Schrottkiste
Gary Shilling in Investors Daily
vom 28. Juli 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Seit dem 11. September 2001 blieb die Zahl der verkauften Autos in den USA relativ konstant, bei durchschnittlich 16,9 Millionen pro Jahr. Um dieses Niveau zu halten, setzen die Autoverkäufer jetzt zunehmend auf Kaufanreize. Die könnten selbst dann weiterhin notwendig sein, wenn die Bedenken wegen Terror, die hohen Benzinpreise und andere negative Punkte verschwinden würden.
Die Kaufanreize begannen damit, dass im Oktober 2001 0 %-Finanzierungen angeboten wurden. Die Idee dahinter war natürlich, die nach den Anschlägen verschreckten Amerikaner zu den Automobilhändlern zu locken. In diesem Monat stiegen die Umsätze um über 30 %. Die Automobilhändler hatten diese 0 %-Finanzierungen eigentlich als einmalige Sache betrachtet, aber da sie so gut funktionierten, wurden sie beibehalten. Zudem waren die Taschen der Verbraucher gerade mit Steuerrückerstattungen voll.
Dann wurden die Kaufanreize immer größer. Bald gab es Finanzierungen zu 0 % Zinsen, und 6 Monate oder ein Jahr musste auch keine Tilgung geleistet werden. Die Alternativen zur Barzahlung sind immer zahlreicher geworden.
Und dennoch haben die Verkäufe von Autos in den folgenden Jahren stagniert. Was sagt uns das?
Das durchschnittliche Alter der gefahrenen Wagen steigt seit Mitte der 1970er. Kein Wunder – denn die Qualität der Wagen hat zugenommen. Die Autos sind nicht mehr nach ein paar Jahren durchgerostet. Amerikanische und ausländische Wagen sind für ein Jahrzehnt oder länger zuverlässig.
Und da deshalb weniger Wagen in die Schrottpresse wandern, fällt auch die Nachfrage nach neuen Autos geringer aus. Hinzu kommt, dass mittlerweile ein hoher Sättigungsgrad erreicht ist. Denn in den USA gibt es durchschnittlich 2,14 Autos je Haushalt – und durchschnittlich 2,62 Personen je Haushalt, darunter Kinder, die zu jung sind, um fahren zu können. Weitere Zuwächse sind da unwahrscheinlich.
Die Kaufanreize sind problematisch geworden – denn die Kunden haben sich daran gewöhnt, und sie wollen keinen Neuwagen mehr kaufen, wenn sie keine deutlichen Konzessionen erhalten. Und welcher Automobilhersteller will schon das Ende der Kaufanreize verkünden?
Das ist eine besonders schwierige Herausforderung für die amerikanischen Autobauer, und in der Zukunft könnten sich ihre Aktien deshalb schlechter als der Gesamtmarkt entwickeln.
Angesichts weltweiter Überkapazitäten im Bereich Automobilbau, begrenztem Wachstum in den USA, überhöher Arbeitskosten in Detroit und einem latenten Imageproblem werden die amerikanischen Produzenten wahrscheinlich weiterhin Marktanteile verlieren. Die Tage, in denen General Motors 50 % des US-Marktes hatte, sind lange vorbei. Und die aktuell 27 % Marktanteil könnten auf 25 % oder noch tiefer fallen.