Schwacher US-Arbeitsmarkt
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 13. Oktober 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Nicht nur, dass in den USA im September rund 50.000 weniger neue Arbeitsplätze als erwartet geschaffen worden sind – auch die Zahlen für August wurden um 16.000 nach unten revidiert. Es ist unüblich, dass in einem Wahljahr Zahlen nach unten revidiert werden, denn normalerweise werden die Zahlen nach oben revidiert. Denn die Statistiker werden normalerweise von derjenigen Partei, die gerade an der Regierung ist, unter Druck gesetzt. Aber manchmal kooperieren die Statistiken nicht. Und manchmal die Statistiker nicht.
Mehr als ein Drittel der im September neu geschaffenen Stellen waren Stellen, die nicht in der freien Wirtschaft geschaffen worden sind – sondern bei der Bundesregierung und den US-Bundesstaaten.
Wenn wir in den USA eine "normale" Wirtschaftserholung hätten, dann gäbe es in den USA laut dem "Liscio Report" 9,3 Millionen mehr Arbeitsplätze. Diese neuen Jobs würden neue Einkommen schaffen, die für neue Käufe genutzt werden könnten. Aber stattdessen wurschtelt sich die Wirtschaft so weiter – und immer mehr Menschen steht das Wasser bis zum Hals, und sie hoffen, dass ihre Immobilien im Preis steigen werden.
Das Magazin Barron's berichtet. "Obwohl die Bevölkerung im September um 264.000 wuchs, ist die Zahl der Beschäftigten um 221.000 gesunken. Im letzten Jahr ist sie weniger als halb so schnell wie die Bevölkerung gestiegen, in den Jahren 1990-2000 war sie drei Mal so schnell wie aktuell gestiegen."
Wirtschaftserholung ohne neue Arbeitsplätze? Ohne neue Arbeitsplätze stimmt. Wirtschaftserholung stimmt nicht.
Bis jetzt war das egal. Die Aktien weigerten sich, zu fallen, und die Immobilienpreise weigerten sich, zu stagnieren. In einigen Gegenden der USA sind die Immobilienpreise in den letzten 3 Jahren um 20-30 % pro Jahr gestiegen. Das – zusammen mit den Steuersenkungen und den erhöhten Staatsausgaben – hat den Konsumenten genug Seil gegeben, mit dem sie sich aufhängen können. Sie haben ihre Hypotheken fleißig erhöht, und diese neuen Hypotheken haben ihre Einnahmen im letzten Jahr um 6 % (nach Steuern) erhöht.
Aber jetzt zeigen die Konsumenten Anzeichen dafür, dass ihnen die Luft ausgeht. Arbeitssuchende scheinen aufzugeben. Und die japanischen und chinesischen Zentralbanken könnten nicht immer so weitermachen wie bisher. Wegen der jüngsten Zahlen vom US-Arbeitsmarkt könnten Greenspan & Co. versucht sein, die nächste Zinserhöhung zu verschieben. Normalerweise wollte Greenspan die Leitzinsen dahin erhöhen, wo sie sein sollten – bei rund 3 bis 4 %. Eine schwache Wirtschaft könnte dazu führen, dass er das noch einmal überdenkt. Andererseits könnte er die Zinsen doch erhöhen müssen, wenn die Ausländer keine Lust mehr haben werden, US-Staatsanleihen zu kaufen. Dann müssten die US-Staatsanleihen durch höhere Zinsen attraktiver gemacht werden.
Mit anderen Worten: Irgendwas könnte beginnen, sich zu ereignen.
Mehr News aus Baltimore: