Schuldig wegen Beitritt
Christopher Corbett in Baltimore in Traders Daily
vom 02. April 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Anmerkung in eigener Sache: Da Herr Vaupel heute ganztägig auf einer Verlagsveranstaltung ist, hier direkt zum Text des US-Korrespondenten Christopher Corbett:
Es gibt in Ihrem Leben noch nicht genug Leute, die Sie nicht ausstehen können? Nicht genug Beleidigungen pro Tag? Gibt es in Ihrem Alltag einen Mangel an Grobheit? Darf ich dann vorschlagen, dass sie einem Nachbarschaftsverein beitreten? Die Republikaner haben das Ehrenamt in den vergangenen Jahren herausposaunt. Mischen Sie sich ein. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass das alles andere mit sich bringt.
Sie wollen beliebt sein? Gründen Sie einen Leseclub. Sie wollen Ihre Nachbarn kennen lernen? Gemeinsames Kochen. Sie brauchen ein Hobby? Gärtnerclub oder als Trainer in die F Jugend. Einsam? Werden sie Vorleser. Lesen Sie jemandem vor, der im Knast sitzt. Aber wenn Sie immer schon verachtet werden wollten, dann versuchen Sie jemandem zu verklickern, dass er sein Haus nicht kanarienvogelgelb streichen darf.
Es heißt, dass man, wen man jemals beim Militär war, gelernt hat, sich NIEMALS FREIWILLIG ZU MELDEN. Amen. Aber wie der alte Mr. Franklin feststellte: „Die Erfahrung ist eine harte Schule, aber ein Idiot wird in keiner anderen etwas lernen.“ Sie dürfen mich Idiot nennen. Vor einigen Jahren wurde ich Mitglied des Nachbarschaftsgremiums, das die Aufgabe hatte, die Einhaltung einer Reihe von altertümlichen und verwirrenden Verpflichtungen zu überwachen, die Hammurapi sich nicht hätte ausdenken können. Die meisten stammen aus dem 19. Jahrhundert. Es soll keine Gerberei betrieben werden. Es sollen keine Ziegen gehalten werden.
Ich habe die Nachbarn wirklich gut kennen gelernt. Innerhalb weniger Monate wurde ich als Dummkopf, als Nazi, als Schwachsinniger, als Idiot, als Clown, als Esel und was man sich sonst so vorstellt, bezeichnet, darunter auch Begriffe, die sich auf Körperteile beziehen und die ich hier nicht nennen werde. Mein Geschmack wurde herabgewürdigt. Mein Urteil in Frage gestellt. Meine Absichten angefochten. Sogar mein Verstand wurde angezweifelt. Ich wurde laut.
In Wahrheit war ich der traurigste unter den Freiwilligen. Ich trete keinen Vereinen bei. Ich hasse Golf und Tennis. Ich mag es nicht, in Schwimmbäder zu gehen. (Der Mensch ist nicht dazu bestimmt, in gechlortem Wasser zu schwimmen) Ich kann Kartenspiele nicht ausstehen. Und mit dem Älterwerden, finde ich es zunehmend schwieriger, mich mit Fremden zu unterhalten. Also bin ich einzigartig ungeeignet einem umstrittenen Gremium beizutreten, das darüber entscheidet, was man auf seinem Grundstück tun darf und was nicht. Meine Frau hat mich freiwillig gemeldet.
Über Generationen war meine Gegend ein Kaninchengehege altertümlicher WASPs (weißer, protestantischer Amerikaner angelsächsischen Ursprungs), die hellgrüne Hosen verziert mit Stockenten trugen, karierte Jacketts und Slipper ohne Socken. Und die leicht nach Gin rochen. Viele waren berühmt, weil sie in der Oberstufe 1946 Lacrosse gespielt hatten und weil sie seitdem absolut nichts getan haben. Heute ist ein großer Teil dieser alten Garde zum großen Lacrosse-Spiel in den Himmel hinaufgefahren. Oder zu einer der schicken Seniorenresidenzen irgendwo im Land.
Das waren noch klassische WASPs. Sie waren einfach, sie mochten die Dinge so wie sie waren, so wie sie immer waren. Viele Häuser sahen aus wie in den Zeichnungen von
Charles Addams und Edward Gorey. Vornehm heruntergekommen, sagt man wohl dazu.
Und da kommen die Neulinge (auch ich stamme nicht aus der Stadt). Sie ziehen in die alte Gegend, weil sie Geschichte hat und charmant ist. „Es ist perfekt“, sagen sie. Und ungefähr drei Monate später versuchen sie die Perfektion zu verbessern.
Und an dieser Stelle kommt das Gremium ins Spiel. Einmal im Monat traf man sich, um über Perfektion nachzudenken. Die meisten Angelegenheiten waren ganz einfach oder dumm – Farbwahl, Schindeln und so weiter. Doch hin und wieder bat jemand um Erlaubnis, sein Grundstück mit sechs Meter hohen Schallschutzzäunen zu umgeben, so wie man sie entlang den Autobahnen sieht.
Meine Schwierigkeiten als Mitglied des Gremiums wurden noch dazu mit der Tatsache verbunden, dass ich immer schnell zu Kompromissen, zu einer Einigung und zu einer Lösung des Konflikts bereit bin. Man sollte meinen, dass sei das angemessene Vorgehen bei so kitzligen Fragen wie die, ob die Throckmortons eine Wildmühle auf ihren Rasen stellen dürfen. Oder einen Brunnen. Oder einen Anbau von der Größe eines Motel 6.
Aber darüber zu streiten, ob jemand ein zweigeschossiges Glasgerüst in seinen Garten stellen darf, oder eine Satellitenschüssel so groß wie eine von denen, wie die NASA sie hat, taugt jedoch nicht für mich. Es ist nicht so, dass ich solche Dinge gut heißen würde, aber ich bin Streitereien gegenüber abgeneigt. Was die persönlichen Vorlieben angeht, halte ich es so wie es die englische Schauspielerin Mrs. Patrick Campbell hielt, wenn es um Sex ging: Solange man es nicht auf der Straße tut und die Pferde erschreckt. (Einigen meiner Nachbarn ist es egal, wenn sie die Pferde erschrecken.
Ich bin mir nicht sicher, ob Geld die Wurzel allen Übels ist, aber es ist die Quelle aller Probleme. Ich habe es während der Zeit erkannt, die ich in dem Gremium war. Die Armen haben uns nie Probleme gemacht – ihre Häuser, in die man etwas Arbeit stecken müsste, oder die einstürzen, oder etwas Farbe bräuchten. Aber die Reichen waren wirklich anders als Sie und ich. Sie wollten Kram. Und sie wollten ihn sofort.
Ich glaube an die goldene Regel. Verhalte dich anderen gegenüber so, wie du wünscht, dass sie sich gegen dich verhalten. Doch viele meiner Nachbarn halten sich an eine andere goldene Regel: Du hast das Gold, du sagst, wo es langgeht.
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