Schutz vor Währungskrisen - Teil 2
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 6. Mai 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
letzten Freitag schrieb ich Ihnen über Schutzmöglichkeiten vor Währungskrisen und begann damit eine neue Mini-Artikelserie.
Diese möchte ich heute fortsetzen, indem ich nochmals auf einen wichtigen Punkt eingehe und Ihnen zum Abschluss des heutigen Teils eine kleine Checkliste vorstelle, mit der Sie die größten Risiken ausmerzen können, falls Sie das Gefühl haben, dass Sie noch nicht "krisenfest" genug sein sollten.
Beginnen möchte ich heute mit der Frage, ob Investments in Immobilien einen vernünftigen Krisenschutz darstellen können:
"Betongold" - Schutz vor der Krise?
Immer wieder lese ich in diversen Käseblättern (und leider auch in Blättern, welche von sich den Anspruch erheben, "Experten" im Finanzbereich zu sein), dass Immobilien ein sehr guter Schutz vor einer Währungs- und Schuldenkrise seien und man daher auch in der aktuellen Krise dringend in Immobilien "flüchten" solle. Mancherorts wird gar von einer neuen "Immobilienhausse" phantasiert!
Meine Antwort kurz und knapp: Ich halte dies für hochgefährlichen Unsinn, der am Ende mit großer Wahrscheinlichkeit sehr teuer bezahlt wird. Viel mehr kommt eine Flucht in Immobilien m.E. dem Umstieg von der Titanic in die Lusitania gleich.
Nun zur Begründung:
Zunächst einmal sind Immobilien genau das, was der Name sagt, nämlich immobil. In anderen Worten, Sie können im Extremfall Immobilien weder vor dem staatlichen Zugriff "verschwinden" lassen, noch mit sich nehmen, wenn es Ihnen hier in Deutschland zu bunt werden sollte. Gleichzeitig sind Immobilien in den jeweiligen Grundbüchern erfasst und somit für einen Staat, der dringend Geld braucht, wunderbar zugänglich und ein gefundenes Fressen.
Von speziellen Einmalabgaben über Hauszinssteuern bis hin zu Zwangshypotheken gibt es hier ein höchst reichhaltiges Repertoire an staatlichen Gängelungs- und Raubmaßnahmen, von denen einige sogar bereits in der Vergangenheit schon durchgeführt wurden (in diesem Zusammenhang ist vielleicht auch dieser Artikel der WirtschaftsWoche für Sie ganz interessant, auch wenn er nur sehr oberflächig ist).
Der zweite Punkt, der für mich Immobilien als "Wertsteigerungsobjekt in der Krise" völlig ungeeignet erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass Immobilien fast ausschließlich auf Kredit gekauft werden. Wir alle wissen, dass Preise sich zusammensetzen aus Angebot und Nachfrage. Wenn aber die Nachfrage dank mangelnder Kreditvergabe in einer Krise austrocknet, reduziert sich zwangsweise die mögliche Käuferzahl. Man stelle sich nur einmal vor, wenn Massenarbeitlosigkeit um sich greifen sollte. Woher sollen denn dann die Kredite für den Kauf kommen? Ein Fall der Preise ist vorprogrammiert dank Überangebot.
Im schlimmsten Fall sieht die Situation wie folgt aus:
Michel liest die "Expertenratschläge" zum Thema Immobilien und beschließt, in eine Immobilie mit einem Großteil seiner Ersparnisse zu flüchten und nimmt dafür eine Hypothek auf.
Nun schlägt die Krise zu. Michel muss nun gegen höhere Zinsen kämpfen für seine Hypothek. Der Wert seiner Immobilie fällt rapide, da die Kreditvergabe in weiten Bereichen nicht mehr das in Krisenzeiten ist, was sie vorher war. Das Geld wird immer weniger wert, womit Michel immer mehr Probleme hat, seine Hypothek zu bezahlen und zu allem Überfluss klopft dann noch der Staat an der Tür mit seinen Gängelungsmaßnahmen um den "Hausherren" auch noch zur Ader zu lassen.
