Schwaches US-Verbrauchervertrauen
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 05. November 2002 18:00 Uhr
ENL5462
Obwohl die Nachrichten von der volkswirtschaftlichen Front weiter schwach bleiben, hat der Dow Jones im Oktober die beste Monats-Performance seit 1987 hingelegt. Was ist der Nährboden für diese Aktienkursgewinne? Stehen die Bullen unter Drogen? Die volkswirtschaftlichen Indikatoren bleiben schließlich schlecht, so schlecht, dass mein Kollege Addison Wiggins sie schon mit "der Einleitung eines Stephen King-Buches" vergleicht. Und dennoch steigen die Aktien. Der Nasdaq-Composite ist seit dem 9. Oktober um satte 22 % gestiegen, was bedeutet, dass die Bullen mehr wissen als der Rest der Investoren, oder dass sie sich selbst etwas vormachen ... ich glaube, letztes ist der Fall.
Es gibt eine Art Begründung für diese Mentalität des "schlechte News sind gute News und deshalb kaufe ich": Wenn die Wirtschaft wirklich nicht in Fahrt kommt, dann muss die Fed schließlich nächsten Mittwoch die Zinsen senken ... und Zinssenkungen sind – wie jeder weiß – gut für die Aktien, oder etwa nicht? Tatsache ist aber, dass die letzten 11 Zinssenkungen so gut für Aktien waren, dass der Nasdaq-Composite 75 % verloren hat.
Merkwürdigerweise hat der Dollar nicht vom finanziellen Oktoberfest der Wall Street profitieren können. Vielleicht war dem Dollar einfach nicht nach Party zumute. Aber wenn der größte monatliche Anstieg der US-Aktien seit 15 Jahren nicht genug ausländisches Kapital anziehen kann, um den Dollar nach oben zu ziehen – was sonst? Das sich ständig ausweitende US-Handelsbilanzdefizit wird sicher nicht helfen, und auch nicht die aussterbende US-Wirtschaft. Per saldo hat der Dollar mit ernsthaftem Gegenwind zu kämpfen.
Doch zurück zu den US-Wirtschaftszahlen. "Die Beschäftigtenzahlen für Oktober waren einfach nur hässlich", so Alan Abelson vom Magazin Barron's. "Die Arbeitslosenrate verbesserte sich zwar minimal, aber wir sind davon überzeugt, dass sie nicht die wirkliche Arbeitslosigkeit wiederspiegelt und in den nächsten Monaten auf jeden Fall steigen wird. Die Zahl der Beschäftigten nahm wieder ab, diesmal um 5.000; aber, und das ist wichtiger: 29.000 Jobs wurden im privaten Sektor abgebaut. Die Zahl der abgeleisteten Arbeitsstunden ging um 0,4 % zurück – im produzierenden Gewerbe fiel diese Kennziffer sogar um das Doppelte."
Auch Sherry Cooper von der Bank of Montreal Financial Group meint, dass die Arbeitslosenrate tatsächlich schlimmre ist, als der offizielle Wert von 5,7 % glauben lassen könnte. Und zwar deshalb, weil die USA derzeit "unter einer anderen Art der Arbeitslosigkeit leiden als je zuvor – diesmal werden nämlich auch die Krawattenträger mit Universitätsabschluss arbeitslos. Und das sind Leute, die niemals zuvor arbeitslos waren. Es sind Manager, Unternehmensberater, Aufsichtsräte und Investmentbanker."
Dazu fällt mir ein Beitrag aus der letzten Ausgabe der Business Week ein. Dort wurde ein gutsituiertes Ehepaar aus San Jose porträtiert: Craig und Malene Comes, die "120.000 Dollar pro Jahr verdienten und ein schönes Leben hatten. Die beiden Computer-Techniker gingen oft auf Reisen, hatten eine Putzfrau, und gingen fast jeden Abend auswärts essen. Dann wurden auf einmal beide entlassen. Jetzt müssen auch sie im Supermarkt einkaufen, sich in die Reihen der Unversicherten einreihen, und ihre Eltern um die 1.045 Dollar Miete für ihre 200 qm-Wohnung anbetteln. Leider ist der Fall dieses Ehepaares nicht die Ausnahme – wie auch die jüngste Umfrage zum Verbrauchervertrauen (Conference Board) gezeigt hat.
Hmmm ... Jobs sind selten UND schwer zu erhalten, besonders für gutbezahlte Profis. Kein Wunder, dass das Verbrauchervertrauen weiter abfällt.
Angesichts des zunehmend schlechten wirtschaftlichen Umfelds scheint das fallende Konsumentenvertrauen eine rationale Antwort zu sein ... genauso wie die Tatsache, dass wieder mehr gespart und weniger konsumiert wird. Leider wirkt dieses rationale Verhalten weiterem Wirtschaftswachstum entgegen. Jetzt, wo so viele Konsumenten plötzlich zu Sparern werden, fallen die Umsätze des Einzelhandels rapide ab. UBS Warburg hat einen Index entwickelt, der die Einzelhandelsumsätze wöchentlich messen kann. Für die Woche, die am 26. Oktober endete, gab der Index einen Rückgang von 1,9 % an – der niedrigste Wert seit Januar.
"Der scharfe Rückgang des Verbrauchervertrauens im Oktober sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden", so die Analysten von Comstock Partners. "Jeder Indexstand von 80 oder weniger hat seit 1967 immer einen scharfen Rückgang der Einzelhandelsumsätze mit sich gebracht ... und angesichts des anstehenden Weihnachtsgeschäfts ist dies kein gutes Zeichen ... die Einzelhandelsumsätze sind bereits zwei Monate in Folge gefallen, in einer Zeit, in der die Konsumenten bis zum Hals in Schulden stecken ... aber wenn die Konsumausgaben nicht mehr wachsen, dann gibt es nichts mehr, was die US-Wirtschaft wieder beflügeln könnte."
Aber Alan Greenspans zwölfte Zinssenkung wird alles wieder gut machen. Warten Sie nur ab und Sie werden es sehen!
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