Schuldenobergrenze angehoben ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 20. März 2006 18:00 Uhr
ENL5454
Die deutschen Standardwerte konnten auch die vergangene Handelswoche mit einem Plus beenden. Am Freitag schaffte es der Dax aber nicht, auf einem neuen Jahreshoch zu schließen.
Ohne Zweifel, die deutschen Aktien scheinen zumindest kurzfristig wieder in den Aufwärtstrend zurückgekehrt zu sein. Kein Wunder, daß die Zahl der Optimisten erneut deutlich größer wird und das Bärenlager spürbar abnimmt. Im 37. Monat der laufenden Gegenbewegung zum großen Bärenmarkt ist die Mehrheit der Marktteilnehmer weiter klar auf steigende Notierungen focussiert. 6300 Punkte werden von den meisten Prognostikern gar als unterstes Kursziel genannt. Bisweilen trauen die ersten Techniker dem deutschen Leitindex bis zum Jahr 2010 gar neue gigantische Allzeithochs zu. 8000 bzw. 10000 Punkte werden von einigen Super-Bullen in den Raum gestellt. Ferner übersteigen im Hinblick auf Einzelaktien die Zahl der Kaufempfehlungen klar die Verkaufsvoten.
Überdies fällt im Zuge der gegenwärtigen Euphorie auf, daß knapp zwei Drittel aller herausgegebenen Derivate voll auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends setzen. Sicherlich, von einer irrational übertriebenen Euphorie kann noch nicht wirklich die Rede sein. Aber, fürwahr, diese Warnzeichen sollten keinesfalls übersehen werden. Auch wenn es kurzfristig in Richtung 6000 und mehr noch gehen kann, dürfte die Lüft spätestens in der zweiten Jahreshälfte immer dünner werden. Und, mit Blick auf 2007 könnte statt einer weiteren Klettertour eher ein Abstieg bevorstehen.
Wie dem auch immer sein mag, spätestens ab 2010 werden auch die Kapitalmärkte von den Auswirkungen des dramatischen demographischen Wandels betroffen sein. Nurmehr 680000 Kinder wurden 2005 in Deutschland zur Welt gebracht, die Geburtenrate sank um über vier Prozent. Bevölkerungswissenschaftler sind der Ansicht, dass dieser tiefgreifende Umbruch "schlimmer als der 30jährigen Krieg" sei.
Darüber hinaus kommt noch hinzu, dass die öffentlichen Kassen Deutschlands hoffnungslos leer sind. Ohne Zweifel werden die Verantwortlichen versuchen, den Offenbarungseid noch möglichst lang hinauszuzögern.
Bis dahin wird der Staat darauf abzielen, seine klammen Finanzen über Steuererhöhungen und ähnliche Eingriffe zu stabilisieren. Schützenhilfe kommt insofern vom obersten Gericht des einstigen Wirtschaftswunderlandes, welches in einer jüngst veröffentlichten Entscheidung (AZ: 2 BvR2194/99) den Halbteilungsgrundsatz aus dem Jahr 1995 aufhob. Das bedeutet, dass die Einkommens- bzw. Gewerbesteuerbelastung mehr als die Hälfte der Erträge eines Steuerpflichtigen betragen darf. Ob dadurch aber gerade in einer zusehends globalisierten Welt wirklich nachhaltig Mehreinnahmen erzielt werden können, ist sehr zu bezweifeln. Auch jenseits des Atlantiks geht der muntere Aufschuldungsprozess ohne Unterlass weiter. Der US-Senat stimmte der Erhöhung der Schuldenobergrenze des Bundes um sage und schreibe 781 Milliarden Dollar auf nunmehr knapp neun Billionen Dollar zu. In der Amtszeit von Präsident Bush ist dieses Schuldenlimit bisher um drei Billionen Dollar erhöht worden. Und ein Ende ist wahrlich nicht in Sicht.
Wie dem auch immer sein mag, nicht zuletzt die weltweit ausufernde Staatsverschuldung ist mit für die Mega-Gold-Hausse verantwortlich. Sicherlich mag es immer mal gewisse Konsolidierungsphasen innerhalb dieses Supertrends geben. Und es ist durchaus nicht ausgeschlossen, dass die aktuelle Korrekturbewegung schon beendet ist. Mittel- und langfristig spricht jedoch sehr wenig dafür, dass bspw. der Dax das gelbe Edelmetall outperformen wird.