Willkommen auf der Schuldsklaven-Galeere und einem Leben unter der Peitsche.
Wie aber kann man sich nun "krisenfest" machen?
Ich würde vor allem die folgenden Punkte beachten (zusätzlich zu den im letzten Artikel angesprochenen Punkten):
- Abbau aller Schulden, Einschränkung allen unnötigen Konsums, Aufbau einer gesunden "Zahlungsbilanz" jeden Monat, so dass Überschüsse auflaufen
- Anlegen eines physischen Edelmetall-Vorrats und 10-Euro-Gedenkmünzen (diese lassen sich als "1:1-Wechselgeld" mit innerem Wert betrachten, da sie auch gleichzeitig gesetzliches Zahlungsmittel sind)
- Nach Möglichkeit Ausstieg aus sinnlosen Papier-Finanzprodukten, welche an der Krisenrealität vorbei gehen (nach eigenem Ermessen und eigener Situation und Anlagestrategie, siehe auch mein letzter Artikel)
- Weitere Maßnahmen, die aus eigener Sicht geeignet scheinen (z.B. Verlegung des eigenen Wertpapierdepots und anderer Vermögenspositionen ins nicht EU-Ausland, erhöhte Vorratshaltung, wenn man möchte, ...)
Wenn Sie in dieser Krise stets aktiv und geistig präsent bleiben und wenigstens die wichtigsten dieser Schritte für sich durchführen, sollten Sie weitaus besser durch das, was auch immer vor uns liegen mag, kommen als die Leute, welche bisher immernoch den Kopf in den Sand stecken und aus Bequemlichkeit oder Leichtgläubigkeit lieber "unseren" Politikern in Berlin vertrauen oder sonstige Realitätsverweigerung betreiben.
Beste Grüße
Warum Immos nix sind, Staat greift zu
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Stefan (06.05. 2010 17:44 Uhr):
Guten Tag, wie bereits früher sprechen Sie von einer Verlegung ... "ins Nicht-EU-Ausland". Meinen Sie das so, oder meinen Sie eher "in Länder außerhalb der Eurozone", worunter u. a. Schweden fällt, ein Land, das keine Anstalten macht, demnächst den Euro einzuführen?
Antworten - Kommentar von Alfred (06.05. 2010 18:14 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, danke für die interessante Serie. Nur eine Frage wie Sie dies meinten: Man soll Schulden abbauen - sicher wenn die Zinsen nicht auf lange Zeit fix sind, ist dies verständlich. Aber sonst spricht doch alles dafür wenn man Schulden in inflationären Zeiten hat, obwohl ich das grundsätzlich auch nicht für "moralisch" halte.
Antworten - Kommentar von Gertrude Götz (06.05. 2010 19:38 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn! Mit großem Interesse lesen wir Ihre Beiträge, vielen Dank! Wir sind Rentner und erhofften uns in einer englischen Kapitallebensversicherung (clerical medical) einen Zugewinn.zur Rente. Wir erkannten diese gefährliche Anlage, stiegen aus und verloren etwa 40.000 Euro. Den geretteten Rest haben wir auf Tagesgeld/ Festgeldkonten in Deutschland angelegt. Durch die derzeitige Wirtschaft/Finanzlage sind wir sehr unsicher wie wir uns weiter verhalten sollten und bitten Sie, soweit es Ihnen möglich ist , um Ihre Empfehlung. . Wir wohnen im eigenen Haus ohne Schulden Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen Gertrude Götz
Antworten - Kommentar von Hartmut (07.05. 2010 09:52 Uhr):
Eine schuldenfreie, vermietete Immobilie sichert auch nach Währungsreform sichere Einnahmen,wenn zum Beispiel Renten nicht mehr oder wesentlich geringer gezahlt werden. Gold und Devisen können zwangsbewirtschaftet werden bis zur Abgabepflicht. Das Verbringen ins Nicht-EU-Land ist reine Theorie. Wie komme ich in der Krise dahin, wie kann ich dort auf mein Vermögen zu greifen? Vielleicht gibt es noch praktischere Vorschläge. Äußerst verunsichert sind wir alle.
