Saisonale Winter-Weizen-Trends und die Weizen-Mais-Spread-Strategie
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 17. Februar 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
nachdem wir uns gestern mit saisonalen Preistrends bei Mais beschäftigt haben, ist heute der Weizen an der Reihe.
Doch bevor wir auf die saisonalen Trends beim Weizen zu sprechen kommen, gilt es zunächst eine wichtige Unterscheidung zu machen. Denn Weizen ist nicht gleich Weizen! Grundsätzlich unterscheiden wir Sommer- und Winterweizen. In den USA werden drei wichtige Weizensorten gehandelt: Hard Red und Soft Red Winter Weizen, sowie Hard Red Sommerweizen. Obwohl alle drei Weizensorten (besser Klassen) starke Ähnlichkeiten in den saisonalen Preistrends aufweisen, beschäftigen wir uns dennoch mit jeder Klasse einzeln.
Soft Red Winter Wheat (Winterweizen)
Der Soft Red Winter Weizen wird an der Chicago Board of Trade gehandelt. Er wird hauptsächlich im östlichen Corn Belt der USA von den US-Bundesstaaten Missouri bis Michigan angebaut. Die größten produzierenden US-Bundesstaaten sind Ohio, Missouri, Illinois, Indiana und Arkansas. Dieser Weizen wird hauptsächlich zu Mehl verarbeitet, welches in Kuchen, Keksen und Crackers Verwendung findet. Soft Red Weizen enthält im Allgemeinen weniger Protein als die Hartweizen-Klassen (Hard Red Winter und Hard Red Spring).
Hard Red Winter Wheat (Winterweizen)
Der Hard Red Winter Weizen wird an der Kansas City Board of Trade gehandelt und stellt die größte Klasse an Weizen dar. Der US-Bundesstaat Kansas ist der größte Produzent von Hard Red Winter-Weizen in den USA. Hard Red Winter-Weizen wird aber auch in den Great Plains angebaut, von Texas bis South Dakota. Neben Kansas sind die größten Produzenten-Staaten Oklahoma, Texas, Colorado und Nebraska. Das aus Hard Red Winter-Weizen gewonnene Mehl wird vornehmlich für die Herstellung von Brot verwendet. Im Allgemeinen enthalten die Hartweizen- Klassen deutlich mehr Protein als der Soft-Weizen.
Saison-Charts
CBOT-Weizen (Soft Red Winter Wheat) im saisonalen Preistrend von 40 und 15 Jahren
Quelle: MRCI.com
KCBT-Weizen (Hard Red Winter Wheat) im saisonalen Preistrend von 24 und 15 Jahren
Quelle: MRCI.com
Winter-Weizen Aussaat und Ernte
Die Aussaat des Winterweizens beginnt in den nördlichen Anbaugebieten der USA im September und setzt sich in den südlicheren Regionen im Oktober fort. Der Winterweizen keimt dann im Herbst bis im Winter der erste Frost einsetzt. Dann ruht der Keimling in der Erde bis zum nächsten Frühjahr und wächst schließlich bis zum Sommer. Die Ernte beginnt dann etwa im Juni/Juli.
Der saisonale Aufwärtstrend
Wie wir anhand der Charts erkennen können, beginnt der saisonale Aufwärtstrend mit der Aussaat des Winterweizens im Herbst (also etwa Anfang September). Während der Aussaat kommt es vor allem darauf an, dass nicht zu heftige Niederschläge, frühe Frosteinbrüche, oder sogar eine späte starke Trockenheit die Aussaat-Phase behindern. Während der Ruhe-Phase der Pflanze im Winter können dann starke Temperaturwechsel die Pflanze beeinträchtigen und die Ernteerträge schmälern, insbesondere dann, wenn keine Schneedecke vorhanden ist, welche den Keimling in der Ruhe-Phase schützt. Der Aufwärtstrend wird etwa im Januar/Februar mit der February Break (Februar-Pause) beendet.
Die February Break
Bei Weizen kommt es im Januar /Februar oft zur so genannten February-Break, wenn Farmer zum Beispiel aus steuerlichen Gründen noch einmal einen großen Teil der letztjährigen Ernte abverkaufen. Diese Februarpause werden wir uns genauer bei den Sojabohnen ansehen.
Der saisonale Abwärtstrend
Nun beginnt der saisonale Abwärtstrend bis zur Ernte im Juni/Juli. Doch auch während dieser Phase (der Wachstumsphase der Pflanze) kann es zu zwischenzeitlichen Preishüpfern kommen. Beispielsweise wenn extreme Wetterverhältnisse die Bestäubung gefährden. Zudem gilt es in dieser Zeit auch den Sommerweizen im Auge zu behalten. Schließlich beginnt mit der neuen Aussaat im September auch wieder ein neuer saisonaler Aufwärtstrend.
Spread-Strategie
Während der Winter-Weizen-Ernte im Juni/Juli, wenn die Preise saisonal bedingt tiefer notieren, setzten professionelle Händler oft eine Weizen-Mais-Spread-Strategie ein. Das heißt: sie kaufen Weizen im Juni/Juli wenn die Preise tief sind und verkaufen zugleich Mais, der in dieser Zeit (wie wir ja wissen) oft eine saisonale Preisspitze hinlegt und danach in seinen saisonalen Abwärtstrend übergeht.
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