Schutz vor Währungskrisen: Diversifizierung von Cashbeständen
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 7. Mai 2010, 16:00 Uhr
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wie Sie meiner IW-Analyse vom 23.04.10 entnehmen konnten, wertet der Euro gegenüber nahezu allen großen Währungen ab. Gerade diese Woche kam es im Währungspaar EUR/USD zu einem regelrechten Eurocrash. Aber auch gegenüber anderen, v.a. "rohstoffreichen" Währungen zeigt der Trend klar nach unten.
Das Ergebnis? Gegenüber der restlichen Welt verlieren wir Europäer immer mehr an Kaufkraft und verarmen damit in kleinen, jedoch beständigen Schritten. Ein extremes Beispiel für die Abwertung einer Landeswährung ist die isländische Krone, welche im Zuge der Finanzkrise gegenüber „starken“ Papierwährungen wie dem US-Dollar in den freien Fall überging.
Alle Produkte und Rohstoffe, welche Island importieren muss, wurden schlagartig teurer. Die Inflation erreichte ein Niveau von 20% und mehr. Gleichzeitig hatten viele Isländer Fremdwährungskredite aufgenommen, welche Sie nicht mehr bedienen konnten. Durch Devisenkontrollen war es der Bevölkerung kaum möglich, sich gegen den Kaufkraftverlust durch den Kauf ausländischer Währungen abzusichern. Das Land liegt aus wirtschaftlicher Sicht immer noch am Boden.
Die aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten zeigen, dass den europäischen Staaten eine ähnliche Entwicklung drohen kann, wenn die Lage richtig eskalieren sollte. Deshalb ist es in meinen Augen durchaus sinnvoll, die eigene Cashbestände zu diversifizieren.
Ich stelle Ihnen drei Möglichkeiten vor, wie Sie sich und Ihre Cashbestände krisensicherer machen, als wenn Sie sich nur auf den Euro verlassen.
1. Kauf von ausländische Staatsanleihen
Ich persönlich würde es zwar nicht tun, jedoch können Sie ausländische Staatsanleihen über Ihre Bank bzw. Ihren Broker kaufen (nicht mit jeder Bank / mit jedem Broker möglich). Es gibt hier mehrere Komponenten, welche Sie beachten sollten.
- Die Solvenz des Staates (schauen Sie sich die explizite und implizite Staatsverschuldung an)
- Die Verzinsung der Staatsanleihen und die Kursentwicklung (bei steigenden Zinsen fallen die Anleihenkurse und umgekehrt)
- Den Wechselkurs zwischen der ausländischen Währung und dem Euro
Beachten Sie bitte, dass die Kurse von Staatsanleihen besonders in der aktuellen Krise starken Schwankungen unterliegen können und dass Sie bei vorzeitigem Verkauf durchaus Verluste realisieren müssen, wenn bis zum Verkaufszeitpunkt die Anleihenkurse gefallen sind. Mehr zum Thema Anleihen und Zinsen finden Sie unter diesen Links:
Anleihen: Kurze Einführung (15.01.10 - Basics)
Wie lange bleiben die Leitzinsen noch niedrig? (22.01.10 - Basics)
2. Einrichtung eines Fremdwährungskontos
Ein Fremdwährungskonto wird in einer ausländischen Währung Ihrer Wahl für Sie geführt.
Zahlreiche deutsche Banken bieten Ihnen diesen Service an.
Ich warne jedoch in mancherlei Hinsicht davor:
Wie das Beispiel Island zeigt, kann es bei einer Verschärfung der Währungskrise durchaus zu Kapitalverkehrskontrollen kommen. Es ist gut möglich, dass in einem solchen Szenario Ihr im Inland geführtes Fremdwährungskonto in Euro zwangsumgetauscht wird.
Ich rate Ihnen deshalb, dass Sie im außereuropäischen Ausland ein solches Konto eröffnen. Gerade in der Schweiz ist es in der Regel für deutsche Staatsbürger ohne Probleme möglich, ein Konto bei den meisten gängigen Banken zu eröffnen. Über dieses können Sie dann auch anderer Devisen kaufen z.B. den australischen Dollar oder die norwegische Krone.
Solange Sie dieses Konto bei der Steuererklärung angeben, bewegen Sie sich auf sicherem Eis. Ich kann mir aus rechtlicher Sicht nicht vorstellen, dass es der deutschen Bundesregierung gelingen könnte, Ihnen dieses Konto im Fall X zu verbieten. Und selbst wenn es so kommt, bleibt Ihnen genügend Zeit, Ihr Geld in Sicherheit zu bringen, da solch ein Prozes nicht über Nacht abgewickelt werden kann.
Es ist m.E. allemal sicherer im außereuropäischen Ausland ein Fremdwährungskonto zu führen als in der BRD.
3. Kauf von Devisen über Ihren Broker (nur für Profis)
Internationale Broker wie beispielsweise Interactive Brokers, welchen ich für meinen Optionsdienst nutze, geben Ihnen die Möglichkeit, mit wenigen Mausklicks Devisen zu kaufen und zu verkaufen. Dabei sind die Spreads sehr eng, die Gebühren niedrig und Sie sind in Ihrer Anlagestrategie äußerst flexibel.
Sie können mit geringen Marginaforderungen (je nach Broker zwischen 2,5% - 5,00% der Kaufsumme) Ihr Konto in einen breit aufgestellten Währungskorb verwandeln.
Nehmen wir an, Sie haben 50.000€ auf Ihr Broker-Konto eingezahlt.
Ihr Ziel ist es, den Kaufkraftverlust des Euros gegenüber den anderen Währungen abzudämpfen bzw. zu neutralisieren.
Um nicht einen zu großen Klumpenrisiko ausgesetzt zu sein, macht es durchaus Sinn, auf mehrere Devisen gleichzeitig zu setzen. Folgende Aufteilung würde sich in meinen Augen derzeit anbieten:
Für 10.000€ wird der australische Dollar gekauft (AUD)
Für 10.000€ wird der kanadische Dollar gekauft (CAD)
Für 10.000€ wird der Schweizer Franken gekauft (CHF)
Für 10.000€ wird der US-Dollar gekauft (USD)
Für 5.000€ wird der neuseeländische Dollar gekauft (NZD)
Für 5.000€ wird die Norwegische Krone gekauft (NOK)
Obwohl Sie für 50.000€ Devisen kaufen würde, würde sich Ihre Margin Leistung nur auf ca. 1.250€- 2.500€ (2,5% bis 5,0%) belaufen. Damit haben Sie noch genügend Kaufkraft, um an der Börse agieren zu können. Hier wäre allerdings z.B. der Margin Interest zu berücksichtigen.
Gleichzeitig können Sie einer weiteren Euro Abwertung einigermaßen gelassen entgegen sehen.
Die obigen Beispiele sind natürlich keine Anlageempfehlung, denn ich kenne ja Ihre jeweiligen persönlichen Situationen nicht. Ich möchte Ihnen nur zeigen, dass sich mit ein wenig Flexibilität viele drohende, monetäre Gefahren leichter umschiffen lassen als man denkt.
Je nach Risikoneigung müssen Sie die Diversifikation Ihres Währungskorbs Ihren eigenen Bedürfnissen anpassen.
Beste Grüße
Alexander Hahn
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Christian Römer (07.05. 2010 20:51 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, mich würde interessieren, in wie weit ein Handelskonto bei Interactive Broker welches in USD geführt wird und mit Euros bestückt wurde, vor den aktuellen Schwankungen sicher ist - auf USD-Basis; so heissen: Wird das Handelskonto jeden Tag neu bewertet auf der Grundlage der aktuellen Wechselkurse, oder ist das Geld auf USD-Basis stabil? Vielen Dank
Antworten - Kommentar von Rainer Bredenow (08.05. 2010 09:18 Uhr):
Danke
Antworten - Kommentar von Erich Schuster (10.05. 2010 13:52 Uhr):
Hallo Herr Hahn, was halten Sie von dem chinesischen Yuan. M. E. eine Währung, die zur Zeit sicherer ist als alle anderen zusammengenommen und außerdem Auwertungspotential enthält? MfG Erich Schuster
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