Schwere Zeiten für die PIIGS-Staaten
Karim Rahemtulla (US-Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 13. April 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
Schwere Zeiten für die PIIGS-Staaten
Liebe Leser,
stellen Sie das für eine Sekunde vor...
Der US-Bundesstaat Kansas gerät aufgrund seiner Verbindlichkeiten in Zahlungsschwierigkeiten. Aber statt dass die US-Regierung mit Garantien und finanzieller Hilfen einspringt, hilft der Internationale Währungsfonds mit einem Hilfspaket aus.
Das würde in dieser Form in den Vereinigten Staaten nicht vorkommen.
Aber die Eurozone ist anders. Der 16-Nationen-Block hat sein Bestes getan, um stabiler zu wirken, als er tatsächlich ist. Nehmen wir die vergangenen Wochen als Beispiel...
- Portugals Bonitätsnote wurde herabgestuft.
- Aufstände in Athen zwangen die Griechen dazu, mit dem Kopf in der Hand zu den Herren der Eurozone zu gehen. Da Europa eine Bruchlandung droht, hat der IWF Griechenland ein Bail-Out Paket geschnürt.
Und das Lachhafte hieran ist, dass der Hauptverantwortliche der EU den IWF dafür kritisierte, und mutig sagte „Was in der EU passiert, bleibt in der EU“. Selbstverständlich entspricht dies nicht der Wahrheit...
Das Blatt um die Zukunft des Euros hat sich gewendet. Und das Schlimmste kommt erst noch...
Euro-Müll
Unter dem Deckmantel einer Einheitswährung hat Europa versucht, ein homogenes Erscheinungsbild an den Tag zu legen.
Das ist fehlgeschlagen. Der Euro und der Maastricht-Vertrag stehen nun vor der Welt nackt da - und es ist kein schöner Anblick.
Es ist fast schon lächerlich wenn man bedenkt, dass vor gar nicht langer Zeit noch diskutiert wurde, ob der Euro den Dollar wird ersetzen können. Tatsächlich weisen sogar einige Staaten des Mittleren Ostens Rohstoffe in Euro aus.
Wie weit muss der Euro fallen, um wieder fair bewertet zu sein?
Griechenland ist nur der erste Dominostein, der fällt. Den anderen PIIGS-Staaten droht das Gleiche. Tatsächlich sind ihre Probleme genau so groß... wenn nicht sogar noch größer.
Und jetzt, wo der IWF durch den Griechenland-Bail-Out einen Präzedenzfall geschaffen hat, wird er das Gleiche für Portugal, Irland, Italien und Spanien machen? Er könnte auch gleich die EU übernehmen wenn das passiert. Es ist geradezu grotesk.
Natürlich bricht eine Währung wie der Euro nicht über Nacht zusammen. Aber er könnte signifikant an Wert verlieren. Und das ist genau das, was ich befürchte.
Seitdem ich das erste Mal im Dezember 2009 davon sprach, den Euro zu shorten, ist er um beinahe 20% im Wert gefallen. Und er ist immer noch überbewertet.
Auf Basis der Kaufkraft muss der Euro mindestens auf Parität mit dem Dollar fallen, um fair bewertet zu sein. Diese Parität hatten wir, kurz nachdem der Euro eingeführt wurde - und sie wird wieder eintreten, noch bevor das PIIGS-Debakel vorüber ist.
2 Wege um auf den Fall des Euros zu setzen
Es gibt u.a. die folgenden Wege, um vom Fall des Euros zu profitieren - einer für jetzt und einer für später...
- Jetzt: Der einfachste Weg ist es, den Euro zu shorten. Als Instrument wähle ich dazu z.B. eine zweijährige Put-Option des CurrencyShares Euro Trust-ETFs (NYSE: FXE) - ein an der Börse gehandelter ETF, der die Bewegung des Euros 1:1 nachbildet.
- Später: Die zweite Möglichkeit, um vom Fall des Euros zu profitieren, liegt darin, das Pulver trocken zu halten bis der Euro mit dem Dollar Parität erreicht. Kaufen Sie dann diejenigen europäischen Unternehmen, welche von einem schwachen Euro profitieren.
Die Top-Unternehmen auf dieser Liste sind: Nestle, Unilever, Philips, Volkswagen und Daimler. Diese Unternehmen sind alle große Exporteure, welche von einem schwachen Euro profitieren werden.
Es kann einige Zeit dauern, bis der Euro seinen wahren Wert findet, aber nicht darauf vorbereitet zu sein, ist mindestens genauso tragisch wie das, was gerade in Europa passiert.
Erfolgreiches Investieren
Karim Rahemtulla
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (13.04. 2010 17:09 Uhr):
Sehr geehrter Herr Rahemtulla! Es würde ja nichts nützen, wenn ich jetzt sagen würde: Ich habe es damals schon vorhergesagt. Man kann Birne und Apfel nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Und was haben sich die lieben Politiker damals in Maastricht gedacht. Der Maastrichter Vertrag ist sowohl im fachlichen Sinn, als auch finanziell ein großer Fehlschlag. Warum können diese Verträge nicht annulliert werden? Warum kann nicht jeder Euro-Staat wieder sein eigenes Geld einführen? Überall lese ich, dass das unmöglich sei. Ich denke, es ist nicht wahr. Jeder Politiker hält nur an seiner Entscheidung von 1992 fest, anstatt den Fehler einzusehen und eine schnelle Abhilfe zu schaffen. Nämlich den Euro aus dem Verkehr zu ziehen, und die nationalen Zahlungsmittel wieder einzuführen. Und den D-Mark. Ich denke, dass dieser Weg der einzige Weg ist, was Europa noch retten könnte. Warum sträuben sich alle dagegen? Und noch eine Frage: Was für eine Demokratie ist es, wo die Bürger selber nicht über ihr Leben entscheidungen treffen können? Wo wegen irgendwelchen Parteiinteressen ein ganzes Volk, ein ganzes Erdteil, Europa, geopfert wird? Wann werden wir, die kleinen Bürger endlich mal wach und verlangen von unseren Politiker Ehrlichkeit, und rationales Handeln im Interesse der Bevölkerung? Warum werden die Politiker nicht zur Rechenschaft gezogen, u. zw. auch finanziell, z. B. durch Kürzung deren Renten, Konfiszierung deren Güter, usw. Warum verscheuchen wir sie nicht? Und warum lassen wir es zu, dass alles "oben" entschieden wird, ohne uns vorher gefragt zu haben. Also ein neues Grundgesetz muss her, dringendst. Wo die persönliche Verantwortung der Abgeordneten, Funktionäre, Minister, Kanzler(in), auch finanziell definiert werden muss. Und bevor Deutschland, und die anderen Europäische Länder horrende Summen an Griechenland aus unseren Taschen zahlen, sollte doch darüber eine Volksentscheidung entscheiden. Es ist ja sehr leicht Gelder auszugeben, was wir nicht besitzen, nur um populär zu bleiben. Herr Rahemtulla, wie würden Sie die Probleme des Euros lösen? Würde mich sehr interessieren, denn Sie sind ja ein Fachmann, was ich nicht bin. Und was könnten die Bürger der einzelnen Europäischen Länder unternehmen? Mit freundlichen Grüßen:
Antworten - Kommentar von Wolfgang Rehse (15.04. 2010 12:35 Uhr):
Sehr geehrter Herr Rahemtulla, eine Staatsverschuldung von 1,7 Mrd. wäre ja traumhaft. Meinten Sie nicht vielmehr 1,7 Billionen !? Mit freundlichen Grüßen W. Rehse
Antworten - Kommentar von Dr P Köpke (16.04. 2010 16:25 Uhr):
Bitte eine Nachhilfestunde: Sie empfehlen u.a. Nestle als Gewinner einer Euroabwertung. Wieso gehört Nestle dazu? Verdienen die nicht in Franken? Und warum sollte der Franken wie der Euro abwerten? viele Grüße P. Köpke
Antworten