Sagen Sie Ihrem Nachbarn nicht, dass seine Frau zu dick ist. Er weiß es schon.
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 23. März 2005 18:00 Uhr
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Die Leute pflegten einst zu sagen: "Alles, was gut für General Motors ist, ist auch gut für Amerika." Heute hoffen sie, dass es da keine Verbindung gibt.
In letzter Zeit sah es für General Motors überhaupt nicht gut aus. Autos herzustellen und diese mit einer 0 %-Finanzierung zu verkaufen, nur um die Krankenkassenbeiträge der Pensionäre bezahlen zu können, klingt nicht nach einem besonders guten Geschäft.
In der letzten Woche wurden die Leute aufmerksam.
Drei Nachrichten trafen die Presse in der vergangenen Woche, alle am 16. März. Nach einer Bekanntmachung von GM mussten Anleger einsehen, dass die größte Firma der Nation eventuell keine gesunde Firma mehr ist. Das Leistungsbilanzdefizit erreichte einen neuen Rekordwert, ebenso wie Öl.
Wegen dieser Nachrichten sieht Stephen Roach den 16. März als mögliches Datum des "Turning Point" der amerikanischen Wirtschaft. Wenn zinslose Kredite bei Autoherstellern keine besonders gute Idee sind, dann sind sie es vielleicht auch nicht für ganze Nationen. General Motors gibt Kaufanreize im Wert von mehr als 8000 Dollar, um einen der dicken SUV an den Mann zu bringen. Auch die Fed bietet zinslose Kredite – für die gesamte Wirtschaft. In harten Zahlen ausgedrückt heißt das: der Leitzinssatz ist bei ungefähr 0 (wenn man die Inflation mit berücksichtigt). Beide Finanzierungsprogramme steigern den Konsum. Es ist eine Konsumentenwirtschaft, sagen die Meinungsmacher: "Wir stimulieren den Konsum."
Aber Konsum ist nicht Amerikas Problem. Die Nation beherrscht das Konsumieren gut. Die Leute können im Schlaf konsumieren. Wir sind die besten Verbraucher der gesamten Welt. Wenn es darum geht, Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, von Geld, dass wir nicht haben, dann macht uns so schnell kein anderer etwas vor.
Amerikas Problem ist eher, dass es das Konsumieren zu gut beherrscht. Wir konsumieren so viel, es bleibt einfach nichts mehr übrig. Die Sparquote ist auf 1,5 % gefallen. Sie lag, als Reagan ins Weiße Haus einzog bei 8 %. Ohne Ersparnisse brauchen die Leute Finanzierungen, und deshalb sind zinslose Kredite auch so verlockend, wenn man mit einem Leben über den eigenen Verhältnissen fortfahren möchte.
Wenn Konsum einen doch nur reich machen würde. Das Problem mit dem Konsum ist, dass er einen nicht reicher, sondern ärmer macht.
Aber wer weiß das schon? Wen kümmert's? Wer will so was hören? Verschwenden Sie nicht Ihre kostbare Zeit, indem Sie Ihrem Nachbarn erzählen, dass Konsum ihn nicht reich machen wird. Sie könnten ihm auch gleich sagen, dass seine Frau zu dick ist. Er hat es vermutlich schon bemerkt und wird die Feststellung so oder so nicht zu würdigen wissen."
Abgesehen davon steigen auch die Immobilienpreise weiter. "Hauspreise wachsen in den Himmel", lautete die letzte Schlagzeile aus San Francisco. Wie soll jemand glauben, dass er immer ärmer wird, wenn der Wert seines Hauses jedes Jahr um 20 % ansteigt. Wenn man so viel Geld verdient, ohne dafür zu arbeiten, dann ist es kaum verwunderlich, dass das Geld auch ausgegeben wird. Wie gewonnen, so zerronnen. Die Amerikaner "scharen sich um den Luxus", lautet eine Meldung von Reuters. In der Zwischenzeit gelingt es GM nicht, gewinnbringend Autos herzustellen. Was immer Amerika auch heute noch tut, es tut nicht genug. Das Handelsbilanzdefizit weitet sich immer noch aus. All das Gelaber darüber, wie dynamisch und flexibel unsere Wirtschaft sei, dass die Welt unsere Marken und unser Geld haben wolle, dass man im Ausland keine andere Wahl habe, als uns Geld zu leihen, dass unsere Wirtschaft so schnell wachse und dass wir alle reich würden, indem wir voneinander Häuser kaufen, es ist einfach nur Lärm. Es lenkt ab, nervt und raubt einem den Verstand.
Einige asiatische Zentralbanken haben bereits gesagt, dass sie genug davon haben. Sie sagten, sie wollten den Dollar in ihren Devisenreserven nicht mehr so hoch gewichten. Auch andere müssen bereits darüber nachdenken.
Vielleicht ist letzte Woche der "Turning Point" erreicht worden. Vielleicht auch nicht.