Schlechte Überraschung bei Incity AG
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 17. Juni 2010, 17:00 Uhr
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falls Sie das Glück haben, eher in den nördlichen Regionen oder der Mitte Deutschlands zu leben, dann konnten Sie in den vergangenen Tagen hoffentlich die steile Vorlage der Kombination aus erholter Börse, spannender Fußball WM und passablem Sommerwetter nutzen. Offenbar macht es die Börse nun ähnlich wie die vorab gescholtene deutsche Fußball Nationalmannschaft und überrascht die Kritiker positiv. Dann muss sich „nur" noch unsere Regierung am Riemen reißen, etwas weniger desolat auftreten, die Streitereien beenden und vielleicht sogar ein klein wenig regieren - und wir könnten einen tollen Sommer erleben.
Gemischte Konjunktursignale
Seit ein paar Tagen beweisen die internationalen Indizes wieder ihren zyklischen Character - diesmal auf der positiven Seite.
Während die vergangene Woche noch stark unter dem Einfluss des schwachen US-Arbeitsmarktberichts stand, besinnen sich die Börsianer nun darauf, dass der Arbeitsmarkt ein klassischer nachlaufender Indikator ist und es wichtigere Signale der Konjunktur gibt. Z.B. die positiven Frühindikatoren und das am Freitag veröffentlichte gestiegene Vertrauen der US-Konsumenten, ebenfalls die positiven Lagerdaten. Dem standen allerdings die gesunkenen und sehr wichtigen Umsätze des US-Einzelhandels gegenüber und auch ein neuer Rekord bei den Zwangsversteigerungen von amerikanischen Immobilien. Nach wie vor kann also keine Rede sein von einer nachhaltigen Erholung auf dem Häusermarkt. Da aber die Börse bekanntlich nicht die Gegenwart sondern die Zukunft spiegelt, bleibt die Frage bestehen, ob in den vergangenen Wochen wirklich „nur" die altbekannte Schuldenkrise die Indizes unter Druck gesetzt hat. Oder gibt es noch andere Probleme, welche erst in wenigen Tagen oder gar Wochen ihren Weg in die Massenmedien finden werden? Da sich alle Themen, die eine gewisse Zeit in den Medien diskutiert werden, für die smarten Investoren schnell abnutzen und die Kurse kaum noch beeinflussen, kann man davon ausgehen, dass neue Themen die Bären beflügelt haben. Ich tippe darauf, dass die Sorge um den früher als ursprünglich geplanten Beginn einer strafferen Notenbankpolitik den Bullen den Appetit auf neue Positionen verdorben hat. Immer mehr Marktbeobachter und Analysten gehen mittlerweile davon aus, dass die Notenbanken diskret über eine Neugestaltung der brisanten Geldpolitik nachdenken, bzw. die Zinsen früher als geplant wieder anheben könnten. Dazu gesellte sich neben der Euro-Krise dann auch noch die Angst um die Konjunkturbremse der international aufgelegten Sparpakete. Nun springen auch die an ihrem BIP gemessen extrem hoch verschuldeten Japaner auf den Sparzug auf. Immerhin haben die Zentralbanken von Australien, Norwegen, Indien, Indonesien, Brasilien und natürlich China bereits an der Zinsschraube gedreht. Dies sollte angesichts der aktuellen „Null-Zins-Politik" keinen Bullen besonders überraschen oder ängstigen. Immerhin ist die Konjunktur, von den nationalen Hilfspaketen und Wahlkampfgeschenken befeuert, stärker angesprungen als erhofft - ebenso die Aktienkurse. Sorgen bereitet ebenfalls der schwelende Krach in den zuständigen Gremien der Geldpolitik der USA und Europa.
Chaos bei Incity
Bei der Incity AG, über die ich hier bereits berichtet habe, will momentan offenbar keine Ruhe einkehren. Dies ist sogar eine beschönigende Formulierung, denn eigentlich haben die Kölner ordentlich Feuer unter dem Dach.
Im Frühjahr beherrschte das Hick-Hack um den Streit der Berechtigung einer Darlehensforderung das öffentliche Bild der Firma, die in ihrem Kerngeschäft nach wie vor einen guten Job macht. Damals wurde eine Forderung erst vehement abgestritten und der Gang vor den Kadi angekündigt. Dann aber änderte der Vorstand blitzschnell seine Meinung und beglich die plötzlich als korrekt eingestufte Forderung. Nun meldete die Firma am vergangenen Freitag Nachmittag, dass erstens der Firmengründer und Vorstandschef zurücktritt und obendrein eine Kapitalerhöhung angestrebt werde. Die Kapitalerhöhung alleine wäre vor dem Hintergrund der beschriebenen Darlehensforderung bei einer gleichzeitig guten Kommunikationspolitik für den Aktienkurs noch verkraftbar gewesen. Aber der Rückzug des Vorstands bei gleichzeitigem Revirement im Aufsichtsrat und Verschiebung der Hauptversammlung war zu viel. Leider mangelt es der Incity AG nach wie vor an der geforderten Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und an allgemeiner Management-Qualität. Meiner Meinung ist es problematisch zu verkündigen, man werde die gegenwärtige Situation des Unternehmens stabilisieren und eine Kapitalerhöhung durchführen, gleichzeitig aber die Hauptversammlung verschieben. Eine weitere Ungereimtheit bleibt für mich, warum in einer schwierigen Situation der Vorstand und der Aufsichtsrat verkleinert wird, obwohl man doch die Organe an die operativen Chancen anpassen will. Man darf bei Incity über die Kursentwicklung und den Erfolg der anstehenden Kapitalerhöhung gespannt bleiben. Wenn Sie Ihr persönliches Risiko bei der Auswahl von Nebenwerten senken wollen, empfehle ich Ihnen den Bezug des NebenwerteInsider.
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