Russell 2000: Nachtrag zu letzter Woche
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 21. Oktober 2010, 17:00 Uhr
ENL5454
letzten Donnerstag hatte ich im technischen Bereich der Märkte einmal einen Blick auf den Russell 2000 Index geworfen und dabei unter anderem auf den überkauften RSI hingewiesen.
Ebenfalls warf ich einen Blick auf den New York Stock Exchange Bullisch Prozent Index (kurz NYSE BPI oder NYSE BP Index) und wies darauf hin, dass dieser nun kurz vor der überkauften Zone (70 Punkte und aufwärts) stehe.
Was hat sich seitdem getan?
Wie zu erwarten war, gab der Index kurzfristig etwas nach, was auch den RSI wieder etwas nach unten brachte. Ebenfalls begann der MACD nun, eine Überrollbewegung zu vollziehen.
Sehen wir uns auch heute nochmals den Russell 2000 Index als internationalen "Leitindex" für Nebenwerte an:
Quelle: stockcharts.com
Aus technischer Sicht ist es sicherlich zu früh, hier von Anzeichen für einen Trendwechsel zu sprechen. Bisher haben wir lediglich einen kleinen Rücksetzer. Die technischen Bären dürfte das Geschehen erst aus ihren Höhlen locken, wenn etwa ein Doppeltop entstehen oder der Index nachhaltige Schwächen zeigen und nach unten "durchkrachen" würde. Soweit sind wir natürlich nicht und ich erwarte eine derartige Entwicklung momentan auch eher weniger.
Gleichen wir die Entwicklung im Russell 2000 auch heute nochmals mit dem internen Markt ab und beginnen mit dem NYSE BP Index:
Quelle: stockcharts.com
Der NYSE BP Index hat sich im Vergleich zur letzten Woche kaum verändert. Wir haben es nach wie vor mit dem Zustand "Bull Confirmed" zu tun und zwei aufeinander folgenden P&F-Kaufsignalen.
Der Index steht nach wie vor unterhalb der roten Zone (per Definition 70 und aufwärts) und macht keine Anstalten, nach unten drehen zu wollen.
Da der NYSE BP Index vielen Anlegern hierzulande immer noch ein wenig ungewohnt erscheint, nochmals zur Erinnerung:
Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.
Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.
Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen.
Ein Blick auf den kleinen Bruder des NYSE BP Index
Der ein oder andere von Ihnen wird sich vielleicht daran erinnern, dass ich bei meinen Marktbetrachtungen immer mal wieder auch den "kleinen Bruder" des NYSE BP Index vorstellte.
Hierbei handelt es sich um den sog. "Prozent der 10 Index" oder aber auch schlicht um den Index aller Aktien, die über ihrem 50-Tage-Gleitschnitt notieren.
Um diesen in vernünftigen Bezug zum NYSE BPI zu setzen, sei der entsprechende Index für unseren Fall auch nur über die Aktien an der NYSE definiert.
Um jetzt hier nicht nochmals größer auszuholen (wer mehr zu dem Index wissen möchte, dem sei der obige Link empfohlen. Dort finden Sie einen erklärenden Text): Sie können sich den Index als eine kurzfristigere und empfindlichere Version der NYSE BPI vorstellen.
Dementsprechend hat der Index natürlich mehr Ausschläge, reagiert jedoch auch schneller als sein "großer Bruder".
Werfen wir also einen Blick auf den P&F-Chart:
Quelle: stockcharts.com
Auch bei diesem Index gilt (analog zum NYSE BP Index) das Level 70 als der Beginn der überkauften Zone. Es ist jedoch für den Index üblicher, diese weiter nach oben zu überschreiten, als es beim NYSE BP Index der Fall ist.
Ein Blick auf den Chart zeigt jedoch sehr klar, dass wir aus technischer Sicht kurzfristig gut überkauft sind in den Märkten.
Ein Drehen des Index dürfte daher darauf hindeuten, dass wir einen Rücksetzer bzw. eine kleinere Korrektur erleben dürften.
Wenn Sie sich im Chart ansehen, wo der Index historisch drehte, so dürfte die aktuelle Schwäche bereits recht wahrscheinlich anzeigen, dass wir auf dem Weg in eine O-Spalte sind.
Einen Rücksetzer im Markt bzw. eine kleine Korrektur in nächster Zeit erscheint mir nicht unwahrscheinlich. Von einem brutalen Absturz, wie ihn manch ein Krisenprophet gerne sehen würde, gehe ich jedoch nicht aus.
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