Schritt #3: Arbeit am Schwerpunkt
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 27. Oktober 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
die vergangenen Wochen habe ich Ihnen hier bei Investoren Wissen bereits die ersten beiden Schritte des "Investmentlehrplans" vorgestellt.
Diese waren
Schritt #1: Grundwissen Wirtschaft
Schritt #2: Finden der eigenen Anlagementalität bzw. des eigenen Anlagestils
Heute möchte ich mit Schritt #3 fortfahren, dem ersten Erwerb von Vertiefungswissen in Ihren jeweiligen Spezialbereichen.
Für heute reicht es dabei, wenn Sie erst einmal unterscheiden, ob Sie langfristiger Investor sind oder nicht.
Nehmen wir vorerst an, dass dies der Fall ist.
Erstes Grundwissen für den langfristigen Investor
Wie bereits in den vergangenen Artikeln erwähnt, ist es für den langfristigen Investor von oberster Wichtigkeit, fundamental fundierte Prognosen und Beurteilungen abgeben zu können.
Dafür ist natürlich einerseits ein wirtschaftliches Grundverständnis nötig (siehe Schritt #1), doch das ist keinesfalls bereits hinreichend um gute Entscheidungen treffen zu können.
Um sein Wissen im Bereich fundamentaler Punkte zu erweitern, bieten sich für den ersten Schritt die folgenden Klassiker sehr an:
Michael E. Porter, "Competitive Strategy: Techniques for Analyzing Industries and Competitors" (Simon & Schuster)
[deutsche Version: Wettbewerbsstrategie: Methoden zur Analyse von Branchen und Konkurrenten]
Porters Werk ist zwar bereits drei Jahrzehnte alt, gilt jedoch immer noch als eines der Standardwerke der Betriebswirtschaft im Bereich der Wettbewerbsanalyse.
Wer es ernst meint damit, sich auf den Bereich "fundamentales Investieren" zu spezialisieren, findet in diesem Buch sicher eine Reihe praktischer, hilfreicher Techniken und Ansatzpunkte, die er bei der Analyse von Industriesektoren und der Wettbewerbssituation einzelner Firmen nutzen kann. Es sollte daher in keiner Investoren-Bibliothek fehlen.
Benjamin Graham, D.Dodd, "Wertpapieranalyse: Das Standardwerk des modernen Investierens: Überlegenes Wissen für Ihre Anlageentscheidungen" (FinanzBuch Verlag)
Ein nahezu 1000 Seiten schweres, historisches und bewährtes Grundlagenwerk mit vielen spannenden Methoden, Tricks und Hilfestellungen. Für den überzeugten Fundamentalinvestor eine Art "Anlegerbibel" und kaum wegzudenken.
Die folgende Amazon-Rezension fasst es m.E. derart gut zusammen, dass ich dem kaum etwas hinzufügen muss:
Wem an fundamentalen Wertpapieranalysen und Anlagestrategien gelegen ist, die noch heute erfolgreich umgesetzt werden und wer seine Anlegerfähigkeiten ausbauen will, der ist bei Graham und Dodd an der richtigen Adresse.
Eine Wallstreet-Legende (die auch den großen Warren Buffet unterrichtet hat!) und sein Schüler liefern in diesem Buch hunderte von Seiten puren Finanzwissens und erprobter analytischer Methoden.
Aus den exakten Darstellungen der Elemente der Fundamentalanalyse wie Bewertungsfaktoren, Sicherheitstests und Auswahlverfahren lassen sich höchst interessante Anlagestrategien zusammenbasteln.
Besonders klug: Die Autoren behaupten nicht, den Stein der Weisen gefunden zu haben, sondern sie liefern einen bestens geordneten Baukasten an Überlegungen und Finanzwissen, dessen Inhalt sich flexibel an die eigenen Aktienanlage-Bedürfnisse und die jeweilige Zeit anpassen lässt. Sie liefern außerdem Anhaltspunkte für gute Prognosen, helfen dabei, Bilanzen zu lesen und Wertpapiere immer wieder neu zu klassifizieren, egal in welchem Aktienmarkt man gerade agiert.
Das Original in seiner Erstauflage ist zwar schon älteren Datums, aber eine deutsche Neuauflage mehr als gerechtfertigt, weil die darin beschriebenen Verfahren und Überlegungen auch und gerade heute noch brandaktuell sind und noch immer als wertvoller Klassiker in den Regalen erfolgreicher Aktienakteure stehen.
Grundwissen für den technisch interessierten Anleger
Hierunter fallen sowohl Investor-Trader als auch kurzfristige Spekulanten.
Hier empfehlen sich aus meiner Sicht die folgenden zwei Werke:
Murphy, John J. "Technical Analysis of the Financial Markets" (Prentice Hall Press)
Ein Standardwerk im Bereich der technischen Analyse, was eine gute Übersicht gestattet. Es gibt zwar auch eine deutsche Version, aber diese kann ich nur denen von Ihnen empfehlen, die mit der englischen Sprache Probleme haben. Die Übersetzung ins Deutsche ist dermaßen unprofessionell, dass ich es kaum in Worte fassen kann.
Ich hatte mir das Buch zuerst auf deutsch gekauft und habe es dann gleich am ersten Tag online wieder verramscht, da ich mich mit jedem Satz ärgerte über die Frechheit, solch ein inhaltlich gutes Werk derart sprachlich und grammatisch zu verstümmeln.
Voigt, Michael "Das große Buch der Markttechnik" (FinanzBuch Verlag)
Ein ganz gutes Buch über die Entstehung von Preisbewegungen, das auch recht unterhaltsam geschrieben ist. An dem Buch scheiden sich etwas die Geister. Es gibt zahlreiche Anhänger aus der "Retail-Szene", welche hier den Autor gottgleich verehren und jede Kritik an dem Buch (so fundiert sie auch sein mag) aggressiv als Gotteslästerung betrachten (ein Blick auf den Schlagabtausch in den Amazonrezensionen bietet hier einen ganz guten Eindruck), andere wiederum sehen das Buch sehr kritisch. Ich selbst stehe irgendwo dazwischen.
Ich denke, für den Einstieger bietet es auf jeden Fall sehr gute Ansätze und liest sich ganz unterhaltsam. Keinesfalls würde ich jedoch empfehlen, jedes Wort daraus ohne Hinterfragen zu übernehmen und es als den "einzigen Weg zur Erleuchtung" zu betrachten, denn das ist das Buch sicher nicht.
Viele der in dem Buch dargestellten Punkte gehen m.E. zu sehr von idealisierten Umfeldern aus, die so in der Realität nur sehr selten auftreten.
Unter dem Strich bleibt jedoch sehr viel nützliches, weshalb ich empfehle, das Buch auf jeden Fall einmal mit der nötigen kritischen Distanz zu lesen und durchzuarbeiten.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Nachmittag.
Beste Grüße
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Michael Lunow (28.10. 2010 10:11 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, was halten Sie von "zinslosem-umlaufgesichertem-Geld" ? Diese Möglichkeit (begrenzte Laufzeit des Geldes) gibt es offenbar noch neben dem oft besprochenem Goldstandard. habe gestern auf der Seite des Sängers C. Anders, in dessem Brief an ex Kanzler Schröder, erstmals davon erfahren. Leider konnte ich den Brief kaum verstehen und fand daraufhin den "Chiemgauer", der wohl etwas in der Richtung ist. Meine Vermutung: Zinsknechtschaft wären wir los, aber was ist mit "Vermögen schaffen"? Wenn ich einen Acker davon kaufen will, warum sollte der Bauer zeitbeschränktes Geld annehmen, in dieser Höhe!? Also, diese Art Geld soll schon im Mittelalter gut funktioniert haben, lt. Anders, aber irgendwo ist doch der Wurm drin, oder?
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