Schwache US-Daten belasten Ölpreise; Weizen bricht ein
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 6. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Rohstoffe Wochenrückblick: Agrarrohstoffe und Ausblick
Soft Commodities
Die Weizenpreise sind förmlich explodiert, nachdem Russland am Donnerstag nun auch noch einen Exportstopp verhängt hat.
Weizen zur Lieferung im September an der CBOT sprengte mehrmals sein Limit und erreichte am Freitag ein 23-Monats-Hoch bei 8,39 US-Dollar pro Scheffel. Der an der Liffe gehandelte europäische Weizen erreichte ein 2,5 Jahreshoch bei über 230 Euro je Tonne.
Dürre und Hitzewelle haben in Russland eine Katastrophe ausgelöst. Noch immer wüten verheerende Waldbrände, Moskau versinkt im Smog und die Zahl der Todesopfer ist weiter gestiegen. Nach Angaben der Behörden stehen inzwischen wohl 190.000 Hektar Fläche in Russland in Brand. Am Montag und Dienstag hatte ich berichtet und auch auf die Schätzungen zur Weizenernte, sowie mögliche Exportbeschränkungen seitens Russland hingewiesen.
Hier noch einmal einige Fakten:
Hitze, Dürre und sogar Waldbrände - am schlimmsten ist die Lage in Russland. Aber auch in anderen europäischen Ländern bedroht Trockenheit die Getreideernte. Hingegen machen in Kanada starke Regenfälle der Ernte den Garaus.
Fast überall in Europa das gleiche Bild: die Trockenheit der vergangenen Wochen schlägt sich in sinkenden Ernteschätzungen nieder. Während man in Deutschland gegenwärtig etwa mit einem Rückgang von 10-20% auf die Erträge rechnet, wird für Frankreich, trotz der größeren Anbaufläche ein Ernterückgang von 3% erwartet. Schlimmer noch in Kasachstan und der Ukraine. Kasachstan erwartet einen Rückgang der Getreideernte um 25-30% gegenüber dem Vorjahr, die Exporte sollen um 33% sinken. Die Ukraine rechnet momentan mit einem Rückgang der Weizenernte um 16%, und einem Minus von 20% bei den Getreideexporten.
Für Kanada, das dagegen von schweren Regenfällen, welche die Aussaatphase behinderten, heimgesucht wurde, erwartet der International Grains Council einen Produktionsrückgang von 17%.
Doch das scheint im Angesicht dessen, was derzeit in Russland passiert, nur das Drumherum zu sein.
Russland: Notstand in 27 Regionen
Russland hat mittlerweile in 27 Getreide-produzierenden Regionen den Notstand ausgerufen. Mehr als 7.000 Brände beeinträchtigen nicht nur die Getreideproduktion, sondern haben mittlerweile auch schon Menschenleben gefordert. Eine Tragödie...
Sehen wir uns die aktuellen Schätzungen an:
Besonders betroffen ist die russische Weizenernte, immerhin ist Russland, nach der EU und China weltweit der drittgrößte Weizenproduzent. Die Ernteschätzungen der einzelnen Organisationen stimmen natürlich nicht gänzlich überein, doch die Tendenz ist klar: die russische Weizenernte leidet.
USDA-Schätzung:
Das US-Landwirtschaftsministerium geht in seinem gestern veröffentlichten Bericht davon aus, dass die russische Weizenproduktion in 2010/11 um 19% gegenüber dem Vorjahr auf 50 Millionen Tonnen fallen wird.
Für die Weizenexporte in 2010/11 geht das USDA von einem Rückgang um 23% gegenüber dem Vorjahr aus, auf 14 Millionen Tonnen.
IGC-Schätzung:
Das International Grains Council geht in seinem gestern veröffentlichten Bericht ebenfalls davon aus, dass die russische Weizenproduktion in 2010 auf 50 Millionen Tonnen fallen wird - das entspricht einem Rückgang von 7 Millionen Tonnen, gegenüber der zuvor im Juni getroffenen Prognose.
Noch deutlich pessimistischer dagegen sind die russischen Schätzungen:
IKAR-Schätzung:
Das Moskauer Institut für Agrarmärkte geht für die Weizenexporte in 2010/11 von einem Rückgang von 18 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr aus, auf 9,5 Millionen Tonnen.
