich,wie viele Experten sich in Wirtschaftskreisen tummeln,die es von der Intelligenz her besser wissen,aber wohl nicht über ihren Schatten springen können bzw. die Augen nicht öffnen. Ein guter Bekannter von der Küste sagte diesbezüglich immer:"Du hast den Kopf auch nur zum Haare schneiden." Das ist aber ein Problem,welches mir immer mehr begegnet,auch und gerade in Wissenschaftskreisen,z.B. bei den Naturwissenschaften. Dort sind die Experten so spezialisiert,dass sie sich untereinander fast nicht mehr verständigen können. Das Zwiebelsystem verliert an Vitalität,es geht häufig mehr um Forschungsgelder als um die Wahrheit,die vor aller Augen liegt. Na ja,aber jeder kriegt was er verdient,so wie wir unsere Politiker! In diesem Sinne,es gibt einiges zu tun.Lassen Sie es sich gutgehen.
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