Antworten- Antwort von Heinz Benda (07.05. 2010 12:03 Uhr):
Meine Familie verlor nach dem ersten Weltkrieg ihren Besitz in England, Russland, Ungarn und China. Nach dem zweiten Weltkrieg war der Besitz von Immobilien in der DDR (Ostberlin) wertlos geworden. Diese Scenario ist derzeit extrem unwahrscheinlich, so dass Sie derzeit mit großer Wahrscheinlichkeit Recht haben. Etwas Bargeld in der Hand, falls alle Banken fallieren, wäre günstig. Etwas Gold in sehr kleinen Stücken wäre dann ebenfalls von Vorteil.. Ansonsten wären gut ausgebildete Kinder ebenfalls ein gutes Sicherheitsventil für den Notfall. Sehr konjunkturtötend muss ich jedoch im Alter feststellen, dass ich den ganzen Wohlstandsquatsch im Alter nicht mehr brauche. Nur hungern und frieren will ich nicht, das mußte ich zum Glück selbst als Kind nicht (Jahrgang1947). Die größte Erfindung der Schöpfung ist, daß Glück im Leben nichts aber auch garnichts mit Geld zu tun hat. Zum Teil sind reiche Menschen sehr zu bedauernde Menschen wegen Ihres Geizes, denn Sie wissen und empfinden nicht, was Glück ist. In unserer Gesellschaft ist das Schaf, das nicht dem Leit-Lemmig des Wohlstandes folgt, in der Minderheit.
- Antwort von Heinz Benda (07.05. 2010 12:03 Uhr):
- Kommentar von Kurt Luder (07.05. 2010 10:51 Uhr):
Ihre Schwarzseherei betreffend Immobilen-Besitz ist wohl ein bisschen übertrieben. Schliesslich kann man die Räuber in der Politik immer noch abwählen. Der Steinbrück wurde ja auch in die Wüste geschickt! Am ruhigsten schläft man immer noch mit bezahltem Zuhause, einem Gemüsegarten und ein paar Kilo Gold auf der hohen Kante. Ich ziehe dies einem „stets aktiv und geistig präsenten“-Hinterherrennen an Finanzprodukten vor.
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- Kommentar von Walter (07.05. 2010 13:14 Uhr):
Warum sollte ich Schulden jetzt zurückzahlen, für die ich noch 10 Jahre einen günstigen Festzins zahle und diese Geld in eine Photovoltaikanlage so sicher angelegt habe, dass es für die nächsten 20 Jahre rund 4% mehr bringt, als es mich kostet. Ich muss doch nur dafür sorgen, dass ich in 10 Jahren den Rest zurückzahlen kann, wenn dann die Schuldzinsen zu hoch sind. Bei einer Inflationsrate von 3 % beträgt die Kaufkraft, die ich zurückzahlen muss nur noch ca 74% und bei 5% Inflationsrate nur noch 60%. Wenn bei einer anstehenden Inflation die Gläubiger verlieren, werden die Schuldner die Gewinner sein! Oder denk ich da falsch? MfG
Antworten - Kommentar von Ulf (23.12. 2010 18:11 Uhr):
sehr geehrter Herr Hahn Ihre Beiträge lese ich sehr gern und stimme Ihnen meist zu.Zu Ihrer Einschätzung zu Immobilien kann ich nur sagen das man sein geld ja nun mal in irgendeiner Form über eine Kriese anlegen muss.Und da es im Lidl keine scharfen Waffen gibt (die wohl beste Anlage wenns hart auf hart kommt) halte ich Immobilien doch für eine gute Möglichkeit sich abzusichern. Und eines sollte klar sein Edelmetalle (auch wenn ich selber welche gekauft habe) gerade Gold hat keinen echten wert.
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