Schlimmer als 2008
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 23. September 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Ja, in diesen Tagen erinnert Vieles an das Jahr 2008. Zumindest bei den Finanzwerten, vor allem den europäischen Bankaktien gibt es kein Halten mehr. Kurssturz, freier Fall in den Untergang. Und irgendwie spüren wir auch, dass es nun, im Jahr 2011, um mehr geht als nur ums Aktiendepot oder die scheinbar sichere Lebensversicherung. Es scheint, als ob nun die Welt, die wir bisher kannten, endgültig zu Ende geht. Oder anders formuliert, dass das System, welches wir bis jetzt kannten, vor dem Kollaps steht.
Kollaps des Banksystems
Und wenn wir schon vom Kollaps des Systems reden, dann kommen wir gleich in medias res. Zu den Banken. Im Jahr 2011 stellt sich nun die Frage, wer der Lehman" des Jahres werden wird. Wird es eine Bank, oder wird es der formal erklärte Staatsbankrott mit Haircut der Hellenen werden? Mit Blick auf die Banken stellt sich die Frage, welche es werden wird. Wird es eine französische, eine italienische, oder vielleicht gar eine österreichische Bank werden? Ja, als schwarzer Schwan des Jahres eine Bank Austrias? Heiß gehandelt wird ja die italienische Unicredit, Muttergesellschaft der Bank Austria bzw. der deutschen HypoVereinsbank.
Zusammenbruch der französischen Banken
Viele mutmaßen ja auch, dass Frankreichs Großbanken, die sich derzeit allesamt auf der Intensivstation befinden, als Erste ins Wanken geraten werden. Wird es die Credit Agricole, die Societe Generale, oder doch die große BNP Paribas werden? Die Kurse der drei ehemaligen Musketiere" in der Bankenwelt der Gallier sehen ähnlich wie ein geschlachteter gallischer Hahn aus.
Marktkapitalisierung deutlich unter Eigenkapital
Nur als Beispiel sei hier die BNP Paribas-Aktie aufgeführt. Das Papier lag heuer schon nahe 60 Euro; gestern lag der Schlusskurs in Paris bei 23,06 Euro. Die Bank ist die gemessen an den Einlagen größte Bank der Euro-Zone und beschäftigt 200000 Mitarbeiter. Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung nur noch magere 27,6 Milliarden Euro. Mit Blick auf das Eigenkapital in Höhe von 85 Milliarden (Stand Ende 2010) liegt die Bewertung mittlerweile nicht mal mehr bei einem Drittel!
Starkes Misstrauen
Gestern schrieb jedenfalls PIMCO-Chef El-Erian in einem Gastbeitrag in der Financial Times, dass es gegenwärtig Anzeichen für einen "Run" institutioneller Anleger auf die französischen Banken geben würde. In den Vortagen war ja bereits geworden, dass Siemens schon im Juli 0,5 Milliarden Euro von einer französischen Großbank abgezogen haben soll. Darüber hinaus hat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge die Bank of China Devisentransaktionen mit den drei größten Banken Frankreichs eingestellt.
Systemrettung durch klamme Retter?
Ja, wie es scheint, wird sich im Jahr 2011 die systemisch entscheidende Frage stellen, ob es abermals Rettung geben wird. Besser gefragt, wer soll der Retter werden? Klamme Staaten, die noch im Krisenjahr 2008 als letzte Retter sog. systemisch relevanter Institute auftraten?
Der PIMCO-Chef liegt völlig richtig, wenn er sagt, dass Europa kurz davor stehe, die Kontrolle über eine geordnete Lösung der Schuldenkrise zu verlieren.
Wetten, dass im Fall des Falls am Ende die Notenbanker in Frankfurt mittels massiven Lockerungs- und Injektions-Massnahmen" parat stehen werden. Anders ausgedrückt, die letzte Hoffnung liegt wohl im aggressiven Anwerfen der Gelddruckmaschine.
