Schnelle Erholung ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 11. Juli 2005 18:00 Uhr
ENL5454
In der vergangenen Handelswoche musste der deutsche Leitindex leichte Verluste hinnehmen. Schließlich ging der Dax am Freitag bei knapp unter 4600 Punkten ins Wochenende.
Sicherlich, die Rückkehr des Terrors nach Europa spielte auch für die Aktienmärkte eine große Rolle. Zwischenzeitlich brach der Dax am vergangenen Donnerstag gewaltig ein. Letztlich setzte aber sehr rasch eine starke Erholungstendenz ein, in der die Kursdelle fast wieder aufgeholt werden konnte.
Gewiss mag dies momentan klar für deutsche bzw. europäische Aktien sprechen. Ferner zeigen die Investoren auch gegenüber dem Terror und dessen Urheber, dass man nicht gewillt ist, weiteren volkswirtschaftlichen Schaden durch einen signifikanten Rückgang der Marktkapitalisierung an den Börsen zu akzeptieren.
Fürwahr, der Terror will auch den Nerv des Westens treffen. Sprich, auch das Herz des westlichen Systems, die Börsen.
Nach dem 11.September 2001 setzte im Anschluss an anfängliche Verluste ebenfalls eine starke Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt ein, die dann im Verlauf des Jahres 2002 wieder abrupt endete, weil die fundamental-wirtschaftlichen Rahmendaten alles andere als günstig für Aktien waren. Nach den Terror-Attacken von Madrid bzw. London (nur um diese beiden zu nennen) gab es zwar kurze Turbulenzen. Diese konnten aber relativ schnell wieder ausgebügelt werden.
Also, der Terror konnte mit den bisherigen Angriffen die westlichen Märkte keinesfalls in den Ruin bzw. zum Zusammenbruch treiben. Zumindest nicht mit den bisherigen "konventionellen" (zugegeben, sehr zynisch formuliert) Angriffsmethoden.
Und hier begründet sich auch eine sehr, sehr große Sorge. Diese besteht nämlich darin, dass die Urheber des Terrors (realisierend, dass die "alten" Methoden nicht "effektiv" genug sind) von der bisherigen Gangart abrücken und auf eine wesentlich veränderte Vorgehensweise (möglicherweise gar unter Verwendung von ABC-Waffen) umschwenken. Sicherlich muss dies nicht der Fall sein. Aber es dürfte auch klar sein, dass absolut nichts mehr auszuschließen ist.
Gewiss ist der Versuch der reichen Industrieländer, endlich auch mit an die Wurzeln bzw. Nährboden des Terrors, sprich Armut und Verwahrlosung, heranzugehen, richtig, kommt wohl aber leider viel zu spät.
Letztlich bleibt die Hoffnung, dass der Menschheit noch weitere bzw. größere terroristische Ereignisse erspart bleiben.
Was nun die kurzfristige Aktienmarktentwicklung angeht, so besteht durchaus die realistische Chance, dass diese zumindest in nächster Zukunft noch positiv sein könnte.
Aber, und dies gilt es wirklich sehr zu betonen, die mittel- und langfristigen Rahmenbedingungen für die westlichen Aktienmärkte sind alles andere als herausragend.
Die Gründe (Überschuldung, Blasenbildung im US-Immobilienmarkt, demographische Krise in Europa und so weiter) sind hinlänglich bekannt.
Zudem kommt noch, dass auch eine stetige Veränderung der klimatischen Bedingungen (sprich Zunahme von Naturkatastrophen) und weitere Ressourcenverknappung ihr Scherflein dazu beitragen.
Apropos Ressourcen, momentan steigt der Ölpreis weiter von einem Rekord zum nächsten. Viele Analysten sprechen zwar von einer Blasenbildung, letztlich dürfte aber die MEGA-Hausse noch längst nicht beendet sein. Im Gegenteil, jede Korrektur (die auch möglicherweise kurzfristig vor der Tür stehen könnte) sollte insofern als Einstiegschance wahrgenommen werden.
Dies gilt ebenfalls für das gelbe Edelmetall. Gerade im Verhältnis zum Ölpreis (das Öl/Gold-ratio ist im historischen Vergleich momentan extremst niedrig) ist Gold schlicht und einfach sehr günstig.