Schlechte Nachrichten und der Weg des größten Schmerzes
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 07. März 2008 18:00 Uhr
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Und da ist er wieder, der Weg des größten Schmerzes. Nein, Börse ist kein Kuscheltier, das man abends beruhigt mit ins Bettchen nehmen kann. Börse ist, wenn überhaupt, ein Raubtier, dass man niemals aus den Augen lassen darf, und dass sich immer wieder einen Weg suchen wird, jedem von uns auf die ein oder andere Art und Weise ein paar schmerzhafte Schrammen zuzuführen.
Sah es die Woche über noch so aus, als würde sich ein verlässlicher Boden bilden, wurde dieser gestern durch einen scharfen Kurseinbruch in den USA nach unten aufgelöst.
Was war geschehen
Ursache für den scharfen Einbruch gestern, waren folgende Nachrichten:
Die US-Hypothekenbank Thornburg Mortgage kann aufgrund der Krise der US-Immobilien- und Kreditmärkte einen Margin Call im Wert von 28 Millionen Dollar nicht mehr erfüllen. Dazu gesellte sich ein weiteres Kreditinstitut, Carlyle Capital, welches einen Margin Call in Höhe von 21,7 Mrd. Dollar nicht zahlen kann.
Als „Margin Call“ wird die Nachschusspflicht bezeichnet, die dann eintritt, wenn eine festgelegte Mindestdeckungshöhe einer großen Position aufgebraucht ist. Sprich, die zugrunde liegende Position ist derart deutlich ins Minus gerutscht, dass die Deckung nicht mehr ausreicht.
Zu diesen Nachrichten passte auf perfekte Art und Weise die Meldung, dass die Zwangsvollstreckungen in den USA auf Rekordhoch notieren.
Neu geschaffene Stellen deutlich unter den Erwartungen
Heute dann schockte der US-Arbeitsmarkt die Anleger:
Die Zahl der Beschäftigten (Nonfarm Payrolls) ist in den USA im Februar um 63.000 zurückgegangen! Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang um 5.000 neue Arbeitsplätze gerechnet. Zusätzlich wurde auch noch der Vormonatswert von zuvor -17.000 auf nun -22.000 Beschäftigte nach unten revidiert.
Das ist mal eben, das niedrigste Niveau seit 5 Jahren, das letzte Mal gab es im März 2003 einen derartigen Rückgang.
Was mich dabei etwas wundert ist, dass der Arbeitsmarkt normalerweise erst zeitversetzt zur Wirtschaft auf eine Abschwächung reagiert. Also im Prinzip muss sich die USA bereits in einer Rezession befinden. Natürlich ist die Definition, was eigentlich eine Rezession ist, umstritten. 2 Quartale in Folge negativen Wachstums hatten wir in den USA noch nicht. Aber diese Arbeitsmarkt-Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
Wobei, die Payrolls sind grundsätzlich sehr volatil, weswegen auch hier ein Blick auf den Viermonatsdurchschnitt bessere Ergebnisse erzielt.
Dieser sank im Mai 2001 zum ersten Mal unter die Null-Marke und erreichte erst im September 2003 wieder die Pluszone. Aktuell stehen wir bei 54.750 im Plus.
Viermonatsdurchschnitt fällt seit 2005
Schaut man sich den obigen Chart an, erkennt man, dass der Viermonatsurchschnitt bereits seit September 2005 zurückfällt. Die aktuellen Zahlen sind also insofern keine Überraschung. Sie setzen nur die bereits bestehende Tendenz fort.
Interessant ist, dass die Arbeitslosenquote trotzdem auf 4,8 % gesunken ist, nach 4,9 % zuvor. Das entsprechende Ministerium sagte dazu, dass dieser Rückgang mit einem Rückgang des Arbeitskräftepotentials um 450.000 zu tun hat.
Erholung oder nicht?
Der Markt erholte sich nach dem ersten Einbruch recht schnell. Es kann sein, dass die Amis lediglich die Kurslücke schließen wollten, die durch diese schlechte Nachricht in den Indizes entstanden ist.
Auf der anderen Seite haben die eigentlich bullishen Spekulanten nach den schlechten Nachrichten gestern vor diesen Zahlen verständlicherweise wenig Lust gezeigt, zu kaufen. Die Gefahr war einfach zu groß, dass die Zahlen enttäuschen.
Nachdem die Zahlen nun im Markt sind, kann es sein, dass die ersten Anleger auf die nächste US-Zinssitzung am 18. März spekulieren. Wenn sich also die Kurse im weiteren Handelsverlauf in den USA stabil im Plus halten und diese Stimmung sich am Montag auch noch fortsetzen sollten, könnten wir für die nächsten 2-3 Wochen die Tiefs gesehen haben - das muss man abwarten, jetzt ist eine Prognose noch zu früh.
Viele Grüße
Jochen Steffens
P.S. Ich habe von Ihnen eine große Anzahl von Mails zu dem gestrigen Thema „Agrarrohstoffe“ erhalten. Darunter viele interessante Anregungen. Dafür möchte ich mich bedanken. Ich überlege, ob ich nicht am Montag / Dienstag einige zusammenstelle und Ihnen (natürlich ohne Namen, sprich nur mit Kürzel) vorstelle.
