Saisonale Preisspitzen bei Mais
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 7. Mai 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Sehen wir uns zunächst die folgenden Charts an, die einen Überblick die durchschnittlichen Preistrends der letzten 15 Jahre geben:
Durchschnittlicher Saisonaler Preistrend - März-Kontrakt auf Mais
Durchschnittlicher Saisonaler Preistrend - Mai-Kontrakt auf Mais
Quelle beider Charts: Sinclair & Company
Anhand der beiden Charts, können wir bereits sehr schön das saisonale Tief zum Ende der Erntezeit im November/Dezember sehen.
Wenn der Frühling kommt
Anhand der Charts lässt sich damit auch erkennen, warum ein Trader, der auf saisonale Trends achtet, im Dezember wohl keine Short-Position eingehen wird: dem saisonalen Trend zufolge steigen ab Dezember die Preise wieder.
Diese Tendenz zu saisonal bedingt steigenden Preisen erfolgt in etwa bis April/Mai.
Warum kann es saisonal bedingt zu einer Frühlings-Rallye kommen?
Auch das ist einfach zu beantworten: bevor die US-Farmer tatsächlich die Aussaat vornehmen, weiß natürlich niemand wie viel Hektar am Ende tatsächlich mit Mais bepflanzt werden. Oft konkurrieren gerade Mais und Sojabohnen (die gerne in Fruchtfolge gesetzt werden) um die Anbaufläche.
Bevor also die Aussaat tatsächlich vonstatten gegangen ist, gibt es viele Faktoren die den Markt bewegen (insbesondere die Aussaat-Prognosen der USDA). Oder sagen wir es anders: das Getreide, welches preislich attraktiver erscheint, wird von den Farmern wohl eher den Zuschlag erhalten. Wenn also mehr Sojabohnen angebaut werden, dann kann das dazu führen, dass nicht genügend Ackerfläche für Mais zur Verfügung steht, was Mais schließlich verteuern dürfte.
Aber die Mais-Sojabohnen-Konkurrenz ist nicht der einzige Faktor. Auch eine stark steigende Nachfrage und die Überlegung, dass die Anbaufläche stärker ausgeweitet werden müsste, können so eine Frühlingsrallye an diesem Punkt, vor der tatsächlichen Aussaat, unterstützen. (siehe Mais-Ethanol-Boom).
Und natürlich muss auch beim Mais auf die Aussaat-Bedingungen geachtet werden. Denn, auch hier gilt: verzögert sich die Aussaat (beispielsweise wenn es noch zu kühl ist, es noch einmal zu Frost kommt oder schlicht wenn zu heftige Niederschläge die Arbeit auf dem Feld unmöglich machen), kann dies zu Ertragseinbußen führen. Mais erfordert bei der Aussaat relativ wärmere Bodentemperaturen, etwa um die 15.5 Grad Celsius.
Sommer-Spitzen
Anhand der Charts sehen wir, dass es im Sommer, etwa Ende Juni/Anfang Juli noch einmal zu Preisspitzen kommen kann.
Warum kommt es zu diesen Sommer-Hochs, wenn die Aussaat bereits abgeschlossen ist?
Nun, in diesem Stadium ist die Pflanze noch jung und anfällig, aber dies ist nicht der entscheidende Grund. In den USA haben wir es auch mit Wetterphänomenen zu tun, wie zum Beispiel La Nina, die ungünstige Wetterbedingungen für die Pflanzen schaffen können.
Eigentlich entstehen Sommer-Hochs nur dann, wenn ungünstige Wetterbedingungen die Ernte beeinträchtigen (wie zum Beispiel starke Trockenheit oder Sommer-Dürre [wenn nicht gerade ein trockentoleranter genveränderter Mais angebaut wird, erfordert Mais eine gezielte Bewässerung], aber auch starke Sommer-Gewitter, welche die Pflanzen umlegen oder gar abknicken). Allerdings kommt es in den letzten Jahren offenbar immer häufiger zu solch ungünstigen Wetterbedingungen, nicht nur in den USA.
Dann geht es wieder auf die Ernte zu...
...und der Kreislauf schließt sich. ;-)
Wir sehen, dass die Preise (abgesehen von den Sommer-Hochs), nach der Aussaat wieder fallen. Während der Erntezeit, kann es dann noch einmal zu zwischenzeitlichen kleinen Hochs kommen, wenn die Ernte aus verschiedenen Gründen (heftige Niederschläge erschweren die Ernte; einsetzender Frost; Schneefälle) erschwert wird.
Der saisonale Abwärtstrend erfährt sein Tief dann wieder mit dem Ende der Ernte im Dezember und ein neuer Aufwärtstrend kann beginnen.
So long liebe Leser...so viel einmal zu den saisonalen Trends bei Mais...vergessen Sie bitte nicht: grundsätzlich bestimmen den Markt immer eine ganze Reihe von Faktoren, (fundamentale und technische)...sich ausschließlich auf saisonale Trends als Indikator zu verlassen, wäre somit fatal....dennoch: jeder Farmer und jeder professionelle Getreide-Händler/Trader kennt die saisonalen Trends und nutzt diese als einen von vielen wichtigen Indikatoren...warum sollten wir sie dann nicht auch kennen?!...am Montag geht es also weiter mit saisonalen Trends bei Weizen...bis morgen zum Wochenrückblick
Ihre Miriam Kraus
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