Schlechte Ratschläge - Teil 2
Alex Green (aus dem Amerikanischen übersetzt Silke Roth) in Investoren Wissen
vom 16. Oktober 2008, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
Der durchschnittliche Bärenmarkt dauert 18 Monate und bedeutet einen Einbruch um 30 %. Die Spitze des Marktes war vor 11 Jahren und der Bärenmarkt ist vermutlich noch nicht vorbei, aber wahrscheinlich ist das Schlimmste rum..
Andererseits könnte diese Abwärtsbewegung schlimmer sein als es durchschnittlich der Fall war, sie könnte länger anhalten und unter die 30 % sinken.
Aber die Geschichte beweist : nach jedem Bärenmarkt kommt ein Bullenmarkt.
Leute, die jetzt in Panik geraten und am sleeping point" (der Punkt an dem man nur noch besser schlafen möchte) verkaufen, werden ihre Entscheidung sehr wahrscheinlich bereuen, wenn sich die Aktien erholen. Denken Sie darüber nach!.
"Aber dieses Mal könnte es was ganz Großes sein," sagen die Ängstlichen, es könnte The Greater Depression" (die noch größere Depression) sein."
Vermutlich nicht, während der Depression waren wir auf Goldstandard und die Regierung hatte weniger Möglichkeiten, dabei zu helfen, den Markt zu stabilisieren und die Wirtschaft anzukurbeln. (Und was die Regierung in den 30er Jahren tat, machte die Sache nur noch schlimmer - Steuern erhöhen und protektive Gesetzte.)
Im Oktober 1929 brach der Aktienmarkt zusammen und erholte sich erst wieder ab dem 8.Juli 1932. Damals brach der Marktwert der größten Unternehmen des Landes um 89 % ein. Tausende, die mit geliehenem Geld Aktien gekauft hatten, gingen bankrott.
Trotzdem, wie ich in meinem letzten Buch schrieb, hätte ich kontinuierlich einen bestimmten Betrag monatlich in Aktien gesteckt, beginnend im August 1929 - der Spitze des Marktes vor dem Zusammenbruch 1929 und der folgenden Großen Depression - hätte ich innerhalb von vier Jahren mehr Gewinn gemacht als ein Investor, der T-Bills mit dem gleichen Betrag gekauft hat.
Tatsächlich...nach nur vier Jahren in einem Zeitraum mit der schlechtesten Marktperformance in der amerikanischen Geschichte.
Einige werden meinen, es handele sich um einen Zufallstreffer. Also sehen wir uns ein anderes extremes Szenario an: Deutschland und Japan nach dem Zeiten Weltkrieg. Dr. Jeremy Siegel von der Wharton School schreibt::
"In den 12 Jahren von 1948 bis 1960 stiegen die Aktien um über 30 % jährlich. Tatsächlich glich der Gewinn bei deutschen Aktien von 1939, als Deutschland in Polen einfiel, bis 1960 dem amerikanischer Aktien und übersteige sogar jenen englischer Aktien. Trotz der vollständigen Zerstörung Deutschlands durch den Krieg konnte der langfristig orientierte Investor im unterlegenen Deutschland ebensolche Gewinne machen wie bei den Siegermächten Großbritannien und Vereinigte Staaten. Diese Daten bestätigen die Stärke der Aktien angesichts des destruktiven politischen, sozialen und ökonomischen Wandels."
Für Japan ergab sich ein ähnliches Bild. Ende 1945 lagen um 30 % unter dem Niveau vor der Kapitulation, aber in den nächsten 40 Jahren performte der japanische Markt den Amerikanischen mehr als 20mal aus.
Oft ist der allerbeste Zeitraum für die Börsenperformance, während ein negatives Sentiment und hohe Volatilität herrschen. Tatsächlich begann der beste fünf-Jahres-Gewinn in den USA im Mai 1932 - mitten in der großen Depression - als die Aktien einen Gewinn von 367% vorwiesen. Der nächste beste fünf-Jahres-Zeitraum begann im Juli 1982 und folgte einer der schlimmsten Rezessionen der Nachkriegszeit.
Was lernen wir daraus? Langfristig gesehen haben die Aktien kontinuierlich gute Gewinne geliefert, über Expansion, Rezession, Inflation, Deflation und Kriege hinweg.
Natürlich kann der Markt noch weiter runter gehen und dies kann länger andauern, als Sie denken, bevor ein signifikanter Aufwärtstrend erscheint. Aus diesem Grund sollten Sie nur jenes Geld in Aktien investieren, das Sie in den nächsten fünf Jahren nicht brauchen.
Aber für sicheres, langfristiges Geld müssen Sie einen signifikanten Anteil qualitativ hochwertiger Aktien in Ihrem Portfolio haben.
Ja, der Aktienmarkt ist Nerven aufreibend und unvorhersagbar - kurzfristig gesehen. Aber die Inflation macht Ihre zukünftigen finanziellen Bedürfnisse ebenso unvorhersagbar. Darum benötigen Sie Aktien, um die Gewinne zu generieren, die nur diese Anlageform liefern kann.
Also entspannen Sie sich, denken Sie langfristig und bleiben Sie bei Ihrem Plan. Unterdrücken Sie das Bedürfnis, Ihr Portfolio zu zerstückeln.
Oder die Schlange in der Ecke Ihrer Garage...
Viel Erfolg,
Alex