Schmiergeld, Müll, Hundehaufen: Zukunft der USA?
Jeff Clark (US-Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 22. November 2010, 16:00 Uhr
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als ich vor ein paar Tagen in Argentinien in Buenos Aires mit meiner Frau gemeinsam ankam, sprang der dortige Aktienmarkt an dem Tag um 8% nach oben.
Die Gewinne hatten nichts mit verbesserten Firmengewinnen oder besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun. Argentiniens Zentralbank versprach auch nicht, Milliarden von US-Dollars zum Ankurbeln der Wirtschaft in den Markt zu schütten. Es war etwas anderes, was die Kaufpanik erzeugte.
Nestor Kirchner starb an einem Herzinfarkt.
Kirchner wurde während der Folgen der Währungskrise 2003 zum argentinischen Präsidenten gewählt. Er blieb bis 2007 im Amt, was dann seine Frau übernahm.
Kirchner befand sich bereits im Wahlkampf um das Präsidentenamt nächstes Jahr und man ging allgemein davon aus, dass er die Wahl gewinnen würde.
Es ist schon ein ziemliches Statement, wenn der Markt 8% aufgrund des Todes eines Kandidaten nach oben läuft... Ob da wohl jemand in vielerlei Augen tot mehr wert als lebendig war?
"Kirchner war ein Krimineller." sagte man mir in einer Gruppe von Geschäftsleuten, mit denen ich ein paar Tage nach Kirchners Tod zu Mittag gegessen hatte. Und tatsächlich erhöhte Kirchner in einem Land, das dafür bekannt ist, dass es per Wahl dubiose Charaktere in höhere Ämter befördert, den Standard für Diebstahl.
Seine Regierung war durchsetzt von Skandalen. Es war damals nicht ungewöhlich, Geschichten zu hören, in denen es um Säcke voll Bargeld ging, welches in verschiedenen Regierungsbüros gestapelt wurde und Koffer voller Geld, welche durch den Flughafen transportiert wurden.
Kirchners Nettovermögen stieg von weniger als einer Million US-Dollar, als er 2003 gewählt wurde, auf geschätzte 70 Millionen US-Dollar bis zu seinem Tod vor wenigen Wochen. Vieles des neuen Vermögens soll Gerüchten zufolge aus verschiedenen Gefälligkeitsimmobiliengeschäften und Firmenrückvergütungen für öffentliche Aufträge zustande gekommen sein.
"Aber er war doch beliebt.", erwiderte ich. Die Beerdigungsprozession war direkt die Straße vor meiner Wohnung hinunter marschiert. Mehrere tausend Leute hatten daran teilgenommen.
"Es ist einfach, beliebt zu sein, wenn du Stimmen kaufst.", antworteten die Geschäftsleute. Viele von Kirchners politischen Maßnahmen waren darauf ausgerichtet, Wohlstand umzuverteilen - höhere Steuern und Strafgebühren für die, welche es zu etwas gebracht hatten und mehr "kostenlose" Geschenke dafür an den Rest.
"Beliebtheit bedeutet jedoch nicht, dass deine Politik im besten Interesse der Nation ist.", sagte einer der Geschäftsmänner. "Ich wette, die meisten Leute der Menge waren finanziell sowieso ruiniert und wurden nur mit ein wenig Schmiergeld dazu gebracht, auf die Beerdigung zu gehen."
Ich fand erst später heraus, dass die Reinigungsdame, die mein Apartment putzte, auch auf der Begräbnisprozession war. Man hatte ihr dafür ein Sandwich und 100 Pesos (etwa 20 Euro) für ihre Teilnahme gegeben.
"Also, wer kommt jetzt?" fragte ich die Geschäftsleute. "Für wen werdet ihr stimmen?"
(Fortsetzung im nächsten Artikel, siehe unten)