Schwitzende Weltverbesserer
Bill Bonner in Investors Daily
vom 05. August 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Klimaanlagen und Deosprays gehören zu den großen Erfindungen des 20. Jahrhunderts. In der modernen Gesellschaft kann man eine ganze Menschenmasse total ausrasten lassen, ohne dass ein einziger Tropfen Schweiß fließt, und das im Juli. In den Sommern der Vergangenheit konnte man die Weltverbesserer an den Schweißperlen über den Augenbrauen und an den schmutzigen Kragen und den feuchten, klebenden Hemden erkennen. Während sie zu Diebstahl und Gewalt anregten, gaben sie darüber hinaus auch noch einen Geruch ab, der an alte Kadaver am Straßenrand erinnerte – der diejenigen mit empfindlichen Nasen und stabilem Geist in die Flucht schlug. Aber heute sind unsere Gebäude kühl, und unsere Übeltäter tropfen nicht mehr. Im Sommer 1917 haben die Aufwiegler in den USA die Massen gegen alles aufgebracht, was Deutsch war – auch die armen kleinen Dackel wurden nicht verschont. In den Sommern der späten Fünfziger Jahre des 18. Jahrhunderts stachelten sie die Massen auf den beiden Seiten der "Mason und Dixon"-Grenze zum Brudermord auf. Es war der Sommer 1776, der die schwitzenden Idealisten nach Boston und Baltimore trieb. Und in der Hitze des Jahres 1755, vor 250 Jahren, stank es von den Kanzeln und auf den öffentlichen Plätzen wegen der scheinheiligen Betrüger, die dort zum Chaos aufriefen.
In Nordamerika gab es zu dieser Zeit noch kaum menschliches Leben und meistens ging es friedlich zu. Aber das hat viele von ihnen nicht davon abgehalten, die Menschen der Kolonie aufzuwiegeln. Ihre Leben und ihre Vermögen würden niemals sicher sein, wenn sie ihre Nachbarn im Norden nicht ausmerzten – die Akadier, die französischen Siedler in New Brunswick und in Nova Scotia. Die Franzosen waren Papisten, sagten die Väter der Freiheit, sie müssten vernichtet werden.
Aber es gab einen noch viel unehrenhafteren Grund, der die vielen klebrigen Schreihälse antrieb. William Shirley, ein königlicher Gesandter aus Massachusetts, führte eine Gruppe von Spekulanten an, die darauf hofften, Land in Akadien in die Finger zu bekommen, schreibt William Fowler im International Herald Tribune. (Nachdem ich verschiedene Sommer in Nova Scotia verbracht habe, muss ich davon ausgehen, dass er es nie gesehen hat.) Shirley verbündete sich mit den Engländern in Nova Scotia, darunter auch der Leutnant Charles Lawrence, Jonathan Belcher, der oberste Richter der Kolonie, sowie der Armeeoffizier Robert Monckton und John Winslow von der Bürgerwehr aus Massachusetts.
"Am Morgen des 6. August 1755", schreibt Fowler, bestellte Monckton Wilson in sein Hauptquartier in Fort Cumberland in der Nähe des nördlichen Endes der Fundybucht. Er erzählte Winslows Leuten, dass er die Absicht habe, alle männlichen Akadier ins Fort zu bestellen. Wenn sie einmal drin seien, sollten Winslows Leute sie umzingeln und einsperren. Ohne zu wissen, was sie erwarten würde, kamen am Sonntag den 10. August mehr als 400 Männer ins Fort. Sobald sie eingesperrt waren, wurden Boten zu den Familien geschickt, sie sollten sich im Fort melden, damit die Männer nicht leiden würden. Diejenigen, die versuchten zu fliehen, würde man verfolgen und töten."
"Wenn die Regierung einem sagt, dass man etwas tun soll", sagte ein Nachbar in Frankreich zu mir – vielleicht hat er das von einem akadischen Vorfahren, der entkommen konnte, "dann ist es im allgemeinen eine gute Idee, genau das Gegenteil davon zu tun." In unserem Fall wurden Tausende Akadier eingefangen und verschifft. Viele von ihnen endeten in Louisiana. Ungefähr 10.000 wurden getötet.
Nachdem die Franzosen aus dem Weg waren, war es an den Weltverbesserern und den Eigentumsspekulanten, ihren nächsten Schritt zu tun. In Boston, New York und Philadelphia berichtete man den Leuten von den "günstigen Gelegenheiten, das Land, das von den Franzosen zurückgelassen wurde, zu bevölkern und zu bebauen." Mehr als 10.000 Amerikaner gingen in den Norden, und meldeten ihre Ansprüche an den gestohlenen Gütern an.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Durchblicker (27.07. 2010 15:53 Uhr):
Das war aber nur eines der verschiedenen kleinen & grossen schmutzigen Geheimnisse der US, oder? Da soll es eines am 11.9. 2001 gegeben haben; und dann noch ein viel jüngeres vom April dieses Jahres, wofür der oberste Verantwortliche noch einen goldenen Handschlag über ein paar Millionen bekommt... aber es ist bekanntermaßen zu gefährlich, über die Gegenwart und unsere Epoche zu schreiben, gell? In der "Tiefe der Jahre" (Doderer) ist man einfach sicherer, weil sich niemand mehr wehren kann.
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