Schule des Tradens: Zwei Ansätze der technischen Analyse
Michael Covel in Traders Daily
vom 23. April 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Wie angekündigt soll heute die technische Analyse genauer behandelt werden. Es gibt hierbei zwei Ansätze. Der erste basiert auf der Fähigkeit, die Charts zu „lesen" und die Indikatoren zu nutzen, um die Richtung des Marktes vorherzusagen. Hier ist ein Beispiel für die Mentalität, die hinter einer vorausschauenden technischen Analyse steht:
„Ich höre die Leute oft schwören, dass sie mit der technischen Analyse Geld erwirtschaften. Ist das auch wirklich so? Die Antwort lautet natürlich, dass es wirklich so ist. Die Leute verdienen Geld, indem sie Strategien aller Art verwenden, darunter auch das Lesen von Kaffeesatz und Sonnenflecken. Die wahre Frage lautet: Verdienen sie so mehr Geld, als wenn sie blind in einen Index investieren würden, der die Leistungen des Marktes insgesamt spiegelt? Die meisten akademischen Finanzexperten glauben an eine Form von Zufallsbewegungstheorie und sie gehen davon aus, dass die technische Analyse keinen Unterschied zu einer Pseudowissenschaft aufweist, deren Vorhersagen entweder wertlos sind, oder im besten Falle nicht erkennbar besser als der Zufall, als dass sie aufgrund der Transaktionskosten nutzbar wären."
Zum Thema technische Analyse ist das die Antwort derer, die von der technischen Analyse nur wissen, dass sie eine Art von wundersamer Lesetechnik für die Charts ist - so ähnlich wie Astrologie. Die Wertpapierforschung der großen Banken unterstreicht meine Unterscheidung der Prognose noch weiter:
„Die Frage, ob die technische Analyse funktioniert, ist seit mehr als drei Jahrzehnten ein Streitthema. Kann man mit den Kursen der Vergangenheit das Abschneiden in der Zukunft vorherbestimmen?"
Wie dem auch sei, es gibt eine andere Form der technischen Analyse, die weder versucht Vorhersagen noch Prognosen zu machen. Diese Art basiert auf den Reaktionen auf Preisbewegungen. Diejenigen, die den Trends folgen, sind eine Gruppe von technischen Tradern, die die reaktive technische Analyse nutzen. Anstatt zu versuchen, die Richtung des Marktes vorherzusehen, besteht ihre Strategie darin, auf die Marktbewegungen zu reagieren, wann immer sie sich ereignen. Das ermöglicht es ihnen, sich auf die tatsächlichen Marktbewegungen zu konzentrieren, und sich nicht emotional auf den Versuch einzulassen, die Richtung oder die Dauer vorherzusagen.
Nachdem das so ist, erlaubt es diese Form der Preisanalyse den Trendverfolgern nicht, zum genauen Tiefpunkt eines Trends in den Markt einzusteigen oder genau zum Gipfel auszusteigen. Zum anderen traden sie mit der Preisanalyse nicht notwendigerweise täglich. Stattdessen warten die Trendverfolger geduldig auf die richtigen Marktbedingungen, anstatt den Markt zu zwingen. Und zum Dritten sollte es mit der Preisanalyse keine Leistungsziele geben.
Einige Trader verfolgen vielleicht eine Strategie, die vorgibt: „Ich muss 400 Dollar am Tag erwirtschaften." Trendfolger könnten darauf antworten: „Sicher, aber was ist, wenn der Markt sich an dem bestimmten Tag nicht bewegt?"
Ein Trendfolger fasst das Rätsel so zusammen:
„Ich könnte nicht 20 Märkte analysieren und immer noch Geld verdienen: Einer der Gründe dafür, dass die Trendfolge funktioniert, ist, dass man nicht versucht, zu viel darüber nachzudenken. Man ist ein Trendfolger, kein Trendvorhersager."