Schwaches US-Verbrauchervertrauen
unserem Korrespondenten Eric Fry in Investors Daily
vom 31. Juli 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Was ist mit dem amerikanischen Konsumenten los? Verliert er seine Nerven? Was ist passiert mit dieser Spezies Mensch, die niemals zögerte, Geld für Dinge, die sie nicht brauchte, auszugeben? Und wo ist das Draufgängertum, das den amerikanischen Konsumenten dazu inspirierte, seine Hypotheken bis aufs Maximum auszureizen, um sich dafür Schneefahrzeuge, Gourmet-Tequila und überbewertete Hightech-Aktien zu kaufen?
Den amerikanischen Konsumenten gibt es natürlich noch, aber seine Zuversicht nimmt ein wenig ab. Der Index des Verbrauchervertrauens (vom Conference Board) fiel im Juli auf 76,6 Punkte, nach 83,5 Zählern im Juni. Das ist das niedrigste Niveau seit dem März-Tief (61,4 Punkte).
"Die steigenden Arbeitslosenzahlen und die Einschätzung, dass eine Wende am Arbeitsmarkt nicht unmittelbar bevorsteht haben dazu beigetragen, dass sich das Konsumentenvertrauen diesen Monat verschlechtert hat", so Lynn Franco, Direktorin des "Consumer Research Center" vom Conference Board (die den entsprechenden Index ermitteln). "Die Erwartungen werden wahrscheinlich schwach bleiben, bis sich die Lage am Arbeitsmarkt verbessert."
Der Prozentsatz der Konsumenten, die denken, dass Jobs "schwer zu bekommen" sind, ist von 31,9 % auf 33,1 % gestiegen. Gleichzeitig fiel die Zahl der Konsumenten, die meinen, dass es "zahlreiche" Jobs gibt, von 11,2 % auf 10,5 % ... und der Anteil der Konsumenten, der mit einem Anstieg der eigenen Einkommen rechnet, ging von 17,1 % auf 15,7 % zurück.
Das musste so kommen, ist meine Einschätzung. Wenn im produzierenden Gewerbe mehr als 2 Millionen Jobs verschwinden und sich am Aktienmarkt 7 Billionen Dollar Marktkapitalisierung in Luft aufgelöst haben, dann könnte selbst der zuversichtlichste Konsument gelegentlich anfällig für Panikattacken sein. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Zinsen wieder steigen, dann ist es ein Wunder, dass sich ÜBERHAUPT NOCH Konsumenten weiter verschulden und kräftig konsumieren.
Aber der Fed-Vorsitzende Alan Greenspan vermeldet, dass die Finanzen der Haushalte in einem Topp-Zustand seien. "Die Aussichten für eine Fortsetzung des starken wirtschaftlichen Wachstums sind verbessert worden durch Schritte, die im privaten Sektor in den letzten Jahren unternommen worden sind, um die Bilanzen zu restrukturieren und zu stärken", sagte der Fed-Vorsitzende in seiner letzten Rede vor dem US-Kongress. "Nirgendwo ist dieser Prozess der Bilanz-Anpassungen offensichtlicher als im Sektor der privaten Haushalte." Ich sage: Blabla!
Selbst trotz der auf Rekordtiefs stehenden Zinssätze ist der Schuldendienst der privaten Haushalte – also der Prozentsatz des monatlichen Einkommens, der zur Bedienung der Schulen aufgewendet werden muss – immer noch bei 14 %, wo er seit 2001 fest steht. Um das in eine Perspektive zu setzen: Unmittelbar vor den letzten 2 Konsum-Booms lag dieser Wert laut David Rosenberg von Merrill Lynch eher bei 12 %.
Was noch? Nun, in den Zeiten, als Vater Bush noch US-Präsident war, da sparten die Leute noch ein wenig mehr als heute unter Bush Junior. Im letzten Monat der Rezession von 1990/91 lag die Sparrate bei 7,7 % – verglichen mit 3,5 % aktuell.
Paul Kasriel von Northern Trust betont, dass in jeder Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg das Verhältnis von Schulden zu Vermögen der privaten Haushalte gefallen ist. In der jüngsten Rezession war es aber völlig konträr: Da ist dieses Verhältnis in die Höhe geschossen, mit einem Rekordhoch von 18 % im ersten Quartal dieses Jahres. "Die Haushalte haben ihre Bilanzen seit der letzten Rezession nicht merklich verbessert", so Kasriel in einer aktuellen Analyse. "Die Haushalte sind nicht 'besser positioniert'( ...). Wenn überhaupt, dann sind sie schlechter positioniert." Hinzu kommt, dass die steigende Zahl der persönlichen Pleiten suggeriert, dass die Konsumenten während der letzten Mini-Rezession niemals wirklich aufgehört haben, sich zu verschulden und zu konsumieren. Stattdessen haben sie weiter Schulden gemacht und konsumiert, so wie sie das während der Boom-Zeiten der späten 1990er getan haben. Im heutigen Amerika geht es um Konsum – rund um die Uhr.
Ein weiteres einzigartiges Element der letzten amerikanischen Mini-Rezession ist die Tatsache, dass die Kurse am Aktienmarkt nicht ausreichend tief gefallen sind. Es stimmt, dass der Dow Jones seit seinem Topp im Januar 2000 bei 11.722 Punkten bis zum Tief letzten Oktober 38 % verloren hatte. Aber es stimmt auch, dass der Bärenmarkt nach dem Schwarzen Freitag 1929 satte 89 % des Dow Jones eindampfte. DAS nenne ich einen Bärenmarkt! Wenn Der Dow Jones das heute wieder nachvollziehen würde, dann würde er bei 1.287 Punkten stehen!