Schaeffler/Conti – Conti/Schaeffler?

in Insider Daily
vom


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

erst kürzlich berichtete ich Ihnen von der "Blattwende" im großen Übernahmegerangel um VW und Porsche. Nun scheinen sich auch bei der "Monsterübernahme" von Schaeffler/Continental die Vorzeichen gedreht zu haben. Denn weil sich der "Kleine" am "Großen" verhoben hat, soll nun das einstige Übernahmeopfer Conti die aufgrund der Krise in Schieflage geratene Schaeffler Gruppe retten. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, die beiden Unternehmen könnten unter dem Dach von Conti fusionieren. Laut der Zeitung prüfen die Berater von Roland Berger derzeit im Auftrag des Gläubigerkonsortiums unter Führung der Commerzbank das Szenario.


"Takeover-Szenario" erfreut sich großer Anhängerschar

Es soll bereits einige Befürworter dieser Variante geben - darunter angeblich sogar Konzernerbin Maria-Elisabeth Schaeffler. Auch in der Politik gebe es breite Unterstützung für eine solche Lösung. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) beisipielsweise unterstützt laut "Handelsblatt" die Pläne für eine Integration der angeschlagenen Schaeffler-Gruppe in den Conti-Konzern. "Ich setze auf einen Technologiekonzern Conti-Schaeffler als zweitgrößtem Automobilzulieferer nach Bosch", sagte Wulff. Nach Einschätzung Wulffs wäre ein solcher Konzern international gut aufgestellt.

Auch die Akteure am Börsenparkett scheinen dieser Variante einiges zuzutrauen: Die Aktie des Autozulieferers Continental ging gestern nach den Spekulationen auf Höhenflug. Das Papier sprang im Feiertagshandel in der Spitze auf bis zu 24,78 Euro.

Aber nicht alles Gold, was hier glänzt

Trotzdem: Die Probleme des fusionierten Konzerns löst das alles nicht. Denn der von Schaeffler aufgehäufte Schuldenberg in zweistelliger Milliardenhöhe entschwindet nicht ohne weiteres, nur weil bald wieder Conti das Zepter in der Hand hält. Geschätzte 22 Mrd. Euro fehlen laut "Welt.de", und dem Autozulieferer droht die Zahlungsunfähigkeit. Und auch Conti ist hoch verschuldet. Den Banken drohen hohe Wertberichtigungen. Die Institute hofften nun laut Bericht, bei einer Fusion unter dem Dach von Conti allzu hohe Abschreibungen vermeiden zu können. Wer die Zügel da in der Hand hält, ist eigentlich fast schon egal, wenn man mit kaputten Bremsen direkt auf einen Abgrund zusteuert.

Ebenso wenig rettet dieser markante Tausch in der Führung irgendeinen der ohnehin bereits zum Abschuss freigegebenen 4.500 Jobs bei den Herzogenaurachern. Andererseits verhindert man dadurch vielleicht, dass es noch mehr werden. Die Branchenkrise hat die beiden Autozulieferer jedenfalls voll erwischt. Und man kann davon ausgehen, dass dieser für die Automobilzulieferer noch eine kleine Weile andauern wird.

Doch vielleicht schaffen es die beiden ja mit diesem sogenannten "Reverse Takeover", in naher Zukunft als gestärkter Technologiekonzern Conti-Schaeffler aus der Krise aufzusteigen, so wie es sich Herr Wulff wünscht. Ich wünsche es mir vor allem auch im Sinne der vielen Arbeitsplätze, die es hier zu retten gilt.

In diesem Sinne Ihnen allen ein schönes Wochenende.

Ihre

Cindy Bach

von
Cindy Ullmann
Cindy Ullmann

Cindy Ullmann nimmt regelmäßig Insidergeschäfte unter die Lupe. Sie stellt „Directors’ Dealings“ vor - zum Vorteil ihrer Leser.

Information zu alt? Chance verpasst? Geld verschenkt?
Der Börsenbrief von Cindy Bach: "Aktien-Monitor"


ähnliche Beiträge:

Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben