Schwieriger Jahresauftakt ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 10. Januar 2005 18:00 Uhr
ENL5454
In der ersten Handelswoche im neuen Jahr präsentierte sich der deutsche Leitindex in guter Verfassung. Am Freitag schaffte der Dax gar den Sprung über die 4300-Punkte-Hürde.
Sicherlich, die deutschen Aktien konnten sich in den letzten Tagen deutlich vom Abwärtstrend der US-Indizes abkoppeln. Dow Jones, Nasdaq und S&P500 taten sich zum Jahresauftakt sehr schwer, obwohl von vielen Experten gar ein neues All-Time-High als Kursziel für den Dow Jones Index in 2005 vorhergesagt wird. In anderen Worten, die Stimmung unter den Anlegern jenseits des Atlantiks ist hervorragend. Das Sentiment ist wohl kurzfristig zu gut, um die Aktienkurse nachhaltig unterstützen zu können.
Ganz im Gegensatz zur Stimmungslage in Deutschland, wo zum Jahreswechsel ein deutlicher Stimmungsumschwung eintrat. Das Verhältnis Bullen zu Bären ist nunmehr fast eins zu eins. In diesem Kontext dürfte es wohl kaum groß überraschen, falls sich in jüngster Zukunft der deutsche Markt weiter relativ robust entwickelt.
Wie dem auch sein mag, die realwirtschaftliche Lage im einstigen Wirtschaftswunderland bleibt sehr problematisch. So herrscht am Arbeitsmarkt weiter Depression. Die Dezember-Arbeitsmarktdaten waren wiederum sehr ernüchternd. Saisonbereinigt nahm die Zahl der in der offiziellen Arbeitsmarktstatistik erfassten Menschen um 17.000 zu.
Zwar ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland im vergangenen Jahr erstmals seit Jahren leicht um 0,3 Prozent auf 38,55 Millionen im Jahresschnitt gestiegen. Diese Entwicklung lässt sich aber nach Ansicht von Experten darauf zurückführen, dass neben "Ich-Ags" auch viele Mini- bzw. Ein-Euro-Jobs entstanden sind. Ob sich dadurch wirklich eine nachhaltige Belebung der deutschen Binnennachfrage im neuen Jahr entwickeln kann, bleibt wohl sehr zu bezweifeln.
Auch in den USA fiel der jüngste Arbeitsmarktbericht schwach aus. Zwar entstanden im Dezember 157.000 neue Stellen, im Konsens wurde aber ein Stellenzuwachs von 175.000 erwartet. Weiter nahm die Zahl der Beschäftigten im Dezember um 137.000 auf 140,156 Millionen ab. Die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen schoss auf 17,6 % hoch.
Im verarbeitenden Gewerbe mit in der Regel gut bezahlten Stellen herrscht weiter mehr oder weniger Stagnation. Auch bei der Arbeitszeit, die konstant bei 40,5 Wochenstunden blieb.
Zusätzlich sehr interessant ist die Tatsache, dass der durchschnittliche Stundenlohn im Dezember nur minimal auf 15,86 $ angestiegen ist. Im Gesamtjahr 2004 stiegen die Durchschnittslöhne um magere 2,7 % an. Die offizielle Inflationsrate hingegen um 3,5 %. Und, wie Sie wissen, bin ich der Ansicht, dass die wirkliche Inflationsrate wohl deutlich höher ist.
Alles in allem bleibt die Lage am Arbeitsmarkt in den USA weiter eher angespannt, die Durchschnittslöhne stagnieren und die Preise befinden sich weiter im Steigflug. Wahrlich nicht wirklich erbauliche Nachrichten.
Am Goldmarkt verlief der Jahresstart ebenfalls sehr, sehr zäh. Im Zuge der Rallye des US-Dollar gegenüber fast allen anderen Papierwährungen kam auch der Goldpreis in den vergangenen Tagen deutlich zurück. Zum Wochenschluss notierte die Feinunze gar unter 420 $.
Zwischen den Jahren gab das gelbe Edelmetall auch in Euro ab. Zwischenzeitlich kostete eine Feinunze nunmehr gut 316 Euro. Momentan scheint es fast so zu sein, als ob der Goldpreis eher noch mal die unteren Widerstände innerhalb der Bandbreite zwischen 300 und 350 Euro je Feinunze bei 314 Euro bzw. im schlimmsten Fall 300 Euro antesten könnte.
Dieses Niveau eröffnet dann aber wahrlich exzellente Einstiegschancen.
Denn im Verlauf des Jahres 2005 dürfte das gelbe Edelmetall auch gegenüber der europäischen Gemeinschafts-Papierwährung in den Bullenmarkt übergehen ...