"Schröpft die Dummen!"
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. Januar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Schröpft die Dummen!"
Diesen Slogan schlage ich der amerikanischen Partei der Republikaner für den kommenden Wahlkampf vor. Denn diese Partei um Präsident Bush scheint ja eine sehr originelle Methode der Finanzierung der Staatsausgaben gefunden zu haben. Sie senken die Steuern ... aber erhöhen die Ausgaben. Wer wird dann für ihre Programme der Waffen und Drogen bezahlen? Statt die Reichen zu schröpfen oder die Armen auszuquetschen, setzen die Republikaner darauf, dass die Dummen der Bush-Administration Geld leihen, zu Zinssätzen, die auf dem niedrigsten Stand seit 50 Jahren stehen. Die Bush-Administration leiht sich das Geld ... und wertet dann die Währung ab, in der die Schulden gemessen werden.
Das ist ein Trick ... aber ein eleganter Trick; fast die Hälfte der geliehenen Beträge kommt aus dem Ausland ... und die armen Ausländer wählen nicht mit!
Aber was ist das? Der Dollar ist weiter gefallen ... und der Goldpreis steigt weiter. Und jetzt sieht es so aus, als ob die Freundlichkeit der Ausländer ihre Grenze erreicht hätte. Sie wählen irgendwie doch mit.
"Ein ominöser Vorbote für die US-Finanzanlagen", schreibt mein Freund Terry Reik, "war der deutliche Kollaps bei den Kapitalimporten aus dem Ausland ... Vom Topp von 110,4 Milliarden Dollar im Mai sind die Netto-Kapitalimporte im Juni auf 90,6 Milliarden Dollar, im Juli auf 73,4 Milliarden Dollar, im August auf 49,9 Milliarden Dollar und im September auf 4,2 Milliarden Dollar gefallen."
Der Betrag vom September hat nur 10 % des Wertes erreicht, der notwendig wäre, um das amerikanische Leistungsbilanzdefizit von 500 Milliarden Dollar zu finanzieren. Die privaten Investoren außerhalb der USA haben den Dollar aufgegeben, zugunsten anderer Anlagen.
Bis jetzt haben nur die Dollarkäufe (bzw. die Käufe von US-Staatsanleihen) von ausländischen Zentralbanken den Dollar vor der Zerstörung bewahrt. So hat z.B. die Bank of Japan im September Dollar und US-Staatsanleihen für 40 Milliarden Dollar gekauft. "Ohne diese herkulesmäßige Anstrengung der japanischen Zentralbank", so Terry Reik weiter, "wären die US-Kapitalimporte aus dem Ausland negativ gewesen, und zwar mit 35,8 Milliarden Dollar."
Die Periode der Zurückhaltung der ausländischen Investoren kommt zu einer schlechten Zeit. Denn mit jedem Tag scheinen die Amerikaner mehr Kredite zu brauchen, nur um ihr Niveau halten zu können. Terry nennt die Zahlen: Die Schulden der USA stehen bei insgesamt 33 Billionen Dollar, die jährlichen Zinsen betragen fast 2 Billionen Dollar – selbst zu den niedrigsten Zinsen seit den 1950ern. Und die Schulden wachsen 7 Mal so schnell wie die Wirtschaft.
Was für Amerika Schulden sind, sind für das Ausland Forderungen (wenn auch von ungewissem Wert). In den ersten 200 Jahren der amerikanischen Republik schafften es die Amerikaner, gegenüber dem Ausland ein Netto-Vermögen von rund 5 % ihrer Wirtschaftsleistung aufzubauen. Aber dann gab es die Reagan-Jahre der "Angebotsorientierung", und dann die Clinton-Jahre des "Alles ist möglich". Und darauf folgte dann George Bush mit seinem "Schröpft die Dummen". Nach der ersten Amtszeit von Reagan hatte sich das amerikanische Nettovermögen gegenüber dem Ausland in Luft aufgelöst, und in den folgenden 17 3/4 Jahren hielten die Ausländer immer mehr US-Vermögensanlagen, während die Amerikaner immer wenige ausländische Vermögensanlagen hielten.
Im April 2003 besaßen die Ausländer 3,3 Billionen Dollar mehr an US-Vermögensanlagen, als die Amerikaner an ausländischen Vermögensanlagen besaßen. Und dann, in den folgenden 90 Tagen, schoss diese Zahl um 21,5 % auf über 4 Billionen Dollar nach oben.
Wow! Bei mir dreht sich alles.
Jetzt zu Addison, mit mehr Details: