Schlaflose Nächte
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 10. Februar 2006 18:00 Uhr
ENL5454
Rekordverkaufszahlen bei Schlaftabletten, lautet eine Schlagzeile der NY Times.
Ich habe zuletzt oft geschrieben, dass ich mir große Sorgen mache, weil ich der einzige bin, der sich Sorgen macht. Jetzt sieht es so aus, als würden andere meine Sorgen teilen. Immer mehr wälzen sich unruhig in der Nacht hin und her. Sie werden von unterschiedlichsten, finanziellen Alpträumen geplagt.
Ich mache mir nur zum Spaß Sorgen und weil es Geld bringt, andere haben bessere Gründe: Sie machen Pleite. Das weiß ich natürlich nicht sicher. Ich weiß auch nicht, was morgen kommt. Denn so wie es aussieht, werden sie wirklich reich, indem sie ihre Häuser belasten und bei Wal-Mart arbeiten. Und zu guter Letzt kann ich die Zeitungen von heute auch nicht eher lesen als alle anderen.
Doch zuletzt machte ich eine Ausnahme: '"Boom bei den Pleiten', ist die Nachricht auf dem Titel des Moneymagazines von Morgen," schrieb ich. Das konnte ich deswegen sagen, weil ich es selbst geschrieben habe.
MoneyWeek ist ein Magazin mit Sitz in London. Der Herausgeber war in dieser Woche nicht im Lande, so habe ich angeboten, einzuspringen und versprochen die Qualität des Blattes nicht zu mindern. Die Titelstory handelt von Schulden oder, genauer, von den Folgen der Schulden.
Ich mache hier eine Pause, um kurz nach meinen fünf großen 'E's zu sehen. Darunter finde ich das weltweite Experiment mit Papierwährungen. Das Projekt hatte 1971 noch nicht einmal richtig angefangen, da sah es schon so aus, als würde es auch bald vorbei sein. Zur Hälfte des Jahrzehnts waren die Verbraucherpreise in die Höhe geschossen. "Inflation" stand fast in jeder Schlagzeile. Ich erinnere mich noch, dass Freunde Pennys horteten, wegen des Kupfergehalts. Silber-Dimes waren viel wert. Verzweifelt tat Präsident Nixon etwas so langweiliges und dummes, dass man es schon seit den Tagen von Diocletian nicht mehr gesehen hatte – er führte Lohn- und Preiskontrollen ein. Das hat die Sache natürlich nur noch schlimmer gemacht.
Am Ende brauchte es Paul Volcker, der eingeschritten ist und wieder Ordnung bei der Fed einführte. In seine Fußstapfen trat der eben erst in den Ruhestand gegangene, geliebte und noch nicht vergessene Alan Greenspan. Wie ein Segler auf Landgang, der sich in den Harem des Sultans verirrt, so fand sich auch Greenspan im Paradies wieder. Er blickt nach links, er blickt nach rechts. Überall wird ihm der Mund wässrig: fallende Inflationsraten, fallende Zinssätze, und steigende Aktienkurse und Anleihenpreise. Unglaublich. Gold war schwach und sank im Preis, aber seine eigene Währung, die absolut experimentelle Papierwährung, wuchs mit jedem Moment der verstrich. Der Dollar stieg.
Solange er oben blieb, ging es dem Vorsitzenden der Fed gut. Er musste sich nur nicht erwischen lassen. Er konnte so viel Geld in den Umlauf bringen, wie er wollte. Andere Nationen mussten ihm folgen. Sie mussten sich entweder anpassen oder ihre eigenen Währungen würden zu teuer werden und die Exportindustrien müssten darunter leiden.
Und so fand sich die gesamte Welt in einem großen Experiment wieder und alle hatten eine gute Zeit.
Ich habe das nicht überprüft, wäre aber auch nicht überrascht, wenn sich Schlaftabletten auch hier in England gut verkauften. Gestern schrieben die Nachrichten von einer Rekordzahl an Pleiten. Die Zahl überstieg noch die 70.000 aus dem Vorjahr, von denen 45.000 ihren Konkurs unter einem neuen, sanfteren Gesetz anmeldeten.
"Die Schulden, die diesen neuen Boom füttern schwanken", schreibt Brian Durrant in MoneyWeek. "Britische Verbraucher nehmen EU-weit Zweidrittel der gesamten Kredite über Kreditkarten. Die noch offenen Haushaltsschulden haben einem Rekordwert von 1,13 Milliarden Pfund erreicht, deutlich mehr als 140 % des Jahreseinkommens nach der Steuer."
Durrant empfiehlt sogar Aktien von einem Unternehmen, dass Geld macht, indem es Leuten dabei hilft, Konkurs anzumelden. Ich dachte, das täten eigentlich alle Finanzunternehmen, aber Durrant hat die Nase vorn. Er schaut sich nicht die Kreditgeber an, sondern die Unternehmen, die helfen, den Konkurs durch Reorganisation und Schuldumschreibungen zu verwalten.
Weswegen ich mich frage: Wer bezahlt eigentlich wirklich, wenn die Leute Pleite machen?
Ich denke, die verbreitete Vorstellung der Geldauslöschung ist ebenso kindisch wie die verbreitete Vorstellung der Geldschöpfung. "Leicht gewonnen, leicht zerronnen", Sicher, wenn die Fed Geld aus dünner Luft zaubern kann, dann kann ein Konkurs auch dazu beitragen, dass es sich wieder in dünne Luft auflöst, oder etwa nicht?
In Großbritannien, in Amerika und in weiten Teilen der Welt, werden Konkurse, Zwangsvollstreckungen, Beschlagnahmungen und Schuldumschreibungen wohl zunehmen. Aber wohin geht das Geld? Geht es in den Geldhimmel? Wird es einfach von den Bilanzbögen gestrichen, so leicht, wie man es auch einmal dort hingeschrieben hat? Wenn ich eine Million Dollar hätte und sie an die Bundesregierung verleihen würde (Indem ich Schatzanleihen kaufte), dann wäre ich immer noch Millionär. Aber wenn das Verteidigungsministerium dieses Geld an jemanden gibt, der Rat anbietet, wie man Leute tötet, dann gibt es auf der Welt plötzlich zwei Millionäre. Und dann kauft sich der Typ ein Haus für zwei Millionen und nimmt eine Hypothek über eine Million auf. Jetzt hat auch der Typ, der das Haus verkauft hat, mehr Geld. (Er hat es für nur eine Million gekauft.) Und sie fangen alle an, mit dem Geld um sich zu werfen. Anfangs gab es nur einen Typen, der eine Million hatte. Jetzt gibt es drei Millionäre, mindestens, und sie geben ihr Geld rasend schnell aus.
Gibt es da ein Ende? Und was passiert, wenn der eine seinen Job als Berater verliert und seine Hypothek nicht mehr zahlen kann? Was passiert, wenn sein Vermögenswert – das Haus – an Wert verliert? Wird die unbezahlte Hypothek sich dann einfach in Luft auflösen, ohne dass es jemandem weh täte?
Das werden wir bald herausfinden.