Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Ratingagenturen
vom
Eigentlich wollte ich mir die gute Laune ja nicht schon wieder verderben lassen und auch noch auf den Gerüchte-Zug aufspringen, aber was soll man machen, wenn das beherrschende Thema die mögliche Aussage einer Rating-Agentur ist, die sich bislang (also zum Redaktionsschluss) noch nicht zu Wort gemeldet hat?!
Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben sollten: schon den ganzen Tag über beschäftigen sich die Marktteilnehmer, Medien und jeder andere, der nichts besseres zu tun hat, mit dem Gerücht, dass die Rating-Heinis von S&P heute Abend Frankreich und Österreich das Triple-A entziehen könnten und obendrein auch noch Italien, Spanien, Portugal und Belgien abstufen würden.
Mir geht das auf den Keks!
Verstehen Sie mich nicht falsch, im vergangenen Jahr habe ich es mit den Rating-Heinis gehalten, denn deren Abstufungen waren richtig und wichtig.
Aber aktuell käme solch eine Abstufung, einem Schlag mit dem Hammer vor das Knie der neuen Freude gleich.
Warum? Weil sich durchaus was geändert hat. Nein, natürlich hat sich nichts an den grundlegenden Problemen der Eurozone, oder im Übrigen auch einer ganzen Reihe anderer überschuldeter Staaten, wie Amiland und Japan, geändert.
Was sich dagegen geändert hat, ist, dass die EZB mit ihrem Plan, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen (ich hatte vor Weihnachten berichtet), echt mal Erfolg bewiesen hat. Durch die Ausweitung der Notenbankbilanz und weil sie als oberste Bank, sowieso den Zusammenbruch des Finanzsystems verhindern muss, versorgt sie die Banken ordentlich mit Liquidität. Gefällt nicht jedem, ist aber notwendig, wenn wir nicht zusehen wollen, wie vor allem in den südlichen Ländern, reihenweise Banken-Runs einsetzen, die Staaten doch noch vor die Hunde gehen und der Kollaps der Zone uns alle mitreißt.
Weil die EZB aber zugleich die Sicherheitsanforderungen angepasst hat, sorgt sie dafür, dass die Banken Staatsanleihen der angeschlagenen Staaten kaufen und diese im Gegenzug für Liquidität als Sicherheiten hinterlegen. Das hat die Zinslast der Italiener und Spanier zuletzt schon massiv gedrückt. (Italienische 1-jährige sanken z.B. von fast 6% endlich mal wieder auf unter 3% bei der letzten Auktion).
Und das liebe Heinis von S&P macht schon einen Unterschied. Bis auf die Emerging Markets sind doch sowieso alle Staaten überschuldet - um das zu wissen, brauche ich S&P nicht. Viel wichtiger ist, wie hoch die Zinsen sind, welche die Staaten berappen müssen. Denn nur dadurch wird ersichtlich, wie lange sich die Staaten ihre Schulden noch leisten können.
Außerdem ist eine Abstufung von Frankreich natürlich nicht gerade schön, wenn man an den dämlichen EFSF denkt. Aber in den habe ich sowieso nicht das größte Vertrauen, weshalb mir das eigentlich auch schon egal ist.
Aber vielleicht ist es so oder so egal...
...denn schließlich haben die Amis auch kein Problem damit, dass sie von S&P nicht mehr mit Triple-A bewertetet werden. Denn das scheint niemandem etwas aus zu machen - die Amis können sich nach wie vor übergünstig refinanzieren.
Hoffen wir mal, dass das im Falle der Euroländer auch gilt....
So long liebe Leser...na ja, zumindest Fitch hält es ja noch mit uns, hat den Franzosen ja erst letzte Woche bestätigt, dass ihr Triple-A nicht in Gefahr sei...und außerdem, wenn man sich generell man ansieht, wer denn weltweit, wie, von wem bewertet wird, muss man sich sowieso fragen, ob man diesen Buchstaben tatsächlich so viel Wert beimessen will...was ist ein Triple-A eigentlich schon Wert?...haben doch sowieso nur Spitzenschuldenländer...;-)....da ich heute außerplanmäßig noch einen dringenden Termin wahr nehmen muss, verschiebe ich den Konjunkturdatenrückblick (für den ich wahrlich mehr Zeit benötige, als mir heute zur Verfügung steht) auf Montag..sorry, aber ich hoffe sie verzeihen mir...;-)...liebe Grüße und bis Montag...
Ihre Miriam Kraus