Safe Haven Nr.2: CHF
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 26. Mai 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Im 2.Teil möchte ich heute noch auf einen weiteren Safe Haven zu sprechen kommen: den Schweizer Franken. Zu diesem Zweck habe ich Ihnen einen Auszug aus meinem Beitrag im Devisen Monitor von gestern mitgebracht:
"EUR/CHF ein Allzeittief nach dem anderen
Während EUR/USD mittlerweile ein überverkauftes Niveau erreicht, zumindest aber die Zone um 1,4000 als Unterstützung hält, verrät der Blick auf ein anderes Währungspaar dagegen das eigentliche Ausmaß des Vertrauensverlustes in die Lösung der europäischen Schuldenkrise. EUR/CHF ist und bleibt das Währungspaar der Wahl (Anm.: mit Ausnahme der Währung Gold gegenüber Papiergeldwährungen versteht sich), wenn es darum geht sozusagen die europäischen Schuldenstaaten zu shorten.
Euro oder US-Dollar - die Wahl fällt schwer
Wie ich bereits schrieb, ist der jüngste Rückgang im EUR/USD vornehmlich auf die natürlicherweise zu erwartende Gegenbewegung nach dem Hoch bei fast 1,5000 zu Beginn des Monats zurück zu führen. Obgleich natürlich die Problematik um Griechenland und vor allem die offensichtliche Unfähigkeit von Politik und EZB, sich auf einen gemeinsamen Lösungkurs zu verständigen den Euro jüngst weiter unter Druck gesetzt haben. Auch die erneuten Abstufungen der Kreditwürdigkeit Griechenlands durch die Rating-Agenturen, sowie die Absenkung des Ausblicks auf negativ für Italien durch S&P haben natürlich zum Chaos weiter beigetragen.
Dennoch kann man auf dem aktuellen Kurslevel weder von einer Eurokrise sprechen, noch davon, dass die Wahl tatsächlich gewollt zugunsten des US-Dollar ausfällt. Denn auch in den USA liegt viel zu viel im Argen, wachsen die Schuldenprobleme der Politik über den Kopf. Stattdessen war eine Gegenbewegung für den US-Dollar schlichtweg einmal fällig und auch der gesunkene Risikoappetit kann der US-Währung zwischenzeitliche Unterstützung bieten.
Dennoch wirkt EUR/USD auf dem aktuellen Niveau bereits leicht überverkauft. Es bleibt daher abzuwarten, ob sich nun bereits ein Boden ausbilden kann oder der Euro übertriebenerweise noch weiter abgeben muss und die Unterstützung im Bereich um 1,4000 schließlich doch gebrochen wird.
Euro oder Schweizer Franken - diese Wahl fällt dagegen leicht
Während die Wahl zwischen Pest und Cholera (oder Euro und US-Dollar) nicht gerade leicht fällt und dazu führen sollte, dass sich das Währungspaar eigentlich in einer stabilen Range wzischen 1,4000 und 1,4500 ganz wohl fühlen sollte, fällt die Wahl zwischen Euro (oder auch US-Dollar) und Schweizer Franken dagegen umso leichter zugunsten des Franken aus.
Dieser gilt nicht erst seit gestern als Safe Haven Währung schlechthin. Obgleich natürlich die Nostalgie nicht als alleinige Begründung ausreichen kann, genauso wenig, wie der Umstand, dass sich die Schweizer Wirtschaft weiterhin sehr stabil präsentieren kann. Doch die Schweiz, obwohl eine vergleichsweise kleine Volkswirtschaft, kann mit einem Vorteil aufwarten: sie steht keiner derart horrenden Schuldenproblematik gegenüber, wie die USA oder die europäische Peripherie. Hinzu kommt, dass die Schweizer Banken, nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, im Vergleich relativ geringen Belastungen durch griechische Schulden ausgesetzt sind.
So lässt sich auch in der Entwicklung EUR/CHF immer wieder ganz gut ablesen, wann erneute Schuldenprobleme die Eurozone erschüttern und hernach Geld in die Schweiz fließt.
Sehen wir uns das einmal anhand eines längerfristigen Charts an:
EUR/CHF seit 2008
Quelle: CFX-Trader
Seitdem die SNB ihre Bemühungen zur Stabilität des Wechselkursverhältnisses aufgegeben hat, bleibt dem Schweizer Franken praktisch keine andere Wahl, als beständig aufzuwerten, gegenüber dem Euro." Ende des Auszugs
EUR/CHF wie geht's weiter?
Nachdem erst am Montag ein neues Allzeittief bei 1,2360 erreicht wurde, ist dieses mehrmals wieder unterschritten worden. Heute notierte EUR/CHF im Tief bereits bei 1,2200.
Was soll ich sagen? Die Menschen haben sich den Schweizer Franken als Fluchthafen ausgesucht, da kann man nichts machen. Obwohl sich vermutlich neben den Euroländern niemand so sehr über eine Lösung der Euro-Schuldenkrise freuen dürfte, wie die Schweizer Exportwirtschaft. Denn, sollte es schließlich eine Lösung geben, dann dürfte der Franken auch endlich mal unter Druck geraten. Aber bis dahin fließen vermutlich noch viele Tränen den Berg hinab.
Der springende Punkt ist: so lange das Europa-Chaos in einer akuten Phase steckt, dürfte der Franken wohl noch weiter aufwerten. Allerdings hat das Währungspaar EUR/CHF derzeit schon ein extrem tiefes Niveau erreicht, so dass mittelfristig zumindest mal eine Stabilisierung des Wechselkursverhältnissen durchaus angebracht wäre. Denn die Schweizer Volkswirtschaft kann zwar durchaus mit einer stabilen Aufwertung des Schweizer Franken umgehen (wie sie bislang eindrucksvoll beweist), sollte sich allerdings die extreme Dynamik der letzten Tage fortsetzen, dann könnte es etwas ungemütlicher werden.
Denn generell gilt: eine Volkswirtschaft die qualitativ hochwertige Güter produziert, braucht sich auch vor einer Aufwertung der eigenen Währung nicht zu fürchten. (und nicht zu vergessen, werden dadurch ja auch die Rohstoffimporte günstiger). Allerdings benötigt die Exportindustrie jeder Volkswirtschaft einen gewissen zeitlichen Spielraum um sich auf die Veränderungen einzustellen. Wie immer und überall, ist es nämlich nur die extreme Dynamik, die zu Verwerfungen führen kann.
So long liebe Leser...so viel einmal für heute zu den Sicheren Häfen..wie gesagt, nächste Woche geht's mit einigen interessanten Fakten zum Gold weiter...und morgen gibt's an dieser Stelle, wie gewohnt, den Wochenrückblick...damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend...liebe Grüße und bis morgen..
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von G Fröhlich (26.05. 2011 21:42 Uhr):
Bin einmal auch daran interessiert zu erfahren, wie sich die anderen Europäischen Währungen gegenüber dem € verändert haben!: Hier die Norwegische, Schwedische und die Dänische in gleicher vergleichenden Entwicklung wie hier zum Schweizer Franken. Sind das auch 'sichernde' Währungen?
Antworten - Kommentar von G Fröhlich (26.05. 2011 21:44 Uhr):
weiter so!
Antworten - Kommentar von klaus morian (27.05. 2011 08:54 Uhr):
An den Wärungspaar € / NOK wäre ich auch interessiert, zumal sich Norgegen auch wirschaftlich mittels Staatsfond in einer soliden Lage befindet.
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