Schlechte Aussichten für den Ruhestand
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 13. August 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Eine Korrektur entspricht immer der vorangegangenen Täuschung mit umgekehrtem Vorzeichen. Das dürfen Sie gerne zitieren, liebe Leser.
Eine Korrektur ist auch immer deflationär. Wahnvorstellungen und Hoffnungen treiben die Preise der Anlagewerte nach oben. Die Wahrheit und die Verzweiflung ziehen sie wieder nach unten. Und die jüngsten Zahlen zeigen, dass die Geldmenge M2 nicht weiter steigt. Natürlich versuchen die Regierungsvertreter verzweifelt, die Geldmenge mit Finanzspritzen und Steuernachlässen zu erhöhen. Aber die Banker haben Angst bekommen. Sie haben etwas hartes Geld in die Finger bekommen... und sie wollen so lange sie können daran festhalten. Sie gehen davon aus, dass sie es brauchen werden.
Das ist das Phänomen, dass Keynes als an den richtigen Fäden drücken" bezeichnet. Die Verantwortlichen drücken. Aber die Fäden geben nach.
Es sind natürlich nicht nur die Banker. Vergessen Sie nicht, dass Banker sich verhalten wie die kleinen Investoren - und Haushaltsvorstände. Und gerade im Moment fühlen sie sich etwas unter Druck und sie suchen nach dem Kleingeld unter dem Sofakissen.
Die Arbeitslosenzahlen steigen. Es wird damit gerechnet, dass sie vor Ende des Jahres noch die 6% erreicht haben werden. Bei der letzten großen Rezession in den frühen Neunzigern erreichten die Arbeitslosenzahlen 7,8%. Sie können auch heute ganz leicht die 7% oder 8% erreichen oder noch höher steigen.
Die Kombination aus fallenden Beschäftigungszahlen (inklusive Überstunden und so weiter) und fallenden Immobilienpreisen macht es fast unmöglich für die Verbraucher auch weiterhin auf die Weise zu konsumieren, an die sie sich gewöhnt haben. Ich verfolgte die Zahlen des Einzelhandels ganz genau, um Beweise zu finden. Aus weiter Entfernung zeigen die Zahlen ein geringes Nachlassen der Verbraucherausgaben. Aber wenn man genauer hinsieht, dann wird das Bild interessanter.
Die Verbraucherausgaben sind beispielsweise auch im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Aber es gibt drei wichtige Nuancen:
Zum einen stammt ein großer Teil der Verbraucherausgaben nicht mehr von den Verbrauchern. Es ist die Regierung, die die Ausgaben leistet. Die Regierungsvertreter treten an den Verkaufstresen und versuchen die schwächer werdenden Verbraucherausgaben auszugleichen. (Sie wissen nicht, dass sie das tun... sie tun einfach nur das, was ihnen in den Sinn kommt.) Die Ausgaben der Bundesregierung sind im vergangenen Quartal effektiv um 6,7% gestiegen, während der private Konsum um nur 1,5% gestiegen ist.
Zum anderen kommen die Verbraucherausgaben noch nicht einmal den Verbrauchereinkommen hinterher. Die Regierung hat Milliarden in Steuernachlässen gewährt, die das Einkommen um 4% nach oben getrieben haben - um mehr als das Doppelte des Wertes, um den die Ausgaben gestiegen sind. Und das sagt uns, dass die Verbraucher versuchen, sich einzuschränken.
Doch zum Dritten fällt es ihnen besonders schwer, sich einzuschränken, weil die Preise immer noch steigen. Und das ist die wahre Schwierigkeit. Es ist eine deflationäre Korrektur - das sehe ich deutlich durch mein Fernglas. Aber die Verbraucherpreise steigen auch. Im Juni sind die Verbraucherpreise um 0,8% gestiegen. Das scheint nicht wie viel zu sein, doch multipliziert man das mit 12 und man hat schon bald eine Jahresrate von 10%. Die Preise für den Grundbedarf - Lebensmittel und Brennstoffe - sind um so viel gestiegen, dass die Verbraucher ihr gesamtes Geld ausgeben müssen, nur um hinterher zu kommen. Die groben Zahlen zeigen, dass die Verbraucherausgaben steigen... aber die Verbraucher konsumieren in Wirklichkeit weniger. Sie gehen weniger aus essen - also machen die Restaurants pleite. Sie kaufen weniger - also hat der Einzelhandel Kummer. Und sie fahren weniger Auto - also gehen die Benzinverkäufe, in Gallonen, zurück.
Und haben Sie Mitleid mit den Baby-Boomern! Sie haben ihr gesamtes Leben in einem Honigtopf gelebt. Geld sparen? Warum sollte man sich die Mühe machen zu sparen. Ach was, wir leben lieber heute! Die Wirtschaft hat immer expandiert... sie wurden immer reicher... es gab viele Stellen... und genauso auch Kreditkarten. Jetzt jedoch wendet sich das Schicksal gegen die Baby-Boomer. Und weil die armen Boomer sich nie die Mühe gemacht haben, Geld zu sparen - und weil ihre Häuser an Wert verlieren - blicken sie nun einem Ruhestand entgegen, bei dem sie kein Geld in den Taschen haben und auch keine Möglichkeit, mehr Geld zu bekommen.
Und jetzt würden sie selbst dann, wenn sie Geld sparten, einen Tritt in den Allerwertesten bekommen. Die Zinssätze sind so gering, sie verdienen fast nichts.
Was können die armen Babyboomer noch tun? Kürzer treten und das schnell...