Schnapp! Die Bullenfalle hat zugeschnappt
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 29. August 2007 07:30 Uhr
ENL5462
Guten Morgen, verehrte Leserinnen und Leser!
Nun scheint sich – zumindest bislang – präzise das zu ereignen, wovor ich noch am Montag gewarnt hatte: Der Hoffnungslauf entpuppte sich als Bullenfalle.
Die verdächtig geringen Umsätze und das bescheidene Marktumfeld waren die typischen Voraussetzungen dafür, dass nach oben nicht mehr viel drin sein würde. Und dass die Kurse erst wieder zu fallen beginnen, nachdem 20 Tage-Durchschnitte und kurzfristige Abwärtstrends überboten wurden und die Markttechnik Kaufsignale generierte, passt ins typische Bild. Wie erwartet hatten die Bären abgewartet, bis die Falle schön prall gefüllt ist.
Mit einem Schlag sind bei allen wichtigen europäischen und US-Börsen all die gerade überwundenen Linien wieder gerissen worden. Nur beim Dow war der kurzfristige Abwärtstrend nur angelaufen, aber nicht überboten worden. Und beim Dax liegen wir noch über dieser längst überwundenen Linie, der ich aber ja im Vorfeld schon wenig Bedeutung zugemessen hatte. Der Dax wird nun übrigens besonders spannend, denn da dieser zuletzt bei der Erholung nicht so stark mitgelaufen war, werden hier die bisherigen Tiefs (7.190) eventuell zuerst erreicht.
Bislang läuft alles nach „Schema F“
Natürlich muss man eines sehen: Nach der durch die Diskontsatzsenkung entstandenen Bärenfalle kam nun die Bullenfalle – was spricht also dagegen, dass wir nicht gestern eine Bärenfalle sahen und schon heute Nachmittag geht es an Wall Street wieder steil bergauf?
In einem solchen chaotischen Umfeld, indem keiner so recht weiß, wovor er sich genau fürchten soll, was das alles zu bedeuten hat und was er denn nun genau tun soll, ist das allemal denkbar. Nur allzu wahrscheinlich ist es nicht. Denn wie gesagt:
Die Rahmenbedingungen bleiben erst mal negativ. Sogar der Yen stieg gestern wieder deutlich – siehe Carry-Trade-Risiken. Bislang läuft alles nach dem typischen „Schema F“ einer größeren Korrektur oder eines jungen Abwärtstrends ab – die Beispiele hierzu hatten Sie ja vorgestern im Observer gesehen – und das Umfeld passt dazu.
Wenn jetzt nicht heute oder morgen eine wundersame Wende erfolgt, werden wir mit recht hoher Wahrscheinlichkeit Kurs auf die bisherigen Tiefs nehmen. Damit würde sich auch die 2:1-Wahrscheinlichkeit nun wieder fallender Kurse erfüllen, nur:
Bodenbildung oder neue Tiefs?
Was dann? Erleben wir nun aus diesem Impuls heraus eine Bodenbildung, sprich werden die bisherigen Tiefs nur noch mal erfolgreich getestet, drehen die Kurse vielleicht sogar oberhalb dieser Tiefs wieder nach oben?
Oder aber sacken wir schnell und gnadenlos durch diese Unterstützungen nach unten weg und fallen markant weiter? Würde z.B. im Dow Jones ein solcher zweiter großer Abwärtsimpuls entstehen, der den Umfang des ersten hätten, wären zügig Kurse unter 12.200 erreichbar!
Nun, letztlich ist das heute unmöglich vorhersehbar. Wie gesagt, es könnte ja sogar nur die Bärenfalle nach der Bullenfalle gewesen sein. Aber wenn nicht, waren Sie gewarnt. So betrachtet kann man nun durchaus gelassen abwarten, ob die Indizes an ihre bisherigen Tiefs heranlaufen werden, ob sie dort halten oder wenn nicht, wie weit es dann bergab geht.
Niemand kann in einem solchen Umfeld vorher bereits wissen, was sich nun entwickeln wird. Aber das muss auch nicht sein. Wichtig ist nur, im entscheidenden Moment nicht allzu falsch zu urteilen. Wer auf diese Aufwärtsreaktion nicht aufgesprungen ist, kann nun froh sein. Das ist entscheidend. Wer kurzfristig spekuliert, ist mir den gebrochenen 20 Tage-GDs nun a la Baisse unterwegs. Mit Stopps im Bereich der Zwischenhochs lässt sich das Risiko einigermaßen eng eingrenzen. So gesehen ist quasi jeder versorgt – warten wir also einfach ab, wie weit es – wenn es so weiter geht wie gestern – nun nach unten geht.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt
The Daily Observer




Artikel weiterempfehlen