„Russland geht das Öl aus“
Volkmar Michler in Profit Radar zum Thema Global Anlegen
vom 16. April 2008 19:00 Uhr
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Es klingt wie ein verspäteter April-Scherz oder liest sich wie eine Headline der Bild-Zeitung. „Russland geht das Öl aus“. So lautet die Meldung vom 15. April, die innerhalb weniger Minuten rund um den Globus geht. Und sie zeigt eine dramatische Wende: Die Erdölförderung in Russland hat ihren Höhepunkt erreicht. Das ist nicht etwa ein gezielt gestreutes Gerücht aus Spekulanten-Preisen, die mittlerweile auf einen Ölpreis von 200 US$ zum Ende des Jahres setzen. Nein, wer sich hier zu Wort meldet, ist kein Geringerer als der Vize-Chef von Lukoil, einem der größten russischen Öl- und Gaskonzerne, Leonid Fedun.
2007 belief sich die Fördermenge auf 9,95 Mio. Barrel pro Tag. Etwas Höheres werde er wohl „in diesem Leben nicht mehr sehen“, sagte Fedun in einem Interview mit der Financial Times. Gemeint ist damit: Ab jetzt geht es mit der Fördermenge in Russland bergab. Wie dramatisch Lukoil-Vize Fedun die Lage einschätzt, zeigt auch sein Vergleich: Er vergleicht Russland mit den Fördergebieten wie der Nordsee und Mexiko, wo die Ölförderung bereits stark rückläufig ist. Im ölreichen Sibirien sei „die Phase des intensiven Wachstums der Ölförderung vorbei“, so Fedun. „Schnelles Wachstum wird durch gleich bleibende oder fallende Produktion abgelöst werden.“
Zwar spricht die russische Regierung noch nicht davon, dass die Förderung ihren Zenit erreicht hat. Energieminister Viktor Christenko räumte aber bereits vor einer Woche ein, dass „der derzeitige Ausstoß stagniert“. Nach Angaben der Internationalen Energie Agentur ist die russische Ölförderung sogar bereits seit Anfang des Jahres rückläufig.
Die Situation ist auch deshalb dramatisch, da Russland nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölproduzent und im Westen immer als Alternative zu den unsicheren arabischen Förderländern gesehen wurde.