Schlechtwetter in London, Malls in China und Alarich vor den Toren Roms
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily zum Thema Global Anlegen
vom 30. Mai 2005 18:00 Uhr
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Es gibt für alles die richtige Zeit und den richtigen Ort.
Und bestimmt gibt es irgendwo auf der Welt einen Ort, an dem heute ein sonniger Frühlingstag ist. Aber nicht hier in London, hier ist der Himmel grau. Der Wind pfeift. Dieser Tag würde in weiten Teilen der Welt als echter Wintertag durchgehen.
Die Engländer halten das für gutes Wetter ... Sie sind fest entschlossen, es zu genießen. Während die Touristen in ihren Mänteln frösteln, läuft der abgehärtete Londoner in kurzen Ärmeln durch die Gegend, als wäre er in Florida.
Auf der Titelseite des International Herald Tribune liest man, dass in China große Einkaufszentren gebaut werden – drei mal so groß wie die "Mall of America" in Minnesota. Wenn sie in eine aufstrebende Wirtschaft investieren wollen, liebe Leser, dann gehen sie nach Asien. Aber behalten sie den Hut auf. Die Gegend ist sehr windig, es gibt viele Auf- und Abschwünge.
Im Vergleich dazu erlebt Amerika einen Verfall. Die Löhne steigen in China jährlich um 10 Prozent; in Amerika stagnieren sie. Neue Fabriken, Flughäfen, Autobahnen, Bürotürme und Einkaufszentren werden überall in China errichtet; in Amerika geht es nur im Bereich des Wohnungsbaus – bei einem Konsumgut – aufwärts. Die Chinesen studieren Mathe und Ingenieurswissenschaften; die Amerikaner studieren Gender-Studies und Wirtschaft.
Aber das soll jetzt nicht heißen, dass man in Amerika nicht gut leben und viel Geld verdienen könnte – wenn auch das Imperium seinen Höhepunkt schon hinter sich hat. Kein Land, in dem es Kabelfernsehen gibt, hat je eine gewaltsame Revolution erlebt. Und keine Wirtschaft mit Krediten, bei denen man nur die Zinsen zahlt, hat je eine Depression erlebt. Es gibt also nichts, weswegen man sich sorgen müsste. Abgesehen davon erklärt Ramsey Macmullens Studie über den Untergang Roms, dass der Prozess sehr unterschiedlich verlief und sehr lange währte. Einige Gegenden des römischen Heimatlandes blühten noch 100 Jahre, nachdem die Macht des Imperiums schon lange nicht mehr bestand. Den meisten Menschen war nicht bewusst, dass Rom im Begriff war, unterzugehen. Die Dinge hatten sich geändert. Manche waren reich geworden, andere arm. Einige lebten zufrieden, andere litten. Erst vor kurzem haben die Leute angefangen, sich den gesamten Prozess einmal genauer anzusehen und die sich abzeichnenden Muster unter dem Titel "Der Untergang des römischen Reiches" zu beschreiben. Dennoch, die Hauspreise in Rom werden deutlich in den Keller gegangen sein, als Alarich mit einer Horde von Barbaren vor den Toren auftauchte.
In Amerika steigt die Zahl der Investorenclubs immer weiter an. 2002 gab es 44, schreibt USA Today. Heute gibt es 177. Und nicht ein einziges Mitglied dieser Vereine scheint mit Barbaren vor den Toren zu rechnen. Ich auch nicht. Aber ich bin bereit, darauf zu wetten, dass die Immobilieninvestoren die Möglichkeit eines anderen "Fat-Tail"-Ereignisses, das den Wert von Eigentum senken könnte, unterbewerten.
"Fat Tails sind sehr unwahrscheinliche Ereignisse", erklärte mein Kollege Dan Denning mir vor kurzem, "es sind aber auch Ereignisse, die sehr großen Schaden anrichten. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass unser Haus abbrennt. Aber die Folgen wären so schrecklich, dass man dennoch vorsorgt."
Was könnte dazu führen, dass die Immobilienpreise in Amerika fallen? Eine Rezession.
Die Anleihen steigen. Rohstoffe sind gefallen. Die Ertragskurve glättet sich. Die Erträge aus Schatzanleihen scheinen bald auf unter vier Prozent zu fallen ... genau zu dem Zeitpunkt, zu dem Alan Greenspan die kurzfristigen Zinssätze anhebt. Auch Gold ist unter meinen Zielkaufpreis gefallen. Der Dollar ist gestärkt. Alle diese Dinge sind Anzeichen für einen Abschwung der Wirtschaft. Es sind Anzeichen einer konjunkturellen Abschwungphase, nicht für eine Ankurbelung der Wirtschaft.
Eine Rezession ist kein Fat-Tail-Ereignis. Rezessionen ereignen sich ziemlich regelmäßig. Aber die Zentralbank unter Greenspan hat die möglichen Folgen einer Rezession sehr viel gefährlicher werden lassen. Dadurch, dass sie den Grad der privaten Verschuldung haben ansteigen lassen und die Immobilienblase auslösten, werden die durch die Rezession entstehenden Kosten wesentlich höher ausfallen. Immer mehr Menschen werden deutlich weniger ausgeben als üblich. Kaufverträge werden rückgängig gemacht. Hypotheken werden nicht zurückgezahlt. Die Folge könnte sein, dass sich eine normale Rezession zu einer Fat-Tail-Kreditimplosion auswächst.
Oder zu einem Abschwung im Stile Japans.
Diejenigen, die schon lange unter diesem Newletter leiden, werden feststellen, dass dies die gleiche Vorhersage ist, die ich schon seit einigen Jahren mache. Ich halte auch weiterhin an dieser Vorhersage fest – bis sie sich bewahrheitet hat ... oder bis die Leute anfangen, über mich zu lachen.