Saure Gurken Zeit?
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 21. August 2008, 17:00 Uhr
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Liebe Leserinnen und Leser,
Obwohl wir uns noch mitten im Sommerloch" befinden, verläuft auch diese Börsenwoche wieder einmal mehr als turbulent. Wegen der extremen Tagesschwankungen und der hohen Nervosität an den Märkten war mein Hinweis, sich am besten mit einer Überdosis Olympia abzulenken, gar nicht mal so schlecht.
Die bereits in der vergangenen Ausgabe hier angesprochene Umwälzung der Rohstoffpreise ist weiter in vollem Gange, färbt aber weniger auf die Indizes ab, als es sich sowohl die Bullen als auch die Bären vorgestellt haben.
Obwohl sich die Ölmärkte weiter schwach präsentieren, kann der Aktienmarkt daraus nicht wie erwartet profitieren. Wahrscheinlich haben einfach zu viele Handelsteilnehmer darauf gesetzt. Und wie Sie wissen, bekommt an der Börse die breite Masse nie Recht.
Vielmehr steht die Woche mal wieder ganz im Zeichen der Finanzkrise und die Bären zeigen sich wieder angriffslustig.
Verstärkt wird der Abgabedruck von erneuten Spekulationen und Befürchtungen, die sich um eine bevorstehende Kapitalerhöhung bei den halbstaatlichen Hypo-thekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac ranken.
Dazu gesellten sich dann noch erneute Gerüchte um einen exorbitanten Fehlbetrag bei Lehman Brothers.
Dieser Cocktail an schlechten Nachrichten schickt momentan die Leitindizes in Richtung ihrer bisherigen Tiefs und lässt die Bären jubeln.
Aber zum Glück dürfen wir uns hier mit den kleinen und meist sehr interessanten Werten dieser Welt beschäftigen, die sich zeitweise stark vom Rest der großen Weltbühne abkoppeln können.Dies will ich mir heute zu Nutzen machen und über einen echten Krimi aus dem TECDAX berichten, der hier schon mal ein Thema war.
Ist der Ruf erst ruiniert.....
Ich rede von Wirecard, dem Anbieter für elektronische Zahlungssysteme und Risiko-Management-Systeme, die den Zahlungsausfall minimieren sollen.
Schade das Wirecard kein elektronisches System zur Erkennung von faulen Hypothekenkrediten und der Geldgier von Banken bietet, denn dann würde der Kurs heute um einiges besser da stehen...!
Aber auch so hat sich seit dem immensen Vertrauensverlust, der sich vor allem um einige umstrittene Bilanzansätze rankte, einiges verbessert.
Vor einigen Tagen schon hellte sich, entgegen den schwachen Gesamtmarkt, das Chartbild auf und es entwickelte sich eine schnelle und profitable V-Formation" im kurzfristigen Bereich. Alleine dies bewog mich dazu, heute etwas über den möglichen Ausgang des Krimis bei Wirecard zu schreiben.
Wie Sie sich vielleicht erinnern, verlor die Aktie binnen Tagen etwa die Hälfte des Börsenwerts, nachdem von verschiedenen Seiten Gerüchte über die Qualität und die Substanz der Bilanz gestreut wurden. Hedgefonds sprangen auf und tätigten Leerverkäufe in großem Stil. Aber von einer unerwarteten Seite bekam die Geschichte um den grassierenden Vertrauensverlust ein ganz besonderes Geschmäckle. Denn ein Vorstand der Schutzgemeinschaft" der Kleinaktionäre konnte höchstpersönlich den Hals nicht voll genug bekommen und verkaufte ebenfalls leer". Der Skandal war perfekt und das Blatt wendete sich wieder zu Gunsten der Aktionäre von Wirecard. Der Kurs erholte sich langsam und schaffte eine Bodenbildung.
Positive Zahlen erwartet
Heute kam die Erklärung für die Kurserholung, hinter der offenbar mehr steckt als nur das hektische Eindecken von shorts".
Das Beispiel Wirecard zeigt sehr anschaulich, dass die Börse eine Veranstaltung von und für Optimisten ist. Nur auf der Grundlage von solidem Vertrauen können sich Kurssteigerungen entwickeln. Das zerstörte Vertrauen bei Wirecard baute sich während der vergangenen Wochen langsam wieder auf und wurde am Mittwoch mit der Anhebung der Jahresprognose bestätigt. Statt eines Anstiegs des Gewinns vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 45 Prozent rechnet das Unternehmen nun mit einem Anstieg zwischen 45 bis 60 Prozent. Bei Marktteilnehmern stieß dies nach all den vorangegangenen Turbulenzen natürlich auf ein sehr positives Echo und bis zum Handelsschluß befestigte sich der Wert um 15 %.
Mich persönlich stimmt an der Prognose zuversichtlich, dass der freie Barmittelzufluß (Cash-Flow) von Wirecard im zweiten Quartal positiv war.
Diese Kennziffer ist für mich eine der wichtigsten, da sie nicht manipulierbar ist und etwas über die Stärke" eines Unternehmens aussagt, einen Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen.
Wichtig ist natürlich auch, dass der Skandal nicht das Vertrauen der Kunden erschüttert hat.
Insofern erwarte ich, dass die Zuversicht der Marktteilnehmer in Wirecard zunimmt und sich der Bewertungsabschlag verringert, d.h. weitere Börsianer zugreifen.
Da kann man nur hoffen, dass der optimistische Vorstand Recht behält mit der mutigen Prognose, dass sein Geschäftsfeld gegen den wirtschaftlichen Abschwung immun sei.