Schulden = Reichtum, eine fragwürdige Gleichsetzung
unserem Korrespondenten Addison Wiggin in Paris in Investors Daily
vom 09. Oktober 2003 18:00 Uhr
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Nun, zumindest bleiben sie auf Kurs. Wie mein Kollege Bill Bonner bereits angesprochen hat: In den USA haben die privaten Haushalte im August neue Schulden im Volumen von 8,2 Milliarden Dollar angehäuft. Ok, lassen Sie mich nachrechnen. Laut dem "World Fact Book" beträgt das Bruttoinlandsprodukt der USA etwas über 10 Billionen Dollar – das sind 37.600 Dollar für jede(n) Mann, Frau, Spitzbube im Land – was die USA zur "größten und technologisch mächtigsten Volkswirtschaft der Welt" macht.
Was passiert wirklich in der "größten und technologisch mächtigsten Volkswirtschaft der Welt"? Nun, eine Menge Schuldenmachen für Konsum, offensichtlich. Neben der Tatsache, dass 80 % des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes durch "Dienstleistungen" erzielt werden, haben die Schulden der privaten Haushalte die Höhe des Bruttoinlandsproduktes längst überschritten.
Was noch ... wie ich letzte Woche schon berichtet habe, hat der durchschnittliche Haushalt in den USA Kreditkartenschulden von 8.000 Dollar. Und ich habe errechnet, dass der durchschnittliche Haushalt fast 20 % des Pro-Kopf-Bruttoinlandsproduktes mit Konsumentenkrediten finanziert.
Als ob das noch nicht interessant genug wäre ... suche ich im "World Fact Book" nach den Steuereinnahmen des amerikanischen Staates im letzten Jahr: 1,94 Billionen Dollar! Wenn die Konsumenten weiterhin so schnell wie im August Schulden anhäufen würden, dann würden sie sich auf Jahresbasis hochgerechnet (wobei berücksichtigt wird, dass die neuen Schulden im August nicht so stark wie in anderen Monaten wachsen) mehr Geld leihen als die Steuereinnahmen aller amerikanischen Gebietskörperschaften im letzten Jahr erreicht haben.
"Wie lange kann das alles so weitergehen?" frage ich mich. Natürlich lautet die Antwort notwendigerweise: "So lange wie möglich."
Die Fed mag eine solche Antwort ablehnen. Greenspan hat die Geldmenge um 9,5 Billionen (!) Dollar erhöht ... das ist ein neuer Rekord. Die ausländischen Zentralbanken entschieden, dass sie glücklich wären, die neuen Schuldscheine einer fast bankrotten Nation von fetten Nassauern anzunehmen ... und sie haben US-Staatsanleihen für 10 Milliarden Dollar gekauft ... auch das ein neuer Rekord.
Schulden. Konsumentenschulden. Staatsschulden. Unternehmensschulden. Alles Schulden. Schulden. Schulden. Wer wird für diese Schulden bezahlen? Und mit welcher Währungsqualität? Jetzt beginnt man, die Weisheit der Fed in ihrem "Krieg gegen die Deflation" zu erkennen; eine Deflation macht es nämlich teurer, die Schulden zurückzuzahlen. Inflation hingegen ist der beste Freund von Schuldnern. Wenn man ein Sparer ist ... Pech gehabt.
Eine der eher dümmlichen Erklärungen der Rally am Aktienmarkt und der sogenannten "Erholung" (ohne neue Jobs bis jetzt) las ich im Editorial bei TheStreet.com, geschrieben von jemandem, der sich schämen müsste, wenn ich seinen Namen erwähnen würde. Deshalb tue ich es nicht. Seine Theorie war, dass "Reichtum" – zumindest der, wie er im Kontext des jüngsten degenerierten kapitalistischen Modells aufgefasst wird – durch die Konsumkraft einer Familie ausgedrückt und quantifiziert wird
In so einem Szenario gilt tatsächlich: Schulden = Reichtum. Lassen Sie mich auch hier nachrechnen. Wenn man 8.000 Dollar Kreditkartenschulden hat ... dann würde dadurch der persönliche Reichtum um 8.000 Dollar steigen. Im August hat sich deshalb der Reichtum der amerikanischen Nation deutlich erhöht. Diese Art von Denken führt zu den Schlagzeilen, die die wirtschaftliche Erholung und die Wiedergeburt eines Booms am Aktienmarkt loben.
Ich habe nur eine einzige Frage: Wo kommen diese Leute her?
Aber es gibt auch andere Stimmen: Eine Umfrage (von Providian) zeigte, dass 50 % von 1.000 Befragten mitteilten, dass sie wegen ihrer Familienfinanzen "besorgt" oder "sehr besorgt" seien. Providian kann zugute gehalten werden, dass sie als Lösung dafür vorgeschlagen haben, dass die Amerikaner mehr sparen sollten ...