Schaden durch Hochmut
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 24. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Kein Mann hatte jemals Hochmut, der für ihn nicht schädlich gewesen wäre." Das ist ein Zitat von Ralph Waldo Emerson. Und am Ende des 20. Jahrhunderts war der Hochmut Amerikas so groß, dass er nur fallen konnte. Aber wie? Lassen Sie uns zurückblicken: Wir wissen, dass der Mensch rational ist, aber nicht immer und niemals vollständig. Seine wichtigsten Entscheidungen fällt er sogar mit wenig Vernunft. Er wählt seine Freunde, seine Karriere und seinen Lebensstil auf Basis dessen, was ihm gefällt, und das entscheidet sein Herz und nicht sein Kopf.
Und egal, wie vernünftig er sich selber einschätzt – von Zeit zu Zeit wird er von Emotionen davongetragen. In den Märkten wie bei der Politik ist er genauso oft ein Idiot, wie er es nicht ist. Getrieben von der Emotion, die ihn in diesem Moment gerade eingenommen hat – Furcht, Gier, leichtfertige Zuversicht, Ekel, der Wunsch nach Rache, Jovialität ... Aber die Märkte und die Politik sind sogar noch anfälliger für Delirien, weil sie aus großen Gruppen von Menschen bestehen. Und eine der großen Leistungen der modernen Technologie war es, dass sie diese Mobs größer als je zuvor gemacht hat.
Die Verrücktheit der Massen hat zwei wichtige Merkmale. Zunächst einmal kennen die Massen die Dinge nur in ihrer rohesten, einfachsten Form verstehen. Aber da die Wahrheit unendlich komplex ist, bedeutet das, dass das Denken der Massen immer auf einen Punkt reduziert wird, der mehr Lüge als Wahrheit ist. Zweitens kann ein Mensch alleine kaum großen Schaden anrichten – obwohl ihn genauso wie die Massen die Emotionen leiten. Aber ihm werden durch Familie, Freunde und die physischen Umstände Grenzen gesetzt. Eine Masse hingegen verstärkt ihre Emotionen und verunreinigt so ihre Ideen, so dass sich bald die gesamte Gemeinschaft auf dem Weg in die Hölle befindet.
Der besondere Weg in die Hölle, auf dem sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Amerikaner befanden, war ein Spiegelbild ihrer eigenen einzigartigen Situation. Ein halbes Jahrhundert wirtschaftlicher Fortschritt und ein 25 Jahre dauernder Bullenmarkt an den Börsen hatten sie dazu geführt, an Dinge zu glauben, die nicht stimmten, und Dinge zu erwarten, die sie wahrscheinlich nicht bekommen würden. Niemals in der Geschichte der Menschheit konnten die Leute dadurch reich werden, dass sie Geld ausgegeben haben ... und die Investmentmärkte haben den durchschnittlichen "Kaufen-und-Liegenlassen"-Investor auch noch nie richtig reich gemacht ... und Papiergeld, das nicht durch Gold gedeckt war, konnte noch nie sehr lange seinen Wert halten.
Allerdings schienen in den späten 1990ern diese Dinge nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Alles schien für Amerika gut zu laufen. Dann, plötzlich, mit Beginn des neuen Jahrtausends, schien alles gegen die Amerikaner zu laufen. Die Haushaltsüberschüsse verwandelten sich in die größten Defizite, die die Nation je gesehen hatte. Es wird geschätzt, dass das US-Haushaltsdefizit im Jahr 2013 die Marke von 3 Billionen US$ überschreiten könnte.
Das amerikanische Handelsbilanzdefizit war in den Boom-Jahren ein Anlass für Stolz; dieses Defizit hatte dazu geführt, dass sich Milliarden US$ in den Händen von Ausländern befanden, die dieses Geld wieder in amerikanischen Vermögensanlagen investierten. Aber 2003 war das Handelsbilanzdefizit eine Quelle der Peinlichkeit geworden, denn der US$ fiel und die Ausländer schienen immer weniger bereit zu sein, ihn zu akzeptieren. Die amerikanischen Konsumenten hatten in den späten 1990ern die gesamte Weltwirtschaft mit sich nach oben gezogen, aber Anfang des neuen Jahrtausends waren sie so mit Schulden beladen, dass sie sich kaum noch selber vorwärts schleppen konnten. Selbst die amerikanische signifikante Vormachtstellung im militärischen Bereich hatte sich in einen extrem teuren Kostenblick verwandelt, den sich die Steuerzahler der Nation kaum noch leisten konnten.
Mehr dazu demnächst im Investor's Daily!