Schein-Erholung
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 3. November 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
In der letzten Oktober-Woche legte der deutsche Leitindex 800 Punkte zu. Beinahe bis auf 5000 Punkte ging die Klettertour am Freitag.
Auf dem ersten Blick erstaunt es schon, dass nach dem freien Fall der Vorwochen eine solche Schein-Erholung stattfinden konnte. Auch jenseits des Atlantiks feierten die Anleger die beste Handelswoche seit 25 Jahren mit einem Plus beim Dow Jones Index von sage und schreibe 1000 Punkten.
Schwarzer Oktober
Nichtsdestotrotz ist aber Fakt, dass der Monat Oktober als schwarzer in die Börsengeschichte eingehen wird. Seit 21 Jahren gab es keinen solch schlechten Börsenmonat. In den USA verloren Dow Jones, S&P500 bzw. Nasdaq zwischen 15 und 18 Prozent. In Deutschland büsste der Leitindex 17 Prozent. M-Dax und Tec-Dax verloren rund ein Viertel an Wert.
Kurzfristige Kursimpulse
Generell ist es nicht ausgeschlossen, dass extrem kurzfristig die trügerische Erholung durchaus noch etwas anhalten kann. Neben den diversen Konjunkturstützungs-Maßnahmen der Regierungen könnte durchaus Zinssenkungsphantasie die Märkte beflügeln. Insofern ist ja nächste Woche die EZB an der Reihe.
Realwirtschaftliche Hiobsbotschaften
Am Ende des Tages bleibt aber sehr fraglich, wie lang der Bullen-Ritt auf der Rasierklinge anhalten kann und wird. Bereits am kommenden Freitag stehen die aktuellen Oktober-Daten vom US-Arbeitsmarkt zur Veröffentlichung an. Insofern dürften negative Überraschungen aus diesem Bereich sicherlich nicht kurs-stützend wirken. Vorsichtig formuliert. Momentan scheint das Thema Kapitulation des US-Verbrauchers" ja ohnehin etwas in den Hintergrund getreten zu sein, obwohl im dritten Quartal die Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern um sage und schreibe ein Siebtel wegbrach.
Last des Schuldenkollapses
Trotz aller staatlicher Eingriffe und Rettungsbemühungen bleibt das Umfeld nach wie vor das eines deflationär wirkenden Schuldenkollapses. Sicherlich werden die Regierungen ohne Rücksichtnahme auf irgendwelche Stabilitätskriterien die Haushaltsdefizite weiter ausweiten. Beim US-Staatshaushalt spricht man bisweilen schon vom Billionen-Loch. Es gibt gerade mittel- bis langfristig keinen Grund zur Annahme, dass die Notenbanken am Ende des Tages nicht hemmungslos die Gelddruckmaschine einsetzen werden und die Staatsdefizite direkt finanzieren.
Gold in Warteschleife
Das rücksichtslose Anwerfen der Druckerpressen wird mittel- bis langfristig auch den Goldpreis beflügeln. Gegenwärtig leidet er aber ebenfalls an tendenziell deflationär wirkenden Auflösungserscheinungen bei Hedge-Fonds-Branche bzw. institutionellen Anlegern. Insofern verwundert es nicht, dass der Goldpreis aktuell seitwärts tendiert bzw. leicht rückläufig ist.
Möglicherweise zahlt sich in den nächsten Wochen die Geduld ja tatsächlich aus, und ein Schnäppchenkauf um 650 Dollar die Feinunze gelingt.
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