Russlands Börsen auf Jahrestief
Daniel Wilhelmi in Profit Radar
vom 27. August 2008, 19:00 Uhr
ENL5462
Die Russland-Story zieht seine Kreise. Nun ist der Einbruch der russischen Börse auch in den Mainstream-Medien angekommen. Das ist eigentlich immer ein interessanter Kontra-Indikator.
Der Grund: Die russischen Börsen sind gestern und heute noch mal kräftig eingeknickt. Der RTS verliert heute über -3% und markierte ein neues Jahrestief. Tatsächlich ist der RTS inzwischen auf einem Niveau angekommen, dass wir zuletzt im Herbst 2006 gesehen haben. Der Georgien-Konflikt ist hier zwar der augenscheinliche Grund, aber genau so wichtig sind auch die gefallenen Öl- und Gaspreise.
Der russische Aktienmarkt hat schon immer eine hohe positive Korrelation zum Ölpreis gehabt. Wenn der Ölpreis steigt, dann steigen auch die russischen Aktien. Und der Ölpreis ist in den vergangenen Wochen ja deutlich gefallen.
Aber kommen wir zurück zum Georgien-Konflikt. Zuerst mal wundert mich die völlig unvorbereitete Überraschung, welche diese Krise im Westen ausgelöst hat. Jeder Mensch, der sich in den letzten Jahren nur halbwegs intensiv mit Russland befasst hat weiß, dass Russland seinen Supermacht-Anspruch nie aufgegeben hat. Es war doch klar, dass Russland, sobald man zu innerer (sprich: wirtschaftlicher) Stärke zurückfindet, diesen Anspruch wieder aufleben lassen würde.
Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass es wieder zu einem Kalten Krieg kommt. Daran hat nach Jahren der Globalisierung niemand (außer den Rechten in allen Ländern) ein wirkliches Interesse. Zudem wird sich die Welt ändern: Denn im 21 Jahrhundert wird es nicht mehr nur 2 Supermächte geben: Es wird 3,5 Supermächte geben: Die USA, Russland, China und Indien, wobei Indien in seiner Entwicklung noch so weit zurück hängt, dass es den 3 großen Ländern zumindest in den kommenden Jahrzehnten noch hinterherhinkt.
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