Schluss mit der Mainstream-Ökonomie!
Claus Vogt (Chefredakteuer "Sicheres Geld") in Investoren Wissen
vom 26. November 2009, 16:00 Uhr
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„Wenn der Tag der Wahrheit kommt, dann hilft nur eins: lügen, lügen, lügen.“ Rund um diesen in der November-Ausgabe von "Sicheres Geld" bereits zitierten zynischen Politiker-Witz baute ich meinen Vortrag für das Lesertreffen am 7. November in München auf. Ein Schwerpunkt lag dabei – mit Blick auf die Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen beiden Jahre – auf der peinlichen, unredlichen
und vor allem auch unwissenschaftlichen Reaktion der Mainstream-Wirtschaftswissenschaftler. Dass diese sogenannten Experten nicht in der Lage waren, die Krise vorherzusehen, ist sicherlich bedauerlich, aber durchaus zu verzeihen. Dass sie sich jetzt aber weigern, eine wissenschaftliche Ursachenanalyse zu betreiben, ist unverzeihlich. Denn damit ebnen sie den Weg, der in die nächste katastrophale Krise führen wird – von der sie dann erneut überrascht sein werden.
Ein schönes Bild transportiert die Botschaft besser
Um die traurige Vorstellung der Mainstream-Ökonomenzunft klarer herauszuarbeiten, verwende ich gerne ein anschauliches Bild, das ich auch denjenigen Lesern nicht vorenthalten will, die in München nicht dabei sein konnten. Mit Hilfe dieses Bildes gelingt es nämlich, wirklich jedermann vor Augen zu führen, wie lächerlich und dreist das uns gebotene Schauspiel eigentlich ist. Insofern mag es Ihnen als Argumentationshilfe willkommen sein. Das Weihnachtsfest steht schließlich fast schon vor der Tür und bietet den meisten von uns Gelegenheit für Gespräche mit Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern, denen es in der Krise vielleicht weniger gut ergangen ist als uns.
Von dreisten Pseudo-Wissenschaftlern, ...
Stellen Sie sich für einen Moment vor, Sie hätten es nicht mitWirtschaftswissenschaftlern zu tun, sondern mit echten Wissenschaftlern, beispielsweise mit Astronomen. Diese Astronomenzunft verwendet bis auf ganz wenige Ausnahmen dieselben Modelle und Theorien. Ihr Berufsstand ist gesellschaftlich hoch angesehen. Sie spielen eine wichtige Rolle weit über ihren Bereich hinaus und üben großen Einfluss auf die Entscheidungsfindungsprozesse der Politiker aus. Und immer wieder werden einzelne Mitglieder der Zunft mit öffentlichen Auszeichnungen geehrt.
Plötzlich erfährt dieses kuschelige Arrangement einen regelrechten Schock, denn es kommt zu einer totalen Sonnenfinsternis, die niemand aus dieser erlauchten Gruppe vorausgesagt hat. Zunächst ist das Erstaunen natürlich groß. Aber das Überraschungsmoment ist bald vorüber. Man fasst sich schnell und nimmt sich der unangenehmen Situation beherzt an.
In allen zur Verfügung stehende Medien – insbesondere im Staatsfernsehen – wird unsere fiktive Astronomenschar flächendeckend aktiv. Sie wird nicht müde zu erklären, warum es gar nicht möglich gewesen sei, diese Sonnenfinsternis vorherzusagen. Und das, obwohl es ein paar Astronomen gab, denen genau dieses Kunststück gelungen ist. Allerdings handelte es sich dabei nicht um Vertreter der allgemein akzeptierten (Heils)lehre, sondern um „uneinsichtige“ Abweichler. Folglich können sie und ihre unzweifelhaften Erfolge schlicht ignoriert werden.
Doch damit nicht genug. Nachdem der Öffentlichkeit in epischer Breite erklärt wurde, warum die Sonnenfinsternis nicht prognostizierbar gewesen sei, erreicht die Chuzpe ihren Höhepunkt: Die sogenannten Experten nehmen das Heft endgültig wieder in die Hand und stehen Volk und Politik in gewohnter Weise mit Rat und Tat zur Seite. Ohne eine Miene zu verziehen, schlagen sie Maßnahmen vor
oder setzen Maßnahmen um, mit denen nicht etwa ihre Prognosemodelle verbessert werden sollen – Gott behüte, nein. Mit diesen Maßnahmen sollen künftige Sonnenfinsternisse verhindert werden.
... die bestimmen, wohin die Reise geht
Das, liebe Leserinnen und Leser, ist das traurige Bild, das die zeitgenössischen Mainstream-Wirtschaftswissenschaften liefern. Und diese Vorgehensweise ist natürlich in höchstem Maße unwissenschaftlich.
Die Chance auf eine Neubesinnung, die jede Krise mit sich bringt, ist schon wieder vertan. Die Täter und die Ignoranten, die Blinden und die Tauben bestimmen mit ihren falschen Theorien und Modellen, wohin die Reise geht.
Wissenschaft folgt klaren - und klugen - Regeln
Wissenschaftstheoretiker oder Wissenschaftsphilosophen beschäftigen sich mit Fragestellungen rund um die Wissenschaft. Sie suchen Antworten auf eine der Kernfragen der Philosophie: Was kann ich wissen? Ihr bekanntester Vertreter ist sicherlich Karl R. Popper und die von ihm begründete Theorie des Kritischen Rationalismus. Mit dem Falsifikationismus hat er den Weg gewiesen, den die wissenschaftliche Methode beschreiten muss. Er besagt, dass Theorien niemals bewiesen, sondern lediglich widerlegt werden können. Folglich kann eine Theorie immer nur als vorläufig gültig angesehen werden, eben bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie widerlegt worden ist –, wobei ein einziges Gegenbeispiel ausreicht. Sobald eine Theorie wiederlegt oder falsifiziert wurde, muss sie verworfen werden. Auf diese Weise kommt es zu wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn, zu wissenschaftlichem Fortschritt.
Von Theorien und Modellen
Eine klare Abgrenzung der beiden Begriffe „Theorie“ und „Modell“ existiert nicht. Gewöhnlich wird von Theorien einfach dann gesprochen, wenn es sich um vergleichsweise umfangreiche Modelle handelt.
Grundsätzlich müssen Modelle oder Theorien dreierlei leisten können:
- Sie müssen die Welt beschreiben können, über die sieAussagen machen wollen. Das ist einfach und gelingt den meisten Menschen. Dabei spielt die Qualität dieserBeschreibungen keine Rolle.
- Sie müssen die beschriebene Welt erklären können. Dasist schon schwieriger, weil solche Erklärungen sich an die Regeln der Logik halten müssen, also eine innereWiderspruchsfreiheit aufweisen. Andernfalls können sie natürlich ganz schnell als offensichtlich falsch entlarvt werden.
- Schließlich müssen Modelle Prognosen ermöglichen, diesich an der Realität messen lassen können. An diesem Punkt wird Wissenschaft erst richtig interessant, wennsich nämlich die Theorie an der Praxis bewähren muss.Schafft sie das nicht, treffen die Prognosen nicht ein,kommt es zu empirischen Entwicklungen, die mit derTheorie im Widerspruch stehen, dann muss sie als falsifiziert,als wiederlegt gelten. Dann bleibt dem redlichenWissenschaftler nur eine Wahl: Er muss das Modell verwerfenund sich ein neues ausdenken.
Mit lautem Getöse werden Fakten ignoriert
An genau diesem Punkt sind meiner Meinung nach die Mainstream-Wirtschaftswissenschaften wieder einmal mit lautem Getöse angekommen. Und wie lautet die Reaktion der Betroffenen? Sie machen weiter wie bisher. Ungeachtet der von ihnen nicht erkannten Spekulationsblase und deren verheerenden Folgen lassen sie von ihren gescheiterten Modellen und Theorien nicht ab. Stattdessen lassen sie weit hörbar ihren Schlachtruf ertönen, ein offensichtlich durch nichts zu erschütterndes „Weiter so!“
Diese Reaktion ist meiner Meinung nach nicht nur vollkommen unwissenschaftlich. Sie ist außerdem unredlich und in höchstem Maße gefährlich. Warum?
Die Inflationsfalle und die Krisenspirale
Die Politik des „Weiter so!“ treibt unsere Gesellschaft in die nächste große Runde einer Krisenspirale. Geldpolitische Fehler, also eine in höchstem Maße inflationäre Politik, führen zu Spekulationsblasen und zu einer nicht tragfähigen Wirtschaftsstruktur. Das Platzen der Blase legt die Mängel der Wirtschaftsstruktur offen, eine Rezession beginnt. Die Antwort darauf ist eine neue und noch stärkere Runde geldpolitischer Fehler, die den gleichen Prozess noch einmal auf den Weg bringt – allerdings in größerem Ausmaß. Auch diese Blase platzt und die nächste Rezession beginnt, die allerdings schlimmer ausfällt als die vorherige. Am Ende dieser Spirale stehen eine ruinierte Volkswirtschaft und ein ruiniertes Währungssystem – und damit einhergehend nur allzu oft auch eine radikalisierte Gesellschaft.
Das alles ist natürlich nicht das Ergebnis eines Marktversagens, sondern eines (geld)politischen Versagens. Schon hat die nächste Runde dieser geld- und fiskalpolitischen Abwärtsspirale begonnen. Die nächste und noch sehr viel schlimmere Krise als die der vergangenen beiden Jahre scheint also nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Daher kann ich Ihnen nur eines raten: Kaufen Sie weiterhin Gold.
Herzlichst Ihr
Claus Vogt
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Claus Vogt ist institutioneller Anleger, Bestseller-Autor und Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld". Herr Vogt hat die Krise frühzeitig vorausgesehen und wiederholt vor ihr gewarnt. Während viele Anleger im letzten Jahr ihr Portfolio stark schrumpfen sahen, empfahl er immer wieder stark profitable Kriseninvestments und zeigte seinen Lesern, wie sie sich effektiv absichern können.
Wenn auch Sie erfahren möchten, wie Sie sich vor der Krise, die noch nicht ausgestanden ist, effektiv schützen und sogar von ihr massiv profitieren können oder Sie einfach die "Österreichische Schule" sehr interessiert: Der Verlag bietet ein besonderes Kennlern-Angebot für Sie an...