Russische Getreideunion:
Die russische Getreideunion geht von einem Rückgang der Getreideexporte auf 14 Millionen Tonnen aus. Die Weizenernte, so die Getreideunion, dürfte auf 45 Millionen Tonnen fallen.
Nun ist es allerdings so, dass sich die weltweiten Weizenbestände auf einem recht hohen Niveau befinden (insbesondere in den USA: das USDA geht für den US-Weizenmarkt von einer stocks to use ratio von 50% aus und weltweit von einer stocks to use ratio von 24%), so dass an sich keine Gefahr einer weltweiten Weizenverknappung oder einer Krise wie vor zwei Jahren besteht.
Zudem sind die Agrarmärkte für schnell starke Preisentwicklungen gut - und zwar in beide Richtungen. Nach der Preisexplosion kam heute schließlich die Gegenbewegung und zwar massiv. Dezember-Weizen gab sogar um 60 US-Cent ab und erreicht damit auch heute wieder das Handelslimit, aber in die andere Richtung.
September-Weizen notiert aktuell bei 7,27 US-Dollar pro Scheffel an der CBOT.
Ausblick
Laut Oil Movements ist der Rückgang der OPEC-Lieferungen wohl eher auf eine saisonal bedingte rückläufige Nachfrage aus Asien zurückzuführen. Somit halten die Fundamentaldaten eigentlich noch nicht zu großen Preissprüngen an. Nach wie vor kommt es auch im Ölmarkt auf die Stimmung an. Sollte sich diese in der kommenden Woche wieder verbessern, dürften auch die Ölpreise also wieder anziehen. Vorerst sollte die Marke bei 80 US-Dollar als erste Unterstützung halten. Eine Range zwischen 80 und 85 US-Dollar ist, bei entsprechender Stimmungslage, möglich.
Der Goldpreis dürfte, dank der physischen Nachfrage, erst einmal nach unten abgesichert bleiben im Bereich um 1.180- 1.190 US-Dollar pro Unze. Ebenfalls als Unterstützung kann die psychologisch bedeutsame Marke bei 1.200 USD gelten. Sollte diese gehalten werden können, ist dies ein gutes Zeichen für weitere zunächst moderate Zugewinne.
Zum Kupferpreis möchte ich meine Einschätzung von letzter Woche bestätigen: Die fundamentalen Rahmenbedingungen stimmen und sorgen so für Unterstützung. Allerdings muss - wie die letzten Monate zeigen - auch die Stimmung dazu passen. Ein Level von 3,50 US-Dollar pro Pfund bis Jahresende sollte durchaus im Rahmen liegen, sofern - wie gesagt - alle Faktoren zusammen passen.
Weizenpreise: Ich zitiere noch einmal aus meiner Prognose vom Montag:"Hierzu möchte ich noch einmal wiederholen, dass wir hier im Moment zwar den Beginn einer Übertreibungsphase in den Weizenpreisen sehen, die aber noch lange nicht beendet sein muss und sich durchaus noch einige Wochen fortsetzen kann. So lange die Hiobsbotschaften anhalten, dürften die Spekulanten den Trend wohl noch weiter verstärken. Allerdings sind die Agrarmärkte, wie die Vergangenheit lehrt, auch für schnelle starke Preisentwicklungen gut - und zwar in beide Richtungen. Spätestens wenn fundierte Ernteschätzungen für das kommende Jahr, die aktuelle heiße Nachrichtenlage wieder abmildern, kann es nach starken Preisanstiegen auch schnell wieder zu einem Rückgang kommen." Nun heißt es abwarten, wie sich die weitere Nachrichtenlage entwickelt. Bei 6 USD sollte Weizen fundamental gerechtfertigt einen Boden finden. Allerdings könnte die Korrekturbewegung vorher beendet sein und die Preise erneut stärker nach oben getrieben werden.
So long liebe Leser...damit verabschiede ich mich für diese Woche...ich wünsche Ihnen ein schönes, erholsames und sonniges Wochenende und freue mich, wenn wir uns am kommenden Montag wiederlesen...liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
Belehrung:
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