Scheuen die Indizes den Frühling?
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 3. Mai 2010, 17:00 Uhr
ENL5454
hoffentlich haben Sie ein angenehmes Feiertagswochenende verbracht, sich nicht zu viel über die drohende Vergeudung von Steuergeldern geärgert und sind nun bereit für den kritischen Börsenmonat Mai. Bestimmt werden wir in den kommenden Tagen heftig mit der reflexartigen Frage Sell in May and go away?" konfrontiert werden. Keine Angst, ich werde heute dieses Thema nur kurz streifen und mich darauf beschränken, was die Märkte in den kommenden Tagen erwarten könnte. Neben der Griechenland-Diskussion beschäftigt die Marktteilnehmer auch die Diskussion, welche Auswirkungen die Ermittlungen der SEC gegen Goldman Sachs für den ganzen Markt haben könnte und ob die jüngst mehrheitlich sehr guten Unternehmenszahlen gut genug sind, die bereits gestiegenen Kurse oben" zu halten. Da die Börse nach vorne und nicht nach hinten blickt, empfehle ich Ihnen auf alle Fälle, die Entwicklung der chinesischen Indizes im Auge zu behalten. Der Shanghai Composite sieht mehr als angeschlagen aus und hat dieses Jahr bereits mehr 10 Prozent verloren. Verantwortlich dafür sind die wiederholten Bremsmanöver der chinesischen Notenbank, die auch am vergangenen Wochenende zum dritten Male in diesem Jahr die Geldpolitik straffte und die Mindestreservesätze der Geschäftsbanken erhöhte. Die Geschäftsbanken der Volksrepublik müssen ab dem 10. Mai eine um 0,5 Prozentpunkte höhere Mindesteinlage bei der Notenbank halten. Die Banken müssen nun mehr Geld bei der Zentralbank parken und können damit weniger Kredite vergeben, was wiederum die Investitionen dämpft. Sehr auffällig bleibt auf jeden Fall die weltweit bessere Entwicklung der Nebenwerte gegenüber den großen Indizes. Der DAX z.B. verlor in der vergangenen Woche mehr als doppelt so stark wie MDAX und SDAX, was natürlich aber auch an den hochgewichteten Bank-und Versicherungstiteln in den etablierten Indizes liegt.
Is America really back?
Vor allem aber bereitete mir dieses Titelblatt der Newsweek" von vor knapp zwei Wochen einige Sorgen, aber natürlich auch ein kleines Schmunzeln, weshalb ich es Ihnen auf keinen Fall vorenthalten will. Ich habe leider keine verlässlichen Zahlen darüber, ob in der Vergangenheit das Nachrichtenmagazin Newsweek ein ähnlich guter Kontra-Indikator wie unsere heimische Bildzeitung war. Die vergangen Tage waren aber auf alle Fälle verheißungsvoll.
Börse und saisonale Zyklik
Historisch betrachtet zählt der Mai zu den schlechtesten Börsenmonaten. Nur der September weist eine statistisch schlechtere Performance auf. Trotzdem scheint sich das Totschlag-Argument Sell in May..." in der jüngeren Vergangenheit stark abgeschwächt zu haben. Denn in den Jahren seit 1990 setzte der Dax im Mai und Juni häufig die im Frühjahr begonnene Aufwärtsbewegung fort, eine Konsolidierung setzte erst später im Sommer ein. Gegen einen schnellen Abverkauf an den Märkten spricht meiner Meinung nach die noch sehr hohe Liquidität und die überraschend positive Konjunkturentwicklung. Ebenfalls fürchten sich immer mehr Marktteilnehmer vor einer Blase am Bondmarkt und setzen lieber auch Sachwerte wie Aktien. Auch Unternehmensanleihen sind mittlerweile ausgereizt. Aktuell notieren kurzfristige Firmenanleihen höher als kurzfristige Staatsanaleihen. Unternehmen können sich dadurch günstiger als Staaten mit AAA-Rating refinanzieren, was in normalen" Zeiten ein Ding der Unmöglichkeit ist. Zu diesen Risiken gesellen sich noch die psychologischen Bremsklötze jetzt am Ende der Quartalssaison. Denn viele Ergebnisse waren bedingt durch harte Kosteneinsparungen so gut, dass Steigerungen nur schwer möglich sind. Auch für die Umfrageindikatoren wie ISM und ZEW wird die Luft nach oben langsam dünner. Eigentlich bleibt es daher wie immer: Bullen und Bären haben ähnlich gute Argumente und ich verlasse mich daher vor allem auf das Ergebnis des Kampfes zwischen Angebot und Nachfrage.