Scheiden tut weh: Zum Rücktritt von Christian Wulff

in Insider Daily
vom


es ist kein Abgang nach Maß. Christian Wulff hat sich wie kein anderer an sein Amt geklammert und muss es nach großem Ringen nun doch loslassen.

Nach 598 Tagen als erster Mann des deutschen Staates tritt der Bundespräsident von seinem Amt zurück. Doch er tut es nicht, ohne nochmals seine Unschuld zu beteuern. Ja mehr noch, er gibt die Schuld an seinem "Scheitern" der Presse. Schließlich habe er sich in seinen Ämtern "stets rechtlich korrekt verhalten". Zwar räumte er Fehler ein. "Aber ich war immer aufrichtig." Die Berichterstattung der vergangenen Wochen habe ihn und seine Frau "verletzt". Doch die nun eingeleiteten juristischen Ermittlungen gegen ihn würden schließlich zu einer "vollständigen Entlastung" führen, so die Prognose des "Gescheiterten".


Ich weiß, dass viele von meinen Lesern, mir vorwarfen, mich an der miesen Medien-Hetzjagd gegen den Bundespräsidenten zu beteiligen. Doch ich bleibe dabei: Christian Wulff hat sein Amt missbraucht, wenn auch nicht mit "betrügerischer Absicht" oder um sich einen "Vorteil zu verschaffen". ABER: Stellen Sie sich vor, ich würde Ihnen immer wieder die Aktien eines "aussichtsreichen Unternehmens" empfehlen und sie würden irgendwann herausfinden, dass der beste Freund meines Vaters dort im Aufsichtsrat sitzt. Dann würden Sie doch wohl auch von Missbrauch meiner Position sprechen, oder? Christian Wulff war unser Staatsoberhaupt und zuvor war er der Mann eines Bundeslandes. Und da muss man sich überlegen, was man an "freundlichem Benefiz" annimmt und was nicht.

Fakt ist natürlich: Die Medien haben sich in dem Fall Christian Wulff wie Vampire festgebissen. Und sie haben erreicht, dass die Staatsanwaltschaft auf den Plan tritt. Sie wird nun prüfen, was dran ist, an den Beschuldigungen. Ich hoffe für Christian Wulff, dass er recht behält und die Ermittlungen ihn vollständig entlasten. Doch er hat Recht und erhätte es schon viel früher erkennen müssen: Seine Wirkungsmöglichkeiten seien "nachhaltig beeinträchtigt". Der Bundespräsident müsse jedoch vom Vertrauen "nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürger" getragen werden. Und da dies nicht mehr gegeben ist, sehe er sich zum Rücktritt gezwungen.

Mit diesem doch sehr ernsten Thema muss ich Sie nun in das närrische Wochenende entlassen. Feiern Sie schön und genießen sie einmal uneingeschränkte Fröhlichkeit.

Herzliche Grüße

Cindy Bach

von
Cindy Ullmann
Cindy Ullmann

Cindy Ullmann nimmt regelmäßig Insidergeschäfte unter die Lupe. Sie stellt „Directors’ Dealings“ vor - zum Vorteil ihrer Leser.

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Kommentar von Kaiser

Die Hetzjagd ist zu Ende, wer regiert in Deutschland , die Presse, die wie Hyänen auf den Bundespräsidenten losgegangen sind, im speziellen 3 großen, die nun triumphierend die Fahne schwenken und auch verschiedene FS Sender , die immer und immer wieder die Story in aller epischer Breite zelebrierten, um die Bürger zu verunsichern, was das doch ein schlechter Bundespräsident ist. Ich hoffe nur, dass nun der Landesvater Beck und Özdemir auch dran sind, aber darüber wird geschwiegen. Die Presse schilderte Einzelheiten über ein Bobby Car- Schwachsinn , um den Bundespräsidenten zu kompromittieren, die Presse meint Richter spielen zu können, immer mit der Aussage, darauf hat die Öffentlichkeit einen Anspruch- sicherlich , damit die Presse Schlagzeigen und somit eine höhere Auflage verzeichnen kann. Schade um Deutschland, wenn es so weiter geht, das die Presse bestimmt , was passiert

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Kommentar von Stephan

Ein Trauerspiel, dass Sie sich an der Hetzjagd auf den Bundespraesidenten beteiligen - und ich kann nur sagen: Armes Deutschland. Ich bin froh, dieses Land endgueltig verlassen zu haben. Ein Land, in dem man es den Medien ermoeglicht, Politiker "hinzurichten" muss sich nicht wundern, dass es kein Talent mehr fuer die Politik findet. Und wenn dann nur noch die 2. oder 3. Garde das Land fuehrt, ist das der Anfang vom Ende.

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Kommentar von Gerold Kunz

Durch den Abgang/Begründung verschaffte er sich riesige Gelder für sein noch junges Altenteil. Seine Gelder würde ich complett streichen. Viele Grüße gerold Kunz

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Kommentar von Richard Madey

Sie haben recht, Sie haben sich an der miesen Medienhetzjagd beteiligt. Fairness scheint bei vielen Journalisten ein Fremdwort zu sein, was keinesfalls zu einer Wertschätzung beiträgt. Nun ist auch noch die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen worden. Was ist, wenn nichts Unrechtes gefunden wird, Vieles war lächerlich , z..B. die Übernahme vo Hotelkosten in Höhe von EUR 200,00, etc.

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Kommentar von Pinnow

Sehr geehrte Frau Bach, es ist wirklich besser, sie halten sich zurück in dieser Sache. Das Börsengeschehen zu bearbeiten ist besser und ich glaube, sie können dieses auch besser. Oder wackeln etwas die Börsen nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten?? Mit freundlichen Grüssen Herr Pinnow

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Kommentar von HansB

dieselbe Masche wie bei Sarrazin und zu Guttenberg. Und das alles unter dem Deckmantel der "Pressefreiheit". Sollen doch die Medien den nächsten Präsidenten stellen. Aber hinterher auch noch um Verständnis zu betteln.... Ganz, ganz schlechter Stil Frau Bach, um nicht zu sagen: Bildzeitungsniveau. Aber genau die hat den Stein ja auch ins rollen gebracht. Armes Deutschland...

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