Schwacher Dollar beunruhigt Investoren nicht
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 14. Mai 2003 18:00 Uhr
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"Liebling, ich habe den Dollar geschrumpft" – diese monetäre Komödie mit den Co-Produzenten Ben Bernanke und US-Finanzminister Snow läuft schon ziemlich lange. Die Story mag für Ausländer wenig ansprechend sein, aber die Kleinanleger in den USA lieben sie.
Der Dollar ist gegenüber dem Euro auf ein 4-Jahres-Tief gefallen, der Nasdaq ist auf ein 11-Monats-Hoch gestiegen. Aber der schwache Dollar hat die Aktienmarktinvestoren nicht beunruhigt. Die Message ist klar: Solange der PREIS von dollarnotierten Anlagen wie Aktien und Anleihen steigt, scheint es den US-Investoren egal zu sein, dass der WERT der dollarnotierten Anlagen fällt.
Die Rendite der 10jährigen Anleihen liegt jetzt bei 3,65 %. Die Rally am Anleihenmarkt ist vor dem Hintergrund des kollabierenden Dollar sehr überraschend ... wie passt das zusammen? Warum sollte heutzutage jemand langfristige US-Anleihen kaufen wollen, wo doch die Fed offen gesagt hat, dass sie eine Inflation will? James Grant meinte dazu, dass die Investoren langfristige Anleihen immer noch als Investments sehen, die "risikofreie Erträge" bieten.
Es ist schon bedenklich, wenn der US-Finanzminister Snow die Dollarschwäche begrüßt. Was für eine Chance hat der Dollar, wenn selbst seine Beschützer ihn weiter fallen sehen wollen? An der Wall Street hingegen proklamieren die Bullen, dass ein schwacher Dollar gut für die Aktienkurse ist, da er die US-Multis im internationalen Wettbewerb wettbewerbsfähiger macht. Tobias Levkovich, Analyst bei Smith Barney, schrieb in einer Analyse für seine Kunden: "Der Kollaps des Dollar kann und wird für Unternehmen, die ihr Geschäft außerhalb der USA machen, bessere Gewinne bedeuten."
Ich bin nicht überzeugt. Ich glaube, dass ein kollabierender Dollar keine gute Sache ist. Ich wäre nicht überrascht, wenn sich das negativ auswirken würde – sowohl für die US-Volkswirtschaft als auch für den Aktienmarkt ...
Die Technologieaktien steigen, obwohl der Technologiesektor weiter Arbeitsplätze abbaut. Wie kann das sein? Ein Teil der Erklärung ist, dass die Investoren HOFFEN, dass sich das Umfeld im Technologiesektor in der zweiten Jahreshälfte verbessern wird. Ein anderer Teil der Erklärung ist die Tatsache, dass die Armeen der Wall Street "Analysten" immer wieder steigenden IT-Ausgaben und deshalb auch steigende Unternehmensgewinne der Technologiefirmen voraussagen.
Da zählt es wenig, dass sich die oft erwartete wirtschaftliche Erholung des Technologiesektors noch nicht materialisiert hat. Solange die Wall Street Analysten, ihre fröhliche Geschichte erzählen, werden die Kleinanleger in Scharen Technologieaktien kaufen. Aber was passiert, wenn die Märchenerzähler ihre Jobs verlieren? Wer wird dann das Märchen vom sich erholenden Technologiesektor verbreiten? Wer wird dann die Kleinanleger dazu veranlassen, überteuerte Technologieaktien zu kaufen? Viele Märchenerzähler haben bereits ihre Arbeit verloren.
Die amerikanischen Brokerhäuser haben in den 22 Monaten bis Februar 2003 80.400 Jobs abgebaut (Quelle: Securities Industry Association). Das sind mehr als 10 % der Belegschaft, die es zum Top der Spekulationsblase gab. In New York betrug der Verlust sogar schmerzhafte 20 %. Derzeit steigt die Nasdaq imposant. Aber die Technologieaktien können es sich nur schwer leisten, mehr von den Märchenerzählern zu verlieren.