Sehr mäßig gute Nachrichten – Teil 2
Dr. Marc Faber in Traders Daily
vom 18. August 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Die vierte Verbesserung, die ich erkennen, ist, dass einige zuvor starke Aktien und Gruppen, wie z.B. US Steel, Cleveland-Cliffs, IBM und der Ölsektor, genauso wie die Nasdaq und einige ihrer besten Positionen wie z.B. Research in Motion, Apple etc. anfangen einzubrechen.
Denn der Einbruch der Marktführer ist eine wichtige Bedingung für einen echten Tiefpunkt. Aber auch hier müssen wir verstehen, dass es sehr viel länger dauern wird und das wesentlich niedrigere Preise notwendig sind, ehe die sehr starken Märkte und Sektoren (die meisten davon stehen in irgendeinem Bezug zu Energie und zu Materialien) die sich bislang dem Bärenmarkt der Finanzaktien widersetzen konnten, einen echten Tiefpunkt erreicht haben werden.
Weil ich sehr stark damit rechne, dass sich die Finanzkrise auch auf die wahre Wirtschaft ausbreiten wird, würde ich diese Sektoren und Aktien verkaufen, die bislang der Schwäche der Finanzaktien getrotzt haben. Ein weiterer möglicherweise guter Beitrag aus den Nachrichten ist, dass die aktuell expandierende Geldpolitik die stärkeren Unternehmen eines Industriesektors stärker werden lässt, als die schwächeren Wettbewerber. Das würde sich in stark voneinander abweichenden Leistungen der Aktien zeigen.
Die schwächeren Unternehmen könnten so sehr fallen, dass sie an einem bestimmten Punkt zu attraktiven Kandidaten für Fusionen und Übernahmen durch die finanziell besser gestellten Unternehmen werden. Zusammenschlüsse würden das Szenarium beschleunigen und zu stärkerer Preismacht (und Inflation) führen.
Der letzte, möglicherweise gute Beitrag aus den Nachrichten lautet, dass Öl- und andere Rohstoffpreise vielleicht ein Zwischenhoch erreicht haben. Sollten die Ölpreise auch weiterhin stark fallen, sagen wir um 20% bis 40%, dann werden sicherlich die Medien - genauso wie die dummen Cheerleader und die Leute, die die Rohstoffe immer noch nicht für eine Anlageklasse halten - davon ausgehen, dass das gute Nachrichten für die Aktien sind. Eine erleichternde Erholung wird dann vermutlich folgen. Aber einen Augenblick: Warum sollten die Ölpreise oder die Rohstoffe nennenswert einbrechen? Weil sie nicht mehr bezahlbar sind und die Ökonomien weltweit - und nicht nur in den Vereinigten Staaten - schwach sind.
Das würde zu einem Rückgang der Nachfrage nach Rohmaterialien führen und vermutlich auch zu niedrigeren Preisen. (Das Angebot wird vermutlich nicht signifikant steigen, aber es könnte sinken, als Folge von Krieg, zivilen Unruhen oder konzertierten Aktionen durch die Hersteller.) Doch eine schwache Wirtschaft oder eine wirtschaftliche Schrumpfung überall auf der Welt wären sehr wahrscheinlich nicht günstig für die Wertpapiere und die Unternehmensgewinne.
Ich muss noch einen Kommentar in Bezug auf die Ölpreise und die Rohstoffe loswerden. Es ist kein starker amerikanischer Dollar, der zu den fallenden Ölpreisen führen wird, wie die Kommentatoren behaupten.
Was die geringeren Ölpreise auf den Weg bringen wird, ist ein Zusammenbruch der Verbraucherausgaben in den Vereinigten Staaten und anderswo auf der Welt. Wenn der Konsum in den Vereinigten Staaten einbricht, dann werden sich das amerikanische Leistungsbilanzdefizit und das Handelsbilanzdefizit halbieren und das wird zu einem Eintrocknen der weltweiten Liquidität führen.
Ich habe über dieses Verhältnis schon häufig geschrieben und ich habe auch das Verhältnis zwischen der Wachstumsrate der offiziellen ausländischen Reserven amerikanischer Dollar und dem amerikanischen Dollar aufmerksam gemacht.
Ein Rückgang des amerikanischen Konsumverhaltens wird für den amerikanischen Dollar gut sein und es wird mit Sicherheit die Rohstoffpreise senken, aufgrund einer geringen Nachfrage (zumindest vorübergehend). Aber wenn Sie wirklich davon ausgehen, dass ein solches Ergebnis gut für die Aktien ist, dann träumen Sie weiter.