Santa Fe!

in Investors Daily
vom


von unserem Korrespondenten Bill Bonner, derzeit in Santa Fe

*** Ich war im Lauf der Jahrzehnte schon mehrfach in Santa Fe. Man sollte denken, dass ich die Stadt nun kennen würde. Aber es ist eine Stadt, die nie lange genug still steht, dass man sie völlig greifen kann.


Santa Fe war zu verschiedenen Zeiten Handelsposten, religiöses Zentrum, administratives Zentrum, eine Kunstkolonie und eine Kuh-Stadt des Wilden Westens. Jetzt ist es ein fast perfekter Ort für eine Midlife-Crisis.

In Santa Fed kann man sich ein neues Leben schaffen. Man kann seine Frau verlassen ... sich die Haare lang wachsen lassen ... sich einen Pickup-Wagen kaufen ... sich für Kunst interessieren ... oder für transzendentale Meditation ... man kann in einem brauen Hause leben, sich über Chilipfeffer informieren ... man kann "Dos Equis"-Bier trinken ... eine Saisonkarte für die Oper kaufen, jeden Tag in Jeans rumrennen und eine neue Freundin finden, die in Wanderstiefeln herumläuft und sich nicht die Fingernägel lackiert.

"Santa Fe ist eine sehr schöne Stadt", meinte meine Frau Elizabeth. "Die Häuser auf den Hügeln sieht man kaum. Es muss da sehr strikte Bauvorschriften geben. Man sieht nur die sich in den Fenstern reflektierende Sonne. Alles andere ist erdfarben. Dieser Stil ist sehr attraktiv. Wenn die Leute die üblichen Häuser bauen würden, dann wäre diese Stadt hässlich. Aber stattdessen ist sie attraktiv, sehr trendy. Und was mir noch an ihr gefällt, ist die Tatsache, dass es eine kleine Stadt ist. Man kann jeden Punkt der Stadt in 10 Minuten erreichen."

"Santa Fe ist eine reiche Stadt. Es ist eine Stadt, in die die Leute kommen, um Geld auszugeben. Wo und wie sie dieses Geld verdienen ... das weiß ich nicht.

*** Ein Grund dafür, warum wir nach Santa Fe gekommen waren: Unser Sohn Jules sollte sich das dortige St. John's College einmal ansehen. Dieses College hat noch einen Campus in Annapolis, Maryland. St. John's ist nicht besonders interessiert am üblichen Zugangs-Procedere. Es gibt keine Professoren mit großem Namen. Es gibt kein eigenes Football-Team.

"Wir lehren hier in St. John's nichts", erklärte unser Führer. "Wir lesen und diskutieren nur die großen Ideen, die unsere westliche Zivilisation geprägt haben. Wir beginnen mit der Bibel und den Philosophen vor Sokrates ... und arbeiten uns dann chronologisch vorwärts, in der Mathematik, der Musik, den Naturwissenschaften und der Literatur, aber auch in Philosophie und Religion, bis wir dann Max Planck und Ludwig Wittgenstein und andere moderne Denker diskutieren."

Das gefiel meiner Frau Elizabeth. Sie sah eine Chance, die Arbeit, Jules Wissen zu vergrößern, an einen anderen zu delegieren.

Aber Jules war sich da nicht so sicher.

Wenn die Menschen einfachere, rationalere Wesen wären – so erinnerte ich mich –, dann könnte man Politik studieren, als ob es eine Wissenschaft wäre ... die Fed würde wirklich die Wirtschaft führen können ... und ich könnte Jules sagen, was ich wirklich über das St. John's College denken würde. Aber wenn ich zu positiv darüber sprechen würde, dann könnte sich Jules dazu zu entscheiden, woanders hinzugehen – nur um seine Unabhängigkeit zu zeigen. Deshalb hielt sein alter Vater seinen Mund.


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