Schottlandreise zum Ersten
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 13. September 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Vergangenen Donnerstag reisten wir an die Westküste Schottlands ... zu einer Hochzeit. Wenn man erst einmal in Europa ist, ist alles ziemlich nah, also brauchte es auch keine Zeit, nach Edinburgh zu kommen. Dort mieteten wir ein Auto und fuhren auf der falschen Seite der Straße zu einem Gasthof namens Cromlix House. Das Haus war aus dunklem Granit erbaut und zwischen Bäume gesetzt. Von außen sah es aus wie die meisten der großen schottischen Häuser – düster. Es hätte eine gute Reformschule abgegeben... oder einen Ort an dem man geisteskranke Straftäter aufbewahren kann. Innen war es heller, mit schottischen Tartans auf den Stühlen... und dem Tartanmuster auf dem Teppich... und mit Tartanröcken an den jungen Mädchen, die das Abendessen servierten. Es gab so viele sich widersprechende Tartans, dass es mir schon anfing auf die Nerven zu gehen. Jeder Clan soll sein eigenes Muster haben... mit jeweils anderen Farben und Mustern. Die Mackenzies, die MacDonalds, die Munros, die MacLoughlins. Alle in einem Raum. Wenn ein MacFarlane in seinem Karomuster aufgetaucht wäre, dann wäre ich auch bald zum geisteskranken Straftäter geworden.
Doch es war dort warm und die Mädchen waren entzückend, und das Essen war herzhaft.
Am nächsten Tag fuhren wir weitere drei Stunden durch Schottland, bis wir das Glitzern und Leuchten des Meeres vor der Westküste sahen, auf der gegenüberliegenden Seite von Fort William. Unsere Straße führte durch Täler und über Höhen... und sie folgte den Konturen der Küste bis wir zu einer Kirche kamen – einer schottischen Episkopalkirche, versteckt in einem Tal. Die Kirche war auch aus grauem Stein erbaut... aber der graue Stein wurde durch ein hohes Dach und bogenförmige Fenster aufgelockert.
Die meisten Gäste waren schon da, als wir ankamen. Ungefähr die Hälfte der Männer trug Kilts. Einige von ihnen trugen sie mit Pullovern oder normalen Jacken. Die anderen hatten kurze, verzierte Jacken in dunkelblau, mit Goldknöpfen... oft mit Medaillen und anderen Insignien. Frauen trugen die gleichen Kleider, die man in jedem anderen Teil der zivilisierten Welt findet.
Ich habe mich gesetzt. Eine Minute später kündigten Dudelsäcke, gespielt von zwei stattlichen Schotten, die Ankunft der Braut an.
Auch der Priester trug einen Kilt... versteckt unter seinem Gewand. Er hatte einen Akzent, aber keinen schottischen. Vielmehr hatte er einen Londoner Akzent... einen Cockney-Akzent. Später stellten wir fest, dass er von London nach hier oben gekommen war, um eine schottische Frau zu heiraten und schon seit 20 Jahren in der Gegend lebt. Heute, in seinen späten 50ern oder 60ern... hat er bereits in einer Reihe von Berufen gearbeitet – unter anderem beim Militär – ehe er dann dem Klerus beitrat.
Auf die Messe folgte ein Empfang in einem anderen großen Haus im schottischen Stil – ernst von außen, warm und einladend innen. Das Haus war einst eine Jagdhütte, es war kürzlich renoviert worden und kann heute gemietet werden. An den Wänden hingen Geweihe... die Speisesäle und Salons waren mit Panelen verkleidet... dick gepolsterte Sofas standen um einen großen Kamin... es gab noch weitere Karomuster... es hätte einen ganz entzückenden Ort abgegeben, um den Nachmittagstee einzunehmen oder jemanden umzubringen.
Die anderen Gäste waren eine interessante Mischung alter schottischer Familien und Amerikaner. Eine gemeinsamer Freund aus Lateinamerika war auch dort; wir fanden heraus, dass seine Frau mit anderen Freunden aus Paris verwandt ist. Es ist manchmal eine kleine Welt. Ein Paar aus New Jersey... die Familie der Braut aus Michigan... Leute aus London... die Familie des Bräutigams aus Aberdeenshire – es war eine charmante Mischung.
Das Abendessen wurde in einem großen Zelt serviert. Es wurden Reden gehalten... Trinksprüche dargeboten... der Hochzeitskuchen herumgereicht.
„Sie können in dieser Gruppe nicht davon sprechen“, sagte ein Schotte, der heute in Italien lebt, „aber ein großer Teil dieser schottischen Dinge ist nicht so alt und ehrwürdig wie wir vorgeben. Viel davon ist erst im 19. Jahrhundert erfunden worden. Die Tartans zum Beispiel. Ja, die Schotten trugen farbige Plaids, aber sie bestanden aus groben Stoffen, die mit natürlichen Färbungen gefärbt wurden. Die umständlich gefärbten Plaids, die man heute isieht – je ein anderer für jeden Clan – wurden, vermutlich für die Touristen, im viktorianischen Zeitalter erfunden.“
„Ich kann Ihnen noch etwas erzählen... hier in der Gegend sprechen sie davon, ‚zurück nach ‚45’ zu gehen... sie meinen damit bis dahin zurück, wo die Dinge 1745 standen, ehe die Schotten von den Engländern erobert wurden. Doch Gott sei Dank wurde Bonny Prince Charly geschlagen... sonst wären die Schotten heute wohl noch rückständiger.“
Und dann kam die Band herein. Ein großer Junge brachte Stühle und fing an, elektronische Kabel zu verbinden. Dann kam ein kleiner junge, der so aussah, als sei er nicht älter als 15, und brachte einen Dudelsack. Ein weiterer Junge, dick, rundgesichtig, mit glatten schwarzen Haaren, trug ein Akkordeon.
Die Tische wurden zur Seite geräumt… und die Band fing an zu spielen... und die Braut und der Bräutigam betraten die Tanzfläche. Die Band spielte traditionelle schottische Musik. Ich hätte bei einer Gruppe alter Knacker damit gerechnet, die die alten Traditionen hochhalten wollen. Aber das war eine Gruppe junger Leute – die auffallend gut spielten.
“Ach… er ist ein Macaulay”, erklärte ein Mann im Kilt, der über den Dudelsackspieler sprach, “die Macaulays spielen die Dudelsäcke schon seit 600 Jahren. Deswegen spielt er so gut.“
“Jetzt müssen wir einige Reels auf die Beine stellen…” sagte eine attraktive Frau mit dunklen Haaren und einem englischen Akzent.
Der Autor dieser Zeilen war noch nie ein großer Tänzer. Aber wenn er eine gute Eigenschaft hat, dann ist es die, dass ihm so schnell nichts peinlich ist. Er hat den Tango, den Bossa Nova, den Twist, den Funky-Chicken und den Walzer getanzt. Doch bis zur vergangenen Woche hat er noch nie den schottischen Reel getanzt.
Ein Mann in einem Kilt und einem braunen Pullover nahm eine junge blonde Frau an die Hand und zeigte uns, wie man es macht. Sie sahen einander an... wirbelten sich herum, Arm in Arm... und dann wandte sich jeder an die nächste Person in der Reihe... grüßte mit einem kurzen Zucken der Füße und Hüften... und wirbelte dann auch diese Person herum... und so weiter, die ganze Reihe entlang... wirbelten sie mit den Händen in der Luft und den Armen ineinander verschlungen.
Es sah recht einfach aus. Aber als das Paar aus New Jersey und das Paar aus Ouzilly es versuchten, brach in der gesamten Gruppe bald Verwirrung aus.
Wir haben die Party nach Mitternacht verlassen. Am Morgen kamen wir zum Frühstück herunter und fanden einen Mann im Kilt auf dem Billardtisch. Ich habe seinen Puls gemessen, um sicher zu gehen, dass er noch lebte. Ein weiterer ruhte sich unter dem Essenstisch aus. Zwei Füße ragten unter dem Tischtuch hervor.
„Überprüft einmal, ob er noch atmet“, sagte die Frau, die das Tanzen organisiert hat. Ein bösartiges Kind trat auf seinen Fuß. Er grummelte.
“Ist in Ordnung… lass ihn schlafen”, sagte sie.
“Nachdem Sie weg waren, ist die Party richtig losgegangen”, erklärte sie.