Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien
vom
Da ist sie wieder, die Furcht vor Staatspleiten.
Es ist inzwischen gut ein Jahr her, dass die finanziellen Hilfsmaßnahmen für Griechenland in die Wege geleitet wurden, doch in gewisser Hinsicht scheint die Lage sich im Vergleich zum letzten Jahr kaum geändert zu haben.
Griechenland wurde auch kürzlich wieder von der Ratingagentur Moody's herabgestuft und gilt nun aus finanzieller Sicht offiziell als "Ramsch". Dies spiegelt sich auch in den Risikoprämien: Die Renditen zehnjähriger griechischer Staatsanleihen lagen am Dienstag mit 12,6 Prozent so hoch wie kurz vor Verabschiedung des Rettungspakets, als damals die EU und der IWF 750 Mrd. Euro zusagten in dem Versuch, die Märkte zu beruhigen.
Doch im Gegensatz zu damals sieht es in den "Retterländern" inzwischen noch ein Stück schlechter aus, was die Haushaltslage angeht. Hinzu kommt eine Tatsache zum Rettungsschirm, welche den meisten Anlegern in der Form wahrscheinlich auch noch nicht so ganz klar sein dürfte:
Faktisch stehen allerdings weniger als 500 Mrd. Euro zur Verfügung. Das Kernstück des Rettungsschirms, die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), kann den Krisenstaaten nämlich weniger Geld geben als zunächst gedacht. Obwohl die Euro-Staaten für Notkredite der EFSF mit 440 Mrd. Euro bürgen, liegt ihre Ausleihekapazität nur bei rund 250 Mrd. Euro. Der Grund ist, dass die EFSF sich selbst über Anleihen an den Finanzmärkten finanziert und deswegen das Spitzenrating AAA behalten will. Die Ratingagenturen machten die Vergabe dieser Note davon abhängig, dass die Anleihen übersichert werden, damit bei einem Zahlungsausfall einzelner Bürgen noch genug Geld übrig ist.
Viele Analysten glauben deshalb, dass der Rettungsschirm neben Irland nur noch Portugal Schutz bieten kann.
(Quelle: Financial Times Deutschland)
Sollten also noch Spanien oder Italien unter den Rettungsschirm müssen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass dieser hierfür nicht mehr reichen wird. All das schafft natürlich Unsicherheit an den Märkten.
In wie weit macht sich dies an den Märkten bereits bemerkbar?
Der hauptsächliche Leidtragende derartiger Entwicklungen ist natürlich der Anleihemarkt. Hier steigen bei den Pleiteländern die Risikoaufschläge und die Anleihenkurse sinken. Dies betrifft besonders die Anleger, welche große Anleihenbestände in ihren Portfolios besitzen (z.B. Lebensversicherungen). Verschlimmert wird die Situation durch die jeweiligen Downgrades der Länder, da größere Adressen wie Versicherungen meist nur bis zu bestimmten Bonitätsnoten Papiere halten dürfen. Werden Papiere unter diese Schwellen heruntergestuft, werden die entsprechenden Positionen dann meist noch weiter abgebaut, so dass mit etwas Pech nochmals zusätzlicher Verkaufsdruck auf die sowieso schon unter Feuer stehenden Anleihen entsteht.
Erfreulich solide hingegen hält sich der Aktienmarkt. Zwar sahen wir eine Korrektur die letzten Tage, doch die Marktinerna wie z.B. der NYSE BP Index halten erfreulich an ihrer Position fest.
Ich werde Sie morgen wieder mit einer ausführlicheren, technischen Marktbetrachtung versorgen, doch ein kleiner Blick auf den Chart sei an dieser Stelle gestattet:
Quelle: Stockcharts
Wie Sie sehen können, hält sich der Index nach wie vor über 2 Punkte von einem möglichen Säulenwechsel entfernt.
Zur Erinnerung: Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.
Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.
Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Nachmittag.
Bis morgen und herzliche Grüße,
Ihr Klaus Buhl