Jetzt wohl erst recht, nachdem die deutschen Falken (Herr Weber bzw. Herr Stark) das Handtuch geworfen haben...
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Franz Steinbauer (23.09. 2011 08:10 Uhr):
Der Lehman des Jahres? Das ist ein Witz. Wenn die Cross-Defaults anfangen haben wird den Lehman des Jahres in zweistelliger Ausfertigung.
Antworten - Kommentar von Höhenberger (23.09. 2011 09:22 Uhr):
Der große Retter steht schon bereit und die zugehörige Schlüsselfigur namens Assmussen ist auch schon an die entscheidende Stelle gebeamt worden! H.höhenberger 23.09.2011
Antworten - Kommentar von Albert Karl (23.09. 2011 12:50 Uhr):
Es ist schon so, wie es der von mir geschätzte Claus Vogt immer schon gesagt hat: Fakt ist , dass die Informationen, über die wir bisher nur in diesen "verrückten Werbebriefen für Finanznewsletter" lesen konnten, heute in der ARD und im ZDF offen angesprochen werden. Was vor ein paar Jahren von Bankern, dem Sachverständigenrat der Bundesregierung und den sogenannten Finanzexperten als unseriös. lachhaft und windig abgetan wurde, ist doch heute buchstäblich jeden Tag in den etablierten und respektiertenPublikationen wie FAZ, SZ, NTV, N24, BBC und CNN zu sehen. So, als ob es total neue Nachrichten wären! Doch es sind nur Probleme und Tatsachen, vor denen die Damen und Herren des FID Verlag GmbH, UB Investor Verlag, und besonders Claus Vogt schon seit vielen Jahren warnt. Und eins ist auch klar: Finanzhasardeure und Politiker haben jahrelang gepfuscht, Vertrauen missbraucht bzw verspielt und sich vor unangenehmen Entscheidungen gedrückt. Inzwischen geht es doch nur noch darum, wer die massiven Staatsverschuldungen in Europa und den USA tragen wird. Sicher wieder der kleine Mann, seine Kinder und Enkelkinder müssen bitter dafür bezahlen. Denn das Geld, welches für Schuldentilgung und Zinsen draufgeht, fehlt jetzt anderweitig in den Staatshaushalten, Renten und Geldanlagen. Alles was bisher initiiert wurde, hat die Krise nur herausgezögert und verschlimmert. Marktgesetze und Geldregeln lassen sich nun mal nicht ausser Kraft setzen. Schuld für den neuerlichen Börsen-Crash seit Anfang August 2011 ist die nackte Angst, dass die Politiker noch mehr vermögensvernichtende Entscheidungen in der EU treffen. Und das Wissen, dass die Banken weiter pfuschen. Natürlich hat Bill Gross recht, wenn er feststellt, dass "Europa kurz davor stehe, die Kontrolle über eine geordnete Lösung der Schuldenkrise zu verlieren. Aber dann sollte er, bitte schön auch erwähnen, dass es um keinen Deut besser um die USA steht. Er wird schon wissen, warum er im Frühjahr d.J. seine Positionen in US-Staatsanleihen als Fondmanager verkaufte und neuerdings eine Kehrtwende vollzog, in dem er seinen Total Return Fund wieder stärker bei Treasuries positioniert. Mit einem mageren Ertrag von 3,9% hinkt dieser weltgrößte Anleihefonds der Entwicklung seiner Benchmark, dem BarCap U.S. Aggregate Total Return Value Index, mit einem Plus von 6,6% hinterher. Aber er hat ja nicht nur mit den Treasuries schief gelegen, auch seine Strategie Erhöhung der Abhängigkeit von der Kreditqualität, indem er auf Unternehmenspapiere und Staatsanleihen aus anderen Ländern als den USA setzte, erwies sich im August 2011 als Fehlschlag. Es ist und bleibt ein Trauerspiel und man steht so machtlos diesem Treiben gegenüber. Man gibt Garantien und Bürgschaften für die Staatanleihen
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