Schwere Vorwürfe gegen Wirecard
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 3. Juli 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Kurz nach der Hauptversammlung von Wirecard vor wenigen Wochen trat der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Rehnig zurück, was zuvor angedeutet, aber schlecht publiziert wurde. Während die Öffentlichkeit noch über die Hintergründe des Rücktritts rätselte, wurden verschiedene Gerüchte, bzw. Mutmaßungen über die wahren Motive gestreut.
Im einzelnen war zu erfahren und in den einschlägigen chats zu lesen, dass Herr Rehnig massiv eigene Aktien am Unternehmen verkauft hätte, da es größere Probleme beim Geschäftsmodell und im Zahlenwerk geben würde. Vor allem das Kreditkartengeschäft sei vor dem Hintergrund der Bankenkrise so gut wie tot und die Firma benötige eine rasche externe Kapitalzufuhr.
....und prompte Gegendarstellungen!
Unschwer zu erraten, dass sich die Geschäftsführung mit Ad-Hoc-Meldungen, Pressemeldungen und juristischen Drohungen wehrte und sich als Opfer von gezielten Hedgefonds-Attacken und Manipulationen sieht.
Ganz im Gegensatz zu den Vorwürfen teilte die Geschäftsführung mit, dass sowohl Umsatz, EBIT und Gewinn pro Aktie im ersten Halbjahr signifikant gestiegen seien und das Wachstum im Kerngeschäft der elektronischen Zahlungsabwicklung weiter anhält. Auch der Ausblick bleibe positiv.
Aber an der Börse ist es nun einmal so, dass man sich gegen ausgesprochene Vorwürfe kaum wehren kann. Egal ob man nicht reagiert oder die Flucht nach vorne antritt und offen kommuniziert, irgend jemand findet immer ein Haar in der Suppe, seine Zweifel bestätigt oder nicht völlig ausgeräumt! Egal für wie ausgebufft sich die Investor-Relations-Abteilung einer AG verhält, es bleibt immer ein fader Beigeschmack oder ein kleiner Zweifel seitens der Investoren bestehen. Fällt dann noch die Aktie wie ein Stein wie bei unserem Beispiel Wirecard werden die Short-Seller dicke Gewinne zu Lasten der anderen Aktionäre einstreichen.
Wie leicht sind Kurse zu manipulieren?
Obwohl die Börse ein Haifischbecken ist und die meisten Hedgefonds keinerlei Gemeinsamkeiten mit der Caritas haben, lehne ich diese Art von Spekulation ganz klar ab, egal ob die Vorwürfe hier zutreffen oder nicht. Im übrigen handelt es sich bei Kursmanipulation um eine strafbare Handlung.
Natürlich ist es auch kein Zufall, dass solche Dinge gerade in hochemotionalen Marktphasen passieren und dann gerne in den schwächsten Branchen, die man natürlich am lukrativsten shorten" kann. Besonders beliebt sind Manipulationen in kleinen und marktengen Werten, wo man schon mit relativ wenig Volumen etwas ausrichten kann.
Aber auch große Aktien sind davor nicht geschützt, wie man in den letzten Tagen bei General Motors und der Deutschen Bank erleben konnte. Jeweils an sehr schwachen Tagen und in unmittelbarer Nähe von bedeutenden charttechnischen Unterstützungen im Gesamtmarkt versuchten die Bären mit Hilfe von Gerüchten den ganzen Markt in die Knie zu zwingen.
Beinahe wäre es ihnen gelungen, noch halten aber die zyklischen Tiefs beim DAX und S&P 500!
Behalten Sie einen ruhigen Kopf und springen Sie nicht an den schwächsten Tagen bestens aus dem Markt. Meist gibt es bessere Ausstiegsgelegenheiten. Gerade der heutige Tag zeigt Ihnen das. Binnen zwei Stunden holt der Dax über 100 Punkte auf und zwingt die Bären zum Eindecken ihrer Positonen.
Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende und uns allen ein besseres zweites Halbjahr als es das erste war. Das sollte doch nicht so schwer zu schaffen sein, oder?
Herzliche Grüße
Ihr Klaus